Weltwassertag UN-Bericht: 500 Millionen Menschen in Afrika ohne sicheren Zugang zu Wasser

Mehr als ein Drittel der Menschen in Afrika haben keinen gesicherten Zugang zu Wasser. Das zeigt ein neuer UN-Bericht zum Weltwassertag. Doch auf dem Kontinent gibt es riesige ungenutzte Grundwasservorräte.

Weltwassertag
500 Millionen Menschen in Afrika haben keinen sicheren Zugang zu sauberem Wasser. Bildrechte: IMAGO / VWPics

Hahn auf, sauberes Wasser fließt. Was für Menschen in westlichen Ländern meist selbstverständlich ist, gilt nicht in Afrika. Denn dort gibt es kaum Wassersicherheit. Mehr als ein Drittel des Kontinents, oder eine halbe Milliarde Menschen, lebten  ohne abgesicherten Zugang zu Wasser, teilte das UN-Institut für Wasser, Umwelt und Gesundheit (UNU-INWEH) am Montag zum Auftakt des neunten Weltwasserforums in Senegals Hauptstadt Dakar mit.

Trotz der globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung hätten fast die Hälfte der 54 Länder des Kontinents in den vergangenen drei bis fünf Jahren im Bereich Wassersicherheit keine Fortschritte gemacht, heißt es in dem zum Weltwassertag (22. März) veröffentlichten Bericht. Die UN hat eine recht breite Definition von Wassersicherheit. Die vom kanadischen Institute for Water Environment and Health der UN-Universität (UNU-UNWEH) veröffentlichte Bewertung verwendete zehn Indikatoren, um die Wassersicherheit in den 54 Ländern Afrikas zu quantifizieren. Dabei geht es unter anderem um den Zugang zu ausreichend sauberem Wasser und Hygieneeinrichtungen, aber auch um ökologische Fragen, wie etwa die Frage der Abwasserentsorgung.

Selbst die fünf wassersichersten Länder Afrikas - Ägypten, Botswana, Gabun, Mauritius und Tunesien – wiesen "nur ein bescheidenes Niveau an Wassersicherheit" auf, hieß es. Somalia, Tschad und Niger sind laut der UN die am wenigsten wassersicheren Länder des Kontinents.

Wenig Daten, Ergebnis dennoch klar

Allerdings weisen die UNU-INWEH-Autoren Grace Oluwasanya, Duminda Perera, Manzoor Qadir und Vladimir Smakhtin, der Direktor des Instituts, darauf hin, dass die Bewertung durch "sehr schlechte" Daten zu Fragen der Wassersicherheit wie dem Zugang zu Trinkwasser oder sanitären Einrichtungen eingeschränkt sei. Aber sie bietet dennoch einige "vorläufige, aber offensichtliche Schlussfolgerungen", und ändere nichts "am Hauptergebnis dieser Bewertung, die stark und klar ist", sagt die Hauptautorin Grace Oluwasanya. Das Gesamtniveau der Wassersicherheit in Afrika ist gering. Kein einziges Land, geschweige denn eine Subregion, hat derzeit einen Zustand erreicht, der als "vorbildliches" oder gar "effektives" Stadium der Wassersicherheit angesehen werden kann.“

Wasserprobleme durch Klimawandel

Die letzten trockenen Jahre haben bereits gezeigt, dass auch Deutschland Probleme mit der Wasserversorgung bekommen kann. Nur langsam füllen sich die Grundwasserspeicher wieder. In der langfristigen Entwicklung lässt sich sogar eine Trendwende erkennen. Denn seit dem Hochwasser im Jahr 2013 sind die Grundwasserstände gesunken, so Untersuchungen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig. Deutschland droht, so bestätigen es auch neueste Prognosen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), in den nächsten Jahrzehnten infolge des Klimawandels ein sinkender Grundwasserspiegel. Vor allem in Nord- und Ostdeutschland könnte es gegen Ende des Jahrhunderts längere Perioden mit niedrigen Grundwasserständen geben, sagte Stefan Broda von der BGR. 

Bürgerprojekt zum Grundwasser

Forschende der Universität Konstanz wollen zusammen mit unseren Kollegen vom SWR herausfinden, wie es um das Grundwasser in Deutschland steht. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass überall im Land die im Boden gespeicherten Wassermengen weniger werden. 

Die SWR Kollegen haben dazu einen Spielfilm und eine Dokumentation produziert und ein Portal aufgesetzt. Dort können Sie eintragen, wenn Ihnen Gewässer, also Bäche, Flüsse und Seen, in Ihrer Umgebung aufgefallen sind die heute weniger Wasser führen als vor einigen Jahren, oder komplett ausgetrocknet sind. Die Meldungen finden Sie anschließend auf einer Karte wieder.

Wasser nachhaltiger nutzen

Die Unesco fordert in einem neuen Weltwasserbericht, Grundwasservorräte nachhaltig zu nutzen und besser zu verwalten. Europa entnehme mit sechs Prozent der weltweiten Menge nur wenig Grundwasser, vor allem zur Trinkwassergewinnung. Aber in 38 Prozent aller Grundwasserleiter gebe es Verschmutzung durch die Landwirtschaft, vor allem durch zu hohe Nitratbelastung. Asien sei der Kontinent mit der intensivsten Grundwassernutzung, ebenfalls durch die Landwirtschaft.

Trinkwasser pro Kopf und Tag in Deutschland
127 Liter pro Kopf. Liegen Sie über oder unter dem Durchschnitt? Bildrechte: Statista

In vielen Ländern Afrikas würden die riesigen Grundwasserreserven laut Unesco dagegen kaum genutzt. Nur drei Prozent der Ackerflächen seien mit entsprechenden Bewässerungssystemen ausgestattet, davon nutzen wiederum nur fünf Prozent Grundwasser. Die Erschließung des Grundwassers könne gerade in Afrika ein Katalysator für wirtschaftliche Entwicklung sein.

Links/Studien

Die Untersuchung zur Wassersicherheit in Afrika können Sie auf der Seite des Institute for Water Environment and Health der UN-Universität vollständig nachlesen.
Die Studie von KIT/ und BGR zu Prognosemodellen über die zukünftige Entwicklung des Grundwasserspiegels wurde im Magazin Nature veröffentlicht.
Beim Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig finden Sie den Dürremonitor, der täglich flächendeckende Informationen zum Bodenfeuchtezustand in Deutschland liefert.

UN/dpa/gp

6 Kommentare

Matthi vor 14 Wochen

Ich könnte auch Sie fragen können Sie belegen das, das System angewendet wird. Schauen Sie sich doch das Ergebnis der letzten Jahrzehnte an, Milliarden sind nach Afrika geflossen an den Problemen wie Wasserversorgung Abwasser Müllentsorgung Hungernde Kinder ein vernünftiges Gesundheitswesen Schulwesen es hat sich nichts geändert. Viele Projekte in Afrika die eine gewisse Grundversorgung der Bevölkerung sicherstellen werden durch Weltweite Private Spenden am Leben gehalten obwohl das eine Aufgabe der jeweiligen Regierungen wäre. Werden Regierungen die Entwicklungsgelder anderweitig verwenden vorsichtig ausgedrückt sanktioniert, ich habe davon noch nichts gehört von unseren Regierungen der letzten 20 Jahren.

Matthi vor 14 Wochen

Das der Klimawandel eine Rolle mitspielt ist ja nicht strittig aber es sind auch hausgemachte Probleme der Länder in Afrika. Ich denke in diesem Zusammenhang an die Regierenden Eliten die ihre Länder ausplündern Millionen auf Konnten Parken, eher Einnahmen ins Militär stecken anstatt Wasser und Abwasser Projekte zu Finanzieren. Es ist aber einfach die Industrie Staaten für alles verantwortlich zu machen und lieber über Spenden ihr System aufrecht zu halten.

Jan vor 14 Wochen

Ich finde, hier sollte auch erwähnt werden, dass Investoren in vielen Länder durch Land Grabbing die Situationen verschärfen. Man kann nur alle auffordern, sich mal bei seiner Bank zu erkundigen, wo sie Geld investiert oder wer Aktien hat, wer sich denn da in seinem Depot befindet.
Wasser gehört niemanden und ist ein Grundrecht für alle.