Klinische Studie Kampf gegen Prostatakrebs mit Gen-Antikörper

Knapp 60.000 Männer erkranken in Deutschland jedes Jahr an Prostatakrebs. Haben sich schon Metastasen gebildet, ist der Krebs bisher nicht heilbar. Dadurch ist die Todesrate sehr hoch und liegt bei fast einem Viertel der Patienten. Therapien gegen den Krebs werden händeringend gesucht. Im November starten nun Forscher der Universität Tübingen eine vielversprechende Klinische Studie. Betroffene können sich dafür noch anmelden.

Schematische Darstellung mit weißen Linien vor schwarzem Hintergrund des männlichen Unterleibes, Position der Prostata unterhalb der Blase orange-rot hervorgehoben 3 min
Die Prostata (oder auch Vorsteherdrüse) produziert einen Teil des Spermas und liegt unterhalb der Blase. Bildrechte: imago/Science Photo Library

Die Hoffnung steckt in CC-1. Eigentlich heißt CC-1 so: Bispezifische PSMAxCD3 Antikörper CC-1. Ein genveränderter Antikörper, der so in der Natur nicht vorkommt. Um zu verstehen, wie CC-1-Antikörper arbeiten, stellt man sich am besten ein Team vor. Das rückt über die Blutbahn zu den entarteten Zellen aus und dockt dort mit einem Arm an der bösartigen Krebszelle an. Mit dem anderen Arm winken die Antikörper kräftig in Richtung Immunsystem, um zu signalisieren: Hier gibt es was zu tun. CC-1-Antikörper sind also Kommunikationsexperten.

Gentechnisch hergestellte Antikörper als Kommunikationsexperten

"Bispezifische Antikörper sind gentechnisch hergestellte Antikörper, die zwei unterschiedliche Strukturen im Körper erkennen können", erklärt Gundram Jung, Professor an der Universität in Tübingen. Dadurch ist CC-1 in der Lage, sowohl den Tumor als auch die Immunzellen zu erkennen. In der Natur kommen keine bispezifischen Antikörper vor, sondern nur monospezifische. Die können das nicht.

Wie gut die Labor-Antikörper funktionieren, soll jetzt in einer klinischen Studie in Tübingen erforscht werden. "Da lauert natürlich auch die Gefahr im Hintergrund, dass wir das Immunsystem zu viel aktivieren", sagt Gundram Jung. Ziel ist es also, zu erreichen, dass das Immunsystem nicht zu viel des Guten tut.

Studie beginnt im November - hier anmelden

Bispezifische Antikörper sind nicht neu, Gundram Jung forscht seit dreißig Jahren an ihnen und hätte sich eine klinische Studie bereits früher gewünscht. Regulatorische Bestimmungen zur Arzneimittelentwicklung hätten dem entgegen gestanden. Im November kann die Studie jetzt aber beginnen. Patienten, die daran teilnehmen möchten, können sich noch melden, direkt oder über den behandelnden Hausarzt. Die Mailadresse: kketi@med.uni-tuebingen.de.

Teilnahmebedingungen

Teilnehmen können erwachsene Patienten mit einem Prostatakarzinom, das auf eine Hormon-ablative Therapie nicht mehr anspricht (kastrationsresistentes Prostatakarzinom) und die bereits drei vorhergehende Therapien erhalten haben. Vor Beginn der Antikörpertherapie wird untersucht, ob die Patienten alle Anforderungen für die Studie erfüllen. 

Finanziert wird die Studie vom Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung und dem Helmholtz Validierungsfonds. Die Forscher können somit unabhängig von Pharmakonzernen arbeiten. Je nach Verlauf rechnen sie in zwei bis vier Jahre mit Ergebnissen.

Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2019, 14:51 Uhr

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