Erektionsprobleme Wenn Pornos erregender werden als echter Sex

Bei einer Befragung junger Männer zeigt sich: 35 Prozent finden Pornos erregender, als echten Sex mit einem Partner oder einer Partnerin. Hoher Pornokonsum könnte daher eine Ursache von Erektionsproblemen sein.

Geöffneter Mund einer Frau auf einer Pornoseite im Internet
Junge Männer, die häufig Pornos konsumieren, berichten in einer Befragung über Erektionsprobleme beim Sex mit echten Partnerinnen und Partnern (Symbolfoto). Bildrechte: imago images / Waldmüller

Das Internet hat in den vergangenen 20 Jahren den Zugang zu Pornografie deutlich vereinfacht. Wenig überraschend stellten Forscher bei Befragungen fest, dass der Konsum expliziter Filme und Videos in dieser Zeit deutlich zugenommen hat. Das hat Folgen für den echten Sex in Partnerschaften. Eine neue Untersuchung belgischer Wissenschaftler zeigt, wer viel Pornos konsumiert, berichtet auch häufiger über mangelnde Erregung und Erektionsprobleme beim Sex mit der Partnerin oder dem Partner.

35 Prozent finden Pornos aufregender, als echten Sex

Die Wissenschaftler um Gunter de Win von der Universität Antwerpen suchten mit Anzeigen in sozialen Netzwerken und mit Plakaten nach den Teilnehmern. Insgesamt 3.267 vorwiegend jüngere Männer aus Dänemark und Belgien beantworteten den Onlinefragebogen mit 118 Fragen zu Masturbation, Pornokonsum und Sex mit Partnern. Dabei konzentrierten sich die Forscher vor allem auf Männer, die in den vergangenen vier Wochen vor der Befragung Sex mit Partnern hatten, um den Einfluss der Pornos messen zu können. Die Ergebnisse berichten die Wissenschaftler jetzt beim virtuellen Kongress der europäischen Vereinigung der Urologen (EAU).

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Sexualtherapeutin und "MDR um 4"-Liebes-Expertin Dr. Carla Thiele hat für uns häufige Sex-Mythen bewertet.

Do 16.02.2017 12:32Uhr 00:39 min

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Im Schnitt berichteten die Befragten, dass sie pro Woche etwa 70 Minuten lang Pornos angesehen hatten. Eine Sitzung dauerte dabei etwa zwischen 5 und 15 Minuten. 90 Prozent spulten die Sexvideos bis zu den erregendsten Szenen vor. Den echten Sex fanden dagegen nur 65 Prozent der Befragten befriedigender als die Pornos. 23 Prozent der befragten Männer unter 35 Jahren berichtete von Erektionsproblemen, wenn sie Sex mit einem Partner oder einer Partnerin hatten. 20 Prozent sagten, sie müssten immer härtere Pornos anschauen, um noch ein gleiches Erregungslevel zu erreichen.

Deutlicher Zusammenhang zwischen Pornos und Problemen im Bett

Aus Sicht der Forscher war der Zusammenhang zwischen der Menge der angesehen Pornos und den berichteten Problemen im Bett überraschend deutlich. Befragte, die viel Pornos geguckt hatten, erreichten auch hohe Punktzahlen auf der Skala für Pornosucht. Zwar sei bei einer Onlinebefragung unklar, wie repräsentativ sie für die Gesamtbevölkerung sei. Allerdings halten die Wissenschaftler ihre Daten angesichts der großen Teilnehmerzahl für durchaus belastbar.

Zweifellos beeinflussen Pornos die Art und Weise, wie wir Sex betrachten. In unserer Umfrage waren nur 65 Prozent der Männer der Meinung, dass Sex mit der Partnerin aufregender ist als das Ansehen von Pornos.

Gunter de Win, Universität in Antwerpen.

Die Forscher wollen nun in Anschlussstudien untersuchen, wie sich Pornokonsum bei Frauen auswirkt. Und sie raten Ärzten und Therapeuten, die Erektionsstörungen behandeln, die Patienten auch nach dem Konsum von Pornos zu fragen.

(ens)

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Die Liebe fühlt sich an wie ein Zauber. Doch tatsächlich verbirgt sich hinter dem Kribbeln im Bauch ganz einfache Chemie.

Di 21.11.2017 15:11Uhr 02:10 min

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2 Kommentare

wer auch immer vor 15 Wochen

Schwieriges Thema.
Die Erotik als solche gibt es nicht mehr. Es wird zu viel vom Sex verlangt und dafür zu wenig gemacht. Überall ist das Thema Sex zugänglich.
Unsereins hat sich als junger Mann noch an einem schönes Aktfoto erfreut.
Als Mann weis man doch, das die schönsten Momente die vor dem Orgasmus sind. Hinterher ist alles wie "Immer".
Ein Porno kann anregen, sollte nicht die Vorlage sein.
Anderer Seitz, Pornos dienen als Ornaniervorlage, es entspannt wörtlich, mehrere Lebenssituationen.
Mit dem eigenen Körper kann auch Jeder machen was er will. Einen Schaden wird keinem Fremden zugeführt.



MDR-Team vor 15 Wochen

@wer auch immer, vielen Dank, dass Sie uns so konstruktiv an Ihrer Meinung zum Thema teilhaben lassen.

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