Weltraumteleskop TESS Astronomen beobachten: Schwarzes Loch zerreißt Stern

Astronomen haben beobachtet, wie das supermassive Schwarze Loch im Zentrum einer weit entfernten Galaxie einen Stern zerreißt. Die Daten sollen helfen, diese Gezeitenkatastrophe physikalisch besser zu verstehen.

Künstlerische Darstellung: Der Stern wird durch die Gravitation des schwarzen Loches in die Länge gezogen und in einer Umlaufbahn um das schwarze Loch herumgeschleudert, bis er schließlich mit sich selbst kolidiert, wobei noch mehr heißes Material ins All geschleudert wird.
Künstlerische Darstellung: Der Stern wird durch die Gravitation des schwarzen Loches in die Länge gezogen und in einer Umlaufbahn um das schwarze Loch herumgeschleudert, bis er schließlich mit sich selbst kolidiert, wobei noch mehr heißes Material ins All geschleudert wird. Bildrechte: Robin Dienel/Carnegie Institution for Science

Astronomen haben mit Hilfe des NASA-Weltraumteleskops TESS zum ersten Mal beobachtet, wie ein ganzer Stern durch die Schwerkraft eines Schwarzen Lochs zerrissen wird. Wie die Forscher im Astrophysical Journal berichten, richteten sie ein weltweites Netzwerk automatischer Teleskope auf die Himmelregion, die TESS aktuell beobachtet. So fanden sie das extrem helle Ereignis.

Wenn ein Stern von einem schwarzen Loch verschluckt wird

Wird ein Stern von einem Schwarzen Loch der Länge nach auseinandergerissen und verschluckt, sprechen die Wissenschaftler von einer Gezeitenkatastrophe, einem "tidal disruption event". Sie tritt auf, wenn sich ein Stern einem schwarzen Loch zu sehr nähert und unausweichlich in den Schwerkraftstrudel des Lochs gerät. Dazu muss sich die Distanz zwischen beiden Himmelskörpern etwa auf die Entfernung der Erde von der Sonne verringern.

Dank der Kombination aus dem automatischen Teleskop des ASAS-AN ("All-Sky Automated Survey for Supernovae", Himmelsbeobachtung zum Aufspüren von Supernovae-Sternexpolisionem) und dem Weltraumteleskop TESS sei es gelungen, sehr frühe Daten vom Beginn des Ereignisses zu sammeln, schreiben die Forscher. "Diese Daten werden extrem hilfreich sein, wenn wir ein physikalisches Modell dieses Ereignisses erstellen", sagt der Astronom Thomas Holoien vom kalifornischen Carnegie-Obervatorium.

Supermassives schwarzes Loch beteiligt

Schätzungen zufolge passiert es erst in einer Galaxie von der Größe unserer Milchstraße und nur alle 10.000 bis 100.000 Jahre, dass ein Stern von einem Schwarzen Loch zerrissen wird. Bislang konnten Wissenschaftler überhaupt erst 40 solche Gezeitenkatastrophen beobachten. Dieses Mal war nach ihren Angaben zum ersten Mal zu sehen, wie die Temperatur des zerrissenen Sterns innerhalb weniger Tage von 40.000 auf 20.000 Grad Celsius sank. Dieser Temperatursturz sei zwar theoretisch vorhergesagt, aber noch nie gemessen worden.

Das jetzt beobachtete Ereignis spielte sich am supermassiven schwarzen Loch im Zentrum einer Galaxie in etwa 375 Millionen Lichtjahren Entfernung ab. Der zerrissene Stern habe etwa die Größe der Sonne gehabt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 19. April 2018 | 07:30 Uhr

0 Kommentare