Marktmacht und Forschung Gentechnik und das Glaubwürdigkeits-Problem

Monsanto ist für Gentechnik-Gegner der Inbegriff des Bösen. Und das nicht wegen Glyphosat, sondern der Marktmacht bei Genpflanzen. Auch die Wissenschaft hat damit ein Problem. Es geht um Genforschung und Glaubwürdigkeit.

von Sven Kochale

Tausende Menschen demonstrieren in Berlin gegen Agrarpolitik.
Januar 2019 in Berlin: Bauern demonstrieren gegen Großkonzerne in der Landwirtschaft Bildrechte: imago/Carsten Thesing

Der Vorwurf lautet: Monsanto würde mit Hilfe der Gentechnik Pflanzen so verändern, dass Landwirte von den Produkten des Unternehmens abhängig würden. Etwa bei Unkrautvernichtungsmitteln. Hinzu kommt der Verdacht, dass das verwendete Glyphosat Krebs auslösen könne. Der neue Eigentümer von Monsanto, der Bayer-Konzern, sieht sich deshalb immer neuen milliardenschweren Schadenersatzklagen gegenüber. Doch auch die Wissenschaft ist sauer auf Monsanto. Denn die sogenannte "grüne Gentechnik" ist inzwischen so stark in Verruf geraten, dass die Forscher mit einem Glaubwürdigkeitsproblem zu kämpfen haben.

Am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung wächst das Getreide der Zukunft. In Gatersleben im Salzlandkreis, werden Pflanzen so verändert, dass sie mehr Ertrag bringen und widerstandsfähiger werden gegen Schädlinge oder Trockenperioden. Das machen Züchter seit Jahrhunderten. Die Gentechnik eröffnet den Forschern nun neue Möglichkeiten. Doch das werde durch die Monsanto-Diskussion überlagert, beklagt Dr. Götz Hensel.

Die Pflanzen, die bei uns im Feld stehen, wurden entweder über eine Bestrahlung oder eine chemische Mutagenese verändert. Diese Pflanzen sind seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts als sicher anerkannt.

Dr. Götz Hensel, IPK Gatersleben

Wir können sie essen, ohne Auswirkung, so Hensel weiter. "Das sind also mit physikalischen oder chemischen Methoden hergestellte Pflanzen. Jetzt nutze ich ein biologisches Mutagen, eine molekulare Schere. Das Endergebnis ist immer das gleiche. Zwei dieser Wege sind als sicher eingestuft und der dritte wird verteufelt."

Forscher sehen Kommunikationsproblem

Grafik, die eine Genschere simuliert
Die Genschere, mit der Forscher auch an Pflanzen arbeiten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mit dem dritten Weg ist die sogenannte Gen-Schere gemeint, die CRISPR-Cas-Methode. Damit ist es Forschern möglich, punktgenau einzelne Pflanzen-Gene einzufügen, zu entfernen oder einfach auszuschalten. Die Methode halten viele Wissenschaftler für sicher. Sie sei zudem schnell und kostengünstig. Solche Verfahren sind deshalb auch für Biotechnologie-Konzern interessant, die bei der gentechnischen Veränderung von Pflanzen natürlich ihre Gewinne im Blick haben. Der Pflanzenforscher Goetz Hensel sieht hier ein großes Kommunikationsproblem.

Diese Firmen sind natürlich auch keine Wohltäter. Sie sind profitorientiert. Und sie sind nur in der Vergangenheit nicht immer glücklich mit der Öffentlichkeit umgegangen. Aber darüber kann man sich auch streiten. Jeder macht mal Fehler. Und man hat da halt einen Namen, womit man das Böse verbindet.

Dr. Götz Hensel

Die Gentechnik-Kritiker weisen regelmäßig auf mögliche Gefahren hin und arbeiten dabei stark mit Emotionen. Gen-Pflanzen seien riskant, unkontrollierbar und nutzlos. Das zeigt Wirkung, erklärt Gabi Waldhof. Sie forscht dazu am Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien in Halle. Dabei geht es um die Frage, welche Rolle moralische Werte in der Gentechnikdebatte spielen.

Im Falle der Gentechnik ist es nun so gelaufen, dass bestimmte Kampagnen extrem erfolgreich waren.

Gabi Waldhof, IAMO Halle

Und für die Wissenschaftler sei es nun sehr schwer bis unmöglich, so Waldhof, "diese Bilder, die mit der Gentechnik verbunden werden, wieder aufzubrechen. Und das ist schade, weil 90 Prozent der Wissenschaftler der Meinung sind, dass Gentechnik nicht riskanter ist als andere Biotechnologien."

Wenn der Gentechnik die gesellschaftliche Akzeptanz fehlt

Die Wissenschaftlerin empfiehlt daher, den Fokus stärker auf Unternehmen wie Monsanto zu richten und deren Rolle zu beleuchten. Das wäre auch im Sinne der Forscher in Gatersleben. Denn auch hier weiß man, dass die "grüne Gentechnik" sich nur dann durchsetzen kann, wenn sie gesellschaftlich akzeptiert ist.

Doch mit Fakten allein kommt man in dieser aufgeladenen Debatte nicht weit, weiß die Wissenschaftlerin und empfiehlt, den Fokus stärker auf die Firmen der Biotechnologiebranche zu richten: "Ein großer Vorbehalt, den wir in unseren Studien feststellen konnten, ist der gegen große Unternehmen wie Monsanto."

Die Leute hat es extrem verunsichert, wie Monsanto mit seiner Marktmacht umgegangen ist.

Gabi Waldhof

Gabi Waldhof empfiehlt deshalb, "eine Diskussion über das Verhalten von Großunternehmen zu führen und darüber aufzuklären, was eigentlich Rollen und Mechanismen im Kapitalismus sein können um dem Verbraucher auch mehr das Gefühl zu geben, einen Überblick zu haben, was eigentlich passiert und wo seine Produkte herkommen."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 14. Mai 2019 | 17:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Mai 2019, 17:30 Uhr