Bürgerprojekt Bedrohte Art: Wo sind die Feldhamster geblieben?

Sollten Ihnen in diesen Wochen Menschen auffallen, die durch Felder und über Wiesen laufen, den Blick stur nach unten gerichtet, dann müssen Sie sich nicht wundern. Diese Menschen sind auf Hamster-Suche.

Saskia Jerosch ist einer dieser Menschen. Sie ist sogar Hamsterprofi und koordiniert für die Deutsche Wildtierstiftung die Suche in Sachsen-Anhalt für das deutschlandweite Projekt Feldhamsterland. Jetzt ist Frühjahrskartierung, erklärt Jerosch, "das zieht sich noch den ganzen Mai über". Riesige Flächen werden von den Freiweilligen, den Bürgerwissenschaftlern, die die Vorkommen zählen, abgelaufen, mit wachem Blick auf den Boden. Doch die Funde sind sehr selten. Acht Feldhamsterbaue auf 23 Hektar am ersten Tag der Kartierung Anfang Mai. "Das zeigt die Situation", so Jerosch, "dass wir uns mit einer Art beschäftigen, die kurz vorm Aussterben ist."

Der Hamster braucht Flächen mit Lehm und Löss, in denen er gute Gänge bauen kann. Mehr Nahrung und Deckung wären auch hilfreich, zum Beispiel Blühstreifen statt kilometerweiter Monokulturen, oder wenn abgeerntete Getreidefelder nicht gleich wieder umgepflügt oder bepflanzt werden, sondern eine Weile brachliegen.

Jerosch wünscht sich, dass es ein besseres Verständnis für Ökologie und Ökonomie gibt, "dass es nicht schrecklich ist, wenn man einen Hamster auf dem Acker hat, sondern dass man sich darüber freuen könnte". Denn der Hamster, so Jerosch, ist auch eine sogenannte Zeigerart, also eine Art, die dort, wo sie vorkommt, auf besondere Umweltbedingungen hinweist. Und in diesem Fall auf "eine sehr vielfältige Agrarkulturlandschaft".

(kr/gp)

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