Mehr über Insekten:

Insekten, die mit Menschen kollidieren Darum sind Junikäfer so untalentierte Flieger

Einmal wegducken bitte, da kommt wieder einer. Diesmal ist es gutgegangen. Der dicke Junikäfer ist noch gerade so an mir vorbeigeschrammt. Doch wieso fliegen die eigentlich so unkoordiniert?

Junikäfer auf einem Blatt
Ihre Anatomie macht Junikäfer nicht gerade zu den besten Fliegern im Insektenreich. Bildrechte: IMAGO

Schauen Sie sich den Junikäfer mal genauer an. Er ist richtig dick, auch sein Bauch ist dick. Fast zwei Zentimeter ist er lang, er hat überall Haare und vorne auffallende Fühler. Die sehen aus wie kleine Fächer. Und dann kommt es. Dieser dicke Käfer will fliegen. Er breitet seine relativ kleinen Flügel aus und beginnt erstmal zu brummen und dann, tatsächlich, er fliegt, allerdings wirkt er etwas orientierungslos.

"Bei Junikäfern ist es so, dass sie auch in bestimmten Jahren häufiger auftreten. Sie sind etwas schwerfällig, nicht so geschickte Flieger und das führt dann häufig zu Konflikten mit dem Menschen", weiß René Sievert vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) in Leipzig.

Scheinbar ohne Furcht

Der Junikäfer scheint vorm Menschen überhaupt keine Furcht zu haben. Er landet auf seinem Kopf, auf der Schulter, mitten im Gesicht. Das sei zwar keine so angenehme Sache, aber die Tiere seien völlig ungefährlich, sagt Sievert: "Die Junikäfer sind halt in ihrer typischen Lebensweise nicht darauf angewiesen gute Flieger zu sein. Also das wäre ja zum Beispiel nötig, um Feinden zu entkommen und die Notwendigkeit besteht nicht."

Denn der Junikäfer fliegt nachts, dann, wenn Vögel oder andere Fressfeinde schlafen. Beim Flug orientiert er sich vor allem am Horizont. Er sucht einen Baum von dem er die Blätter fressen möchte. Vielleicht verwechselt er auch aufrecht laufende Menschen mit Bäumen.

Und es gibt noch einen Grund, warum Junikäfer es gar nicht nötig haben, gute Flieger zu sein, so Sievert: "Es gibt so viele Junikäfer, von Natur aus, dass es ungefährlich ist, wenn der eine oder andere aufgefressen wird. Und auch, um an Nahrung zu gelangen, müssen sie nicht besonders gut fliegen können."

Paarungsflüge über Wochen

Es gibt übrigens verschiedene Arten. Mit Junikäfer meinen wir aber meist den sogenannten Gerippten Brachkäfer, der nachts umher schwirrt.

"Er kommt in der Abenddämmerung raus", so Sievert, "an solchen Abenden, wenn es warm ist, wenn es nicht regnet. Er fliegt dann mehrere Wochen im Jahr, um sich zu paaren, Eier in den Boden zu legen, da entwickeln sich dann die Engerlinge daraus und leben mehrere Jahre im Boden."

Nach zwei drei Jahren sind die Larven im Boden richtig dick geworden, bis zu fünf Zentimeter lang. Dann verpuppen sie sich und nach einigen Wochen schlüpft der fertige Junikäfer aus der Puppe.

Zwei Jahre unter der Erde

Junikäfer leben im Dreijahres-Rhythmus. Auch das eine Überlebensstrategie, die gut zu funktionieren scheint. Zwei Jahre unter der Erde und dann ein paar Wochen, zur Paarungszeit, über der Erde. Er krabbelt also raus und fliegt los. In der Abenddämmerung und nachts. Und dann treffen sie sich. Mensch und Junikäfer, alle drei Jahre. Beide nachtaktiv. Der Junikäfer schon immer, der Mensch erst, seit es Elektrizität gibt.

"Das führt dann häufig zu Konflikten mit dem Menschen. Die denken, sie werden angegriffen, von diesen relativ großen Käfern. Die brummen herum, werden auch vom Licht angelockt und das führt dazu, dass die Menschen sich bedroht fühlen. Aber das ist natürlich keine Bedrohung, es ist völlig ungefährlich."

Larve des Junikäfers (Amphimallon solstitialis)
Zwei Jahre lebt die Larve des Junikäfers als Engerlin unter der Erde. Bildrechte: IMAGO

Spätestens Mitte August ist der Junikäfer wieder im Boden verschwunden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 22. Juni 2018 | 06:20 Uhr