Kinder laufen in Nowshera, Pakistan, durch eine überschwemmte Straße
Bildrechte: imago images/Stefan Trappe

"The Lancet Countdown" Klimawandel bedroht besonders die Gesundheit von Kindern

Die Erwärmung der Erde wird auch die Gesundheit der Menschen weltweit beeinflussen - vor allem Kinder sind davon negativ betroffen. Wie genau, das erklärt ein neuer Report von rund 100 Experten: The Lancet Countdown, ein Konsortium aus 35 Institutionen wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Universitäten.

Kinder laufen in Nowshera, Pakistan, durch eine überschwemmte Straße
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Zwei Wochen vor der UN-Klimakonferenz in Madrid haben die Wissenschaftler im medizinischen Fachjournal "The Lancet" eine große Bilanz veröffentlicht. Mit einer erschreckenden Aussage: Gehe der CO2-Ausstoß weiter wie bisher, werde ein derzeit geborenes Kind an seinem 71. Geburtstag im Schnitt in einer um 4 Grad wärmeren Welt leben.

Kinder leiden stärker Durchfall und Dengue-Fieber

Eine Mutter hält ihr Kind.
Kinder sind besonders von Unterernährung bedroht, wie diese beiden in Indien. Bildrechte: imago/UIG

Dabei seien Kinder von den Folgen des Klimawandels am stärksten betroffen, wie Nick Watts, der Chef von "Lancet Countdown" betonte.

Der Grund: Ihr Immunsystem und ihr Körper insgesamt befinden sich noch in der Entwicklung und können so bleibende Schäden davontragen.

Auch von Ernterückgängen und im Zuge dessen von Unterernährung sind sie stärker bedroht. Sie leiden zudem stärker an Durchfall und Krankheiten wie dem Dengue-Fieber, das von Mücken übertragen wird.

Infektionskrankheiten könnten sich weiter ausbreiten

Zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Ausbreitung von Infektionskrankheiten forscht Dr. Sebastian Ulbert am Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie in Leipzig. Dabei gebe es für die von Mücken übertragenen Erkrankungen weder Therapie noch Impfstoffe, erklärt der Forscher. Nicht nur deswegen müssten sie die hiesigen Ärzte verstärkt auf dem Schirm haben.

In diesem Jahr blieben die meisten West-Nil-Virus-Infektionen unerkannt, weil bei Grippe-ähnlichen Symptomen niemand an diesen Erreger dachte. Es bedarf daher spezifischer Fortbildungen und exakter, schneller Testsysteme.

Dr. Sebastian Ulbert, Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie in Leipzig

"Eine nie dagewesene Herausforderung"

Dichtes Gedränge am Ostseestrand in Zinnowitz. Hunderte Strandmuscheln und Badeurlauber.
In heißen Sommern könnte die Vibrionen-Gefahr an der Ostsee steigen- Bildrechte: IMAGO

Ein weiteres Thema sind Vibrionen, eine Gruppe von Bakterien, die in diesem Sommer für mehrere Todesfälle an der Ostsee verantwortlich gemacht wurden.

Laut dem Lancet-Report könnten die Erreger von Magen-Darm- und Wundinfektionen zu einer zunehmden Gefahr werden. Seit den 1980ern habe sich an der Ostsee die Zahl der Tage verdoppelt, an denen man sich mit Vibrionen anstecken kann.

Die Wissenschaftler haben aber auch positive Nachrichten parat - falls die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzt werden kann, wie das Pariser Klimaabkommen verlangt. Dann könnte ein Kind in Großbritannien mit sechs Jahren den Kohleausstieg erleben, in Frankreich mit 21 Jahren den Abschied von Benzin- und Dieselautos und alle heute Geborenen weltweit könnten mit 31 Jahren erleben, dass nur noch so viel CO2 produziert wird, wie von der Natur oder mit technischen Mitteln aufgenommen werden kann. So oder so wird der Umgang mit dem Klimawandel eine gigantische Aufgabe für die Menschheit.

Eine nie dagewesene Herausforderung verlangt eine nie dagewesene Reaktion und es benötigt die Mitarbeit der 7,5 Milliarden derzeit lebenden Menschen, um sicherzustellen, dass ein heute geborenes Kind nicht durch ein sich wandelndes Klima bestimmt wird

Autoren von "The Lancet Countdown"

cdi/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR aktuell | Radio | 04. Juni 2019 | 19:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2019, 17:22 Uhr

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