Erneuerbare Energien Umfrage: Ökostrom darf teurer sein – wenn alle das Gleiche zahlen

Eine Umfrage von Wirtschaftsforschern zeigt: Die Deutschen geben gerne mehr Geld für Strom von Windrädern und Solarzellen aus – sofern die Kosten gerecht verteilt werden. Ausnahmeregeln für energieintensive Betriebe stören sie.

Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hat vor 18 Jahren in Deutschland der Umbau der Stromversorgung begonnen. Atom- und Kohlekraftwerke sollen nach und nach durch Windräder, Solarzellen und Biomassekraftwerke ersetzt werden.

Finanziert wird die Energiewende durch die sogenannte EEG-Umlage. Pro Kilowattstunde Strom müssen die meisten Stromkunden aktuell 6,79 Cent zusätzlich bezahlen – aber nicht alle. Besonders stromintensive Betriebe, etwa Aluminium-Hüttenwerke, sind durch Ausnahmeregeln von der Umlage ausgenommen. Und damit haben die Deutschen ein Problem, wie eine aktuelle Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen zeigt.

In der Fachzeitschrift "Nature Energy" präsentieren die Forscher um Professor Manuel Frondel von der Ruhr-Universität Bochum die Ergebnisse einer forsa-Befragung von 11.000 Teilnehmern. Sie wurden gefragt, ob sie bereit wären, eine noch höhere EEG-Umlage zu bezahlen, wenn damit der Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland gesteigert wird. Eine zufällig ausgewählte Teilgruppe wurde dabei ausdrücklich auf die Ausnahmen für energieintensive Industrien hingewiesen. Den anderen Teilnehmern erzählten die Interviewer, die Ausnahmen würden bei der Erhöhung der Umlage abgeschafft.

Blieben die Ausnahmen erhalten, waren je nach Höhe der zusätzlichen Kosten 23 bis 38 Prozent der Befragten bereit, mehr Geld für Ökostrom zu bezahlen. Wurden die Privilegien abgeschafft, stieg die Akzeptanz der Erhöhung auf 61 bis 74 Prozent.

"Die Einstellung zur Energiewende hängt nicht allein von der Höhe des Strompreises ab", sagt Manuel Frondel. "Wenn die Belastungen gleichmäßig verteilt sind, ist eine große Mehrheit durchaus bereit, mehr Geld für Strom aus erneuerbaren Energien zu bezahlen."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Oktober 2017 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. September 2018, 17:00 Uhr