Archäologie-Fund Nazca-Linien zeigen Kolibris und Pelikane

Die Nazca-Linien in Perus Wüste lassen sich auch Tausende von Jahren, nachdem sie in den Wüstensand gescharrt wurden, keine Geheimnisse entreißen. Im Gegenteil - sie geben sogar neue Rätsel auf. Forscher aus Japan haben die Vogel-Bilder analysiert. Warum haben die Vorfahren der Inka keine einheimischen Vögel in den Sand gescharrt?

Die Nazca-Linien befinden sich nahe der Stadt Nazca.
Bildrechte: imago/sepp spiegl

Die Nazca-Linien in Peru zeigen offenbar exotische Vogelarten und keine heimischen Vögel. Das haben Forschungen aus Japan ergeben. Wissenschaftler der Hokkaido und Yamagata Universität haben die Geoglyphen mit Vogelmotiv aus ornithologischer Sicht unter die Lupe genommen. "Bisher wurden die Vögel nach allgemeinen Eindrücken und morphologischen Merkmalen identifiziert", erläutert Archäologie-Forscher Masaki Eda, Spezialist für die Analyse von Vogel-Knochen: "Wir haben die Formen und relativen Größen von Schnäbeln, Köpfen, Hälsen, Körper, Flügel, Schwanzen und Füßen genau untersucht und mit den heimischen Vogelarten Perus verglichen."

Das Kolibri-Scharrbild zeigt einen anderen Vogel

Demnach zeigt ein Vogel-Motiv, das bisher als Kolibri interpretiert worden war, einen komplett anderen Vogeltypus. Eine bisher noch gar nicht identifizierte Darstellung hat alle morphologischen Merkmale eines Pelikans. Abbildungen, die bislang als Condor oder Flamingo beschrieben wurden, sind offenbar andere Vogelarten. Das Spannende daran - die identifizierten Vogel-Abbildungen zeigen zwar bekannte Arten - aber eben keine, die in dieser Region Perus heimisch sind, sondern eher in den Anden, oder hunderte Kilometer weiter nördlich, wo Peru an Ecuador grenzt.

Insgesamt gibt es in der Wüste von Nasca 2.000 solcher Zeichnungen im Boden, 16 davon zeigen Vögel.

Scharr-Bilder aus Peru

Luftaufnahme von geometrischen Figuren und Linien sowie Tier-und Pflanzendarstellungen
Diese Figuren aus der Palpa-Region wurden im Frühjahr 2018 erstmals in Luftaufnahmen dokumentiert. Bildrechte: dpa
Luftaufnahme von geometrischen Figuren und Linien sowie Tier-und Pflanzendarstellungen
Diese Figuren aus der Palpa-Region wurden im Frühjahr 2018 erstmals in Luftaufnahmen dokumentiert. Bildrechte: dpa
Die riesigen Zeichnungen in dem trockenen Wüstengebiet zeigen sowohl menschliche Figuren, als auch eine Vielzahl von Tieren, wie zum Beispiel Lamas, Affen, Käfer oder Fische.
Eines der berühmten Bodenbilder aus Nazca. Bildrechte: imago/sepp spiegl
Zeichnung eines Menschen in der Nazcawüste.
Schon länger bekannt ist diese Figur aus der Nazca-Wüste. Bildrechte: imago/ZUMA Press
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Die Dresdner, die Perus Wüste kehrte

Maria Reiche,auf einem Sofa sitzend, eine große Fotografie der Nazca Linien in den Händen haltend.
Maria Reiche mit einer ihrer Zeichnungen Bildrechte: imago/ZUMA/Keystone

Die gewaltigen Bodenbilder, die zwischen 400 und 100 Jahren vor unserer Zeitrechnung in den Boden der Nazca-Wüste Perus gescharrt wurden, wurden erst Anfang der 1930er-Jahre wissenschaftlich entdeckt und untersucht. Den größten Anteil an der Erforschung der Geoglyphen hat die gebürtige Dresdnerin Maria Reiche.

Die Universalgelehrte mit mehreren naturwissenschaftlichen Studienabschlüssen hatte ihr Leben der Erforschung und Vermessung der Nazca-Linien gewidmet. In Peru wurde sie anfänglich verkannt und beschimpft als die "Hexe, die die Wüste kehrt." Denn genau das tat Reiche über Jahrzehnte, mit einem Besen legte sie Stück für Stück die gigantischen Zeichnungen frei, fotografierte sie aus der Luft, indem sie sich unten an einen Hubschrauber anbinden ließ. Sie kartographierte und maß die Zeichnungen aus und erreichte, dass die Linien als UNESCO-Welterbe geschützt wurden. Bis heute ist Maria Reiche in Peru präsent im Nationalgedächtnis, viele Schulen, Plätze und Straßen sind nach ihr benannt. In Deutschland ist Reiche und ihr wissenschaftliches Werk so gut wie vergessen. Sie starb 1998 in Lima.

Mathematikerin Maria Reiche unterwegs in Peru. Hier steht sie neben einem VW-Käfer an dem sie einen provisorischen Sonnenschutz aus weißen Linnen improvisiert.
Arbeitsplatz: Wüste Bildrechte: imago/ZUMA Press

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. April 2018 | 14:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Juni 2019, 01:00 Uhr

Abu Simbel wird versetzt.
Die Idee, einzigartige Kulturgüter und Natur unter einen besonderen Schutz für die gesamte Menschheit zu stellen, geht zurück bis in die Nachkriegszeit. In den 1960er-Jahren wäre der Felsentempel von Abu Simbel aus dem 13. Jahrhundert vor Christus in den Fluten des Assuan-Staudammes versunken. Nach einem Aufruf der UNESCO kam so viel internationale Unterstützung zusammen, dass die Tempel von Pharao Ramses II. um 180 Meter versetzt werden konnten. Bildrechte: IMAGO