Regentropfen an einem Fenster, bei dem im Hintergrund  verschwommene Lichter einer Stadt zu sehen sind
Freut den Boden und wenn man im Trockenen sitzt und der Regen aufs Fenster prasselt, kann das auch gemütlich sein. Bildrechte: IMAGO

Meteorologie Endlich Regen: Siebenschläfer trifft dieses Jahr wohl nicht zu

Nach wochenlanger Trockenheit zieht ein Regengebiet durch Mitteldeutschland und senkt zunächst die Gefahr weiterer Wald- und Feldbrände. Auch wenn das Wetter der kommenden Wochen wechselhafter wird, die Böden werden wohl noch bis in den Herbst relativ trocken bleiben.

von Clemens Haug

Regentropfen an einem Fenster, bei dem im Hintergrund  verschwommene Lichter einer Stadt zu sehen sind
Freut den Boden und wenn man im Trockenen sitzt und der Regen aufs Fenster prasselt, kann das auch gemütlich sein. Bildrechte: IMAGO

Am frühen Dienstagmorgen wurden Leipziger Gärten und Parks ein kleines Stück weit erlöst: Nach Wochen der Trockenheit, die nur von kurzen Gewittern mit wenig Niederschlag unterbrochen wurde, regnete es endlich wieder länger als eine Stunde am Stück. In Gohlis fielen bis zum Mittag rund 7,5 Liter Regen zu Boden, das notiert die Webseite www.leipzig-wetter.de des Hobbymeteorologen Michael Jung, der die Daten seiner privaten Wetterstation live im Internet veröffentlicht. Zumindest die Waldbrandgefahr in weiten Teilen Sachsens und Thüringens ist damit fürs Erste gebannt.

Ist die große Trockenheit damit zu Ende? Je nach Region fielen die Niederschläge höchst unterschiedlich aus. In Thüringen kamen stellenweise nur zwei Liter Regen pro Quadratmeter an, in Oschatz dagegen waren es 13 und in Strauch nördlich von Dresden sogar 14 Liter. In Sachsen-Anhalt, in Teilen Nordthüringens und in Ostsachsen blieb es dagegen bislang trocken.

"Es bleibt nur zu hoffen, dass diese Regionen auch noch Niederschläge abbekommen", sagt Meteorologe Henry Geyer beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Leipzig. Zumindest die Menschen in der Magdeburger Börde und in der Altmark dürfen sich Hoffnungen machen, da sich am Dienstagmittag ein Regengebiet von Nordwesten her nähert. Auch für Ostsachsen erwartet der DWD bis Abend noch Niederschläge.

Wetter könnte wechselhafter werden

Ob sich damit auch die Großwetterlage grundsätzlich ändert, ist noch offen. Aber es gibt Anzeichen dafür, dass die Siebenschläferregel in diesem Jahr nicht eintritt. Zum meteorologisch wichtigen Zeitraum Anfang Juli hatte sich ein stabiles Omega-Hochdruckgebiet über Deutschland ausgebildet, das Land blieb fast eine Woche lang nahezu wolkenfrei. Dieses Hoch hat sich nun deutlich abgeschwächt, sagt Meteorologe Henry Geyer.

In etwa 5000 Metern Höhe hat sich ein Höhentief gebildet, ein Kaltluftkörper. Der hat sich dann bis zum Boden hin fortgesetzt, so dass wir jetzt auch hier ein Tiefdruckgebiet haben. Weil die Strömungen oben in der großen Höhe immer noch sehr schwach sind, kreiselt diese Wetterlage aktuell.

Henry Geyer, Deutscher Wetterdienst Leipzig

Laut DWD-Prognose zieht das Tief am Donnerstag und Freitag Richtung Osten ab. Danach könnte sich wieder ein Hochdruckgebiet durchsetzen, aber das sei vermutlich schwach und instabil. Für das kommende Wochenende rechnet der DWD nur mit geringen Niederschlägen in Mitteldeutschland.

Bodenwasserspeicher füllen sich erst im Herbst

Um die inzwischen bis in größere Tiefe hinein völlig ausgetrockneten Böden wieder mit Wasser aufzufüllen, reichen die vergleichsweise kleinen Regenmengen nicht aus. Selbst, wenn jetzt eine längere Regenphase komme, könne der Bodenwasserhaushalt nicht wieder vollständig ausgeglichen werden, sagt Jürgen Heinrich, Professor für Physische Geographie an der Universität Leipzig. Erst im Herbst und Winter, wenn es nicht mehr so warm ist, kann der Regen die Reservoire in der Erde wieder auffüllen.

Wenn jetzt ein paar Liter Regen pro Quadratmeter zu Boden fallen, dann wird das Gras wieder etwas grüner. Der Bodenwasserspeicher wird aber nicht wieder aufgefüllt, denn bei den warmen Temperaturen verdunstet das Wasser zu schnell wieder.

Jürgen Heinrich, Professor für Physische Geographie an der Universität Leipzig

Dass die Trockenheit derzeit so groß ist, liegt nicht nur am wenigen Regen in Frühjahr und Sommer, es war schon der relativ trockene Winter, in dem zu wenig Niederschlag gefallen ist. Denn eigentlich können die meisten sogenannten Lössböden in Mitteldeutschland sehr viel Wasser über eine lange Zeit speichern. "Bei Sandböden sind die Körner im Boden sehr grob, da läuft das Wasser einfach hindurch. Das ist zum Beispiel in Gegenden wie der Dübener und Dahlener Heide der Fall. An den meisten Orten haben wir hier aber sehr kleine Korngrößen und durch halten die Böden sehr viel Wasser gegen die Schwerkraft fest", erklärt Heinrich.

Dadurch finden Pflanzen mit ihren Wurzeln in gewöhnlichen Jahren genügend Feuchtigkeit. "In diesem Jahr war dieser Speicher aber irgendwann leer, weil es zu wenig geregnet hat", sagt Heinrich. Gräser und Getreidearten, deren Wurzeln nur 30 bis 40 Zentimeter tief reichen, bekommen Trockenheit als erstes zu spüren. Bäume dagegen wurzeln 60 Zentimeter oder tiefer. Es gibt aber auch Arten mit flacherem Wurzelwerk und die reagieren inzwischen. "Bei Birken oder bei einigen Linden kann man jetzt schon sehen, dass viele Blätter gelb werden."

Wetter könnte wechselhafter werden

Wie der Sommer nun weiter verläuft, darüber können die Wetterexperten noch keine Prognose abgeben. "Zuvor kam die Luft vor allem aus nördlichen Richtungen. Jetzt kommt die Strömung aus südwestlicher Richtung, damit kommt eine gewisse Instabilität in unser Wettersystem", sagt Geyer. Nach einer grundsätzlichen Veränderung hin zu einer kühleren Phase sehe es derzeit aber nicht aus. 2018 bleibt auf dem Weg, einen neuen Wärmerekord aufzustellen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Juli 2018 | 07:52 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Juli 2018, 15:59 Uhr