Wildbiologie Warum verschwindet der Gartenschläfer im Osten?

Ihn haben die meisten von uns wahrscheinlich überhaupt noch nie gesehen: den Gartenschläfer. Der Mausverwandte verzeichnet derzeit in Europa den stärksten Rückgang unter den Nagetieren. Und das Merkwürdige: Kein Mensch weiß, warum er immer seltener wird. Deshalb erforschen das Phänomen nun deutsche Wissenschaftler und Naturschützer. Helfen soll dabei ausgerechnet ein Geräusch, nämlich die Laute des Gartenschläfers. Das ist wichtig für die Spurensuche der seltenen Tiere.

Gartenschläfer
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Sein "Tschip, Tschip" könnte man auch für das Geräusch eines Vogels halten. Aber sein "Zisch, Zisch, Zisch" klingt schon ziemlich ungewöhnlich. Dahinter stecke ein kleines Nagetier, nämlich der Gartenschläfer, erklärt Johannes Lang vom Arbeitskreis Wildbiologie der Universität Gießen.

Tatsächlich rufen Gartenschläfer, während sie aktiv sind - also vor allem nachts und im Sommer - recht laut. Wenn man einmal diese Geräusche kennt, kann man Gartenschläfer erkennen und nachweisen.

Johannes Lang, Wildbiologe

Johannes Lang
Johannes Lang, Mitglied im Arbeitskreis Wildbiologie der Universität Gießen. Bildrechte: Justus-Liebig-Universität Gießen/ Johannes Lang

Ein "Zorro" im Garten

Die Chancen stehen deutlich besser ihn zu hören, als ihn zu sehen. Der Gartenschläfer ist nämlich nachtaktiv, außerdem verschläft er das halbe Jahr im Winterschlaf. Und er ist äußerst selten. Trotzdem lohnt es, genauer hinzusehen, schließlich ist er ein äußerst possierliches Tierchen: Er ähnelt dem Siebenschläfer, mit dem er eng verwandt ist.

Der etwas schlankere und buntere Verwandte des Siebenschläfers ist der Gartenschläfer, der aussieht wie eine Mischung aus einer großen Maus und einem Eichhörnchen, aber mit einem sehr bunten Fell und einer besonderen Zeichnung.

Johannes Lang

Wie gezeichnet sieht zum Beispiel seine schwarze maskenartige Augenumrandung aus, die ihm den Spitznamen "Zorro" eingebracht hat. Zu sehen und zu hören bekommt man den Gartenschläfer nur noch in wenigen Regionen in Deutschland. Vor allem im Südwesten kommt er vor, aber auch vereinzelt in Mitteldeutschland.

Es gibt ein kleines Vorkommen in Sachsen-Anhalt im Harz, dazu nach aktuellem Kenntnisstand eines im Thüringer Schiefergebirge, also angrenzend an den Thüringer Wald. In Sachsen ist er leider ausgestorben, vermutlich zu Beginn des letzten Jahrzehnts.

Johannes Lang

Wissen über Gartenschläfer sehr gering

Die letzten Vorkommen lebten im Elbsandsteingebirge. Er ist aber kein reiner Bergbewohner, erzählt Johannes Lang. In Westdeutschland bevorzugt er warme Täler und da ist er dann auch tatsächlich in Gärten zu finden. Warum das so unterschiedlich ist, weiß kein Mensch. Überhaupt weiß man über den Gartenschläfer sehr wenig. Die Forschung hatte ihn lange nicht auf der Agenda. Bis jetzt, denn eine Frage drängt und bereitet Wissenschaftlern und Naturschützern Kopfzerbrechen:

Warum wird der Gartenschläfer zurzeit sehr viel seltener, als er es schon war. Vor allem aus dem östlichen Teil seines Verbreitungsgebiets verschwindet er und keiner weiß, warum das so ist. Das macht uns Sorgen, weil wir gar nicht sagen können, was sich in der Umwelt verändert hat, dass ein Tier verschwindet, das eigentlich mit vielen Lebensräumen zurecht kommt und auch von der Nahrung her nicht besonders anspruchsvoll ist.

Johannes Lang

Der Wildbiologe Lang hat daher mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ein Forschungsprojekt gestartet. "Spurensuche Gartenschläfer" heißt es. Seit zwei Jahren wird der Gartenschläfer dort erforscht.

Und da kommt jetzt eben auch dieses Geräusch wieder ins Spiel: "Tschip, Tschip. Zisch, Zisch, Zisch". Dieses merkwürdige und doch einmalige Zischen und Knattern gibt nämlich einen sehr genauen Hinweis darauf, ob ein Gartenschläfer in der Nähe ist. Nicht zu verwechseln übrigens mit diesem "Schnarch, Schnarch". Dabei handelt es sich um eine ganz andere Art von "Gartenschläfer".

3 Kommentare

Stealer am 19.08.2020

@kpmdr2019: Die Spezies (kann) aussterben - "verdient" hat nichts mit Wissenschaft (oder allgemein der Realität) zu tun. Spezies als Ganzes können sich auch nicht anpassen, das können nur Individuen, die aufgrund ihrer dadurch gesteigerten Fitness mehr Nachkommen haben als andere Artgenossen.

kpmdr2019 am 18.08.2020

Wenn eine Tier oder Planzen Spezie unfaehig ist einer sich aenderen Umwelt anzupassen dann hat sie es verdient auszusterben!
Natural Selection, as per Charles Darwins Theorie der Evolution....!

ralf meier am 19.08.2020

ralf meier: weil da hart gearbeitet wird