FSME Sachsen und Sachsen-Anhalt haben ein Zeckenproblem

Während 2019 bundesweit die Zahl der durch Zecken übertragenen Virusinfektion FSME zurückgegangen ist, gab es in Sachsen und Sachsen-Anhalt einen deutlichen Anstieg. Und die Spinnentiere sind schon wieder aktiv.

Auwaldzecke auf menschlicher Haut
Auwaldzecke auf menschlicher Haut Bildrechte: IMAGO images/Frank Sorge

Noch sind die Zahlen vorläufig, sagt Gerhard Dobler, der Leiter des Nationalen Konsiliarlabors für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr. Aber er glaubt nicht, dass sie sich noch großartig ändern.

Und sie zeigen einen für große Teile Mitteldeutschlands gefährlichen Trend. Denn während bundesweit die Zahl der Menschen, die an der von Zecken übertragenen Virusinfektion FSME erkrankten, deutlich zurückging – von 607 auf 462 – stieg sie bei uns deutlich an.

Erkrankten 2018 in Sachsen zwölf Menschen an FSME, so waren es 2019 mit 27 mehr als doppelt so viele. In Sachsen-Anhalt stieg die Zahl von eins auf fünf. Nur in Thüringen gab es einen Rückgang von zwölf auf acht Fälle.

Das sind die höchsten Zahlen, die wir für Sachsen und Sachsen-Anhalt je gemessen haben, seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001.

Dr. Gerhard Dobler, Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr
FSME-Fälle 2018 und 219 in Mitteldeutschland
  2018 2019
SK Chemnitz   2
LK Erzgebirgskreis   5
LK Mittelsachsen   1
LK Vogtlandkreis 3 8
LK Zwickau   2
LK Bautzen 1 1
SK Dresden 4 4
LK Görlitz 1  
LK Meißen   1
LK Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 1 3
SK Leipzig 2  
LK Anhalt-Bitterfeld   2
LK Burgenlandkreis 1  
SK Halle   1
LK Saalekreis   2
LK Eichsfeld 1  
SK Gera 1  
LK Greiz 1 1
LK Ilm-Kreis   1
SK Jena 3 2
LK Saale-Holzland-Kreis 1  
LK Saale-Orla-Kreis 1  
LK Saalfeld-Rudolstadt 2  
LK Schmalkalden-Meiningen 1  
LK Sonneberg 1  
SK Suhl   4

Gegen FSME kann man sich impfen lassen

Der Anstieg in Sachsen kann damit zu tun haben, dass Tiere FSME-Stämme über das Erzgebirge einschleppen, etwa aus Tschechien, wo sie bereits umfangreich dokumentiert sind, so Dobler, auch in Gebieten oberhalb von 500 Metern. Eine ähnliche Entwicklung haben die Virologen in den vergangenen Jahren auch in Bayern beobachtet.

Gegen die Krankheit, die wie eine Sommergrippe beginnt und im schlimmsten Fall zu schweren Gehirn- und Rückenmarkentzündungen führen kann, gibt es eine Impfung. Eine sinnvolle Maßnahme, wenn man viel draußen in der Natur unterwegs ist, denn die FSME-Viren gehen mit dem ersten Biss direkt in den Körper, erklärt Gerhard Dobler.

Hunde sind auch gefährdet – Katzen nicht

Und auch wer mit seinem Hund in den Wald geht, sollte besser aufpassen, und Zecken so schnell es geht entfernen. Denn die Tiere sind ebenfalls anfällig für die Viruserkrankung, sagt Dobler. Für Katzen dagegen sind Zecken höchstens lästig.

Was ist ein Konsiliarlabor

Das Konsiliarlabor für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr ist 2015 vom Robert Koch-Institut berufen worden. Seither ist es die offizielle Forschungs- und Beratungseinrichtung zur FSME in Deutschland. Der Begriff leitet sich von Konsil ab, was für eine Gruppe von Beratern steht, und noch heute in Krankenhäusern genutzt wird.

gp

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