Studie Online oder analog einkaufen: Was ist "grüner"?

Da scheiden sich die Geister: Ist Online-Shopping ökologisch sauberer als der Einkaufstrip direkt ins Geschäft? Ein internationales Forschungsteam findet Argumente für beide Seiten.

Symbol Einkaufswagen unter Vergrößerungsglas.
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Wann Susann M. das letzte Mal im Geschäft Klamotten Shoppen war, weiß sie nicht: "Vielleicht vor zehn Jahren?" grübelt sie im Gespräch mit MDR Wissen:

Dieses schlechte Gefühl in der Anprobekabine, die Beleuchtung, die Enge... Dann sieht's doof an mir aus, meine Größe gibt's oft nicht. Das Gesicht der Verkäufer, wenn man nach Größe 46 fragt. Bestelle ich online, fällt das alles weg!

Eine Frau probiert ein Sommerkleid in einer Umkleidekabine an
Frustmomente in der Umkleidekabine - manche meiden sie Bildrechte: imago/Mike Schmidt

Seit etwa zehn Jahren kauft die Leipzigerin Wäsche nur noch online, entweder direkt bei bestimmten Marken oder bei Online-Versandhändlern. Besonders wichtig für die Online-Shopperin: "So macht Einkaufen Spaß und keiner sieht, wenn ich XXL anklicke", meint die 35-jährige Leipzigerin. Auch ihr Mann Carsten kennt das. Er findet nach eigenen Angaben im Geschäft selten Hosen oder Pullover, die zu seinen Proportionen passen, er ist knapp 1,90 Meter groß und schlaksig. Damit Klamotten richtig sitzen, fehlen ihm entweder am Bauch ein paar Kilo, oder sie sind eng genug, aber zu kurz: "Ich versuche immer mal wieder im Geschäft zu kaufen, aber meist erfolglos."

Kinder mit vollem Einkaufswagen in einer Lebensmittelabteilung
Stress oder Spaß : Analoger Wochenendeinkauf in Familie. Bildrechte: imago/Frank Sorge

Lebensmittel und Getränke kaufen Carsten und Susann noch direkt im Supermarkt. Im Gegensatz zu Katharina D. Die 30-Jährige, Mutter von drei Kindern, bestellt für ihre Familie alles online, ob Seife, Schuhe, Getränke oder Lebensmittel: "Das spart wahnsinnig viel Zeit, wir kaufen exakt so viel, wie wir brauchen, wir haben viel weniger Plastikmüll seither."

Eine internationale Forschungsgruppe hat solche Verkaufswege und deren jeweiligen ökologischen Fußabdruck miteinander verglichen und im Magazin Environmental Science & Technology veröffentlicht. Eine mathematische Mammutaufgabe angesichts verschiedener Vertriebswege seitens der Hersteller, verschiedener Transportmittel, Kosten für Lagerungen, Zwischenlager, Qualitätsverlust bei langer Lagerung, Kosten durch Rücksendungen, die ebenfalls auf den ökologischen Fußabdruck einzahlen im Vergleich Online-Shopping - Direkt-Einkaufen vor Ort. Das Schöne an der Studie - sie beleuchtet nicht allein das Verhalten der Kaufenden - sondern auch das der Hersteller und Vertreiber.

Käufer können was tun, Verkäufer aber auch

Hermes Lastenfahrrad
Ein Lastenfahrrad von Hermes. Bildrechte: imago images / Schöning

Denn egal, wie wir einkaufen: Der Teil des ökologischen Fußabdrucks, der durch die verschiedenen Transportwege anfällt, lässt sich immer verkleinern. Und zwar egal, ob man in den Laden geht oder oder online bestellt. Da, wo traditionell viel mit dem Auto eingekauft wird wie in den USA, könnte Online-Shopping die Zahl der privaten Einkaufstrips verringern und den ökologischen Einkaufsfußabdruck eindampfen, sagen die Forscher. Aber da, wo Einkäufe traditionell viel zu Fuß oder per Rad erledigt werden, erhöht das Online-Shopping die Lieferfahrten und plustert so den ökologischen Einkaufsfußabdruck auf.

Am Anfang der Vertriebskette: Was Hersteller und Verkäufer tun können

Die Produzenten und Verkäufer hingegen könnten ihre Produkte umweltfreundlicher an die Kundschaft bringen, indem sie auf kurzen Strecken vom Lager zum Haushalt oder zur Filiale umweltfreundliche Transportmittel nutzen. Auch die Lage der Vertriebsfilialen spielt eine Rolle, stehen sie auf der "grünen Wiese" oder sind sie nah am Verbraucher? Oder beim Vertrieb: Wenn viele Produkte nicht in weit voneinander entfernten Lagern aufbewahrt werden, entfallen bei Bestellungen Zusatzwege von einer zur nächsten Lagerfläche.

DHL Paketlieferdienst
Viele einzelne Päckchen von vielen Anbietern - manchmal auch möglich: Ein Paket mit viel Inhalt vom gleichen Anbieter. Bewusst entscheiden: Muss das Gekaufte wirklich per Express am nächsten Morgen kommen? Bildrechte: imago/Geisser

Am Ende der Produktkette: Was Käufer tun können

So rechnete das Forschungsteam aus, was den Treibhausgasausstoß beim direkten Einkauf verringert: Indem man die Einkäufe "kettenartig" angeht - also auf einer Tour mehrere Läden ansteuert, statt mehrfach loszufahren. Oder auf ohnehin anfallenden Wegen, zum Beispiel von der Arbeit nach Hause, Zwischenstopps zum Einkaufen einlegen. Und, wenn möglich, eine ökologisch gesehen günstige Transportart wählen.

Online-Shopper könnten bei Bestellungen darauf achten, mehrere Produkte von einem Versandanbieter auszuwählen, schlägt das Forschungsteam vor - sodass nur einmal Verpackung und eine Fuhre entstehen anstelle vieler einzelner. Umweltfreundlich sei auch der Verzicht auf Expresssendungen, die Routine-Abläufe verändern.

lfw

Zuletzt aktualisiert: 26. Februar 2020, 15:10 Uhr

1 Kommentar

pkeszler vor 5 Wochen

Einkaufen macht bestimmt sehr vielen Menschen Spaß. Wer täglich aber voll arbeiten muss, hat das Bedürfnis, erst mal sich auszuruhen und dann später online einzukaufen. Rentner dagegen haben für den Einkauf mehr Zeit und kaufen lieber im Geschäft ein, wo sie die Bekleidung anprobieren können. Da fallen auch nicht so viele Rücksendungen an, wie bei den Arbeitnehmern.