Wolf-Forschung Hunderte geeignete Wolf-Lebensräume in ganz Deutschland

In ganz Deutschland gibt es 700 bis 1.400 mögliche Wolfsterritorien, in denen die Tiere sich potentiell ansiedeln können. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Analyse im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz. Die Flächen sind über ganz Deutschland verteilt und nicht nur auf bewaldetes Gebiet beschränkt.

Ein Wolf steht in einem Wald.
Wälder bieten Wölfen besonders guten Schutz und Beute. Bildrechte: Heiko Anders

Es gibt in Deutschland offenbar viele geeignete Lebensräume für Wölfe. Die Tiere könnten in weiten Teilen des Landes sesshaft werden und alle anderen zumindest durchwandern. Das ist das Ergebnis einer sogenannten Habitatmodellierung - einer gemeinsamen Untersuchung von mehreren wissenschaftlichen Einrichtungen im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz.

In die Untersuchung sind den Forschenden zufolge nur Informationen aus Deutschland eingeflossen. In verschiedenen Projekten, in denen Wölfen Sender verpasst worden waren, wurden Daten gesammelt, die Rückschlüsse auf ihre "individuelle Raumnutzung" zuließen. Außrdem sei durch das bundesweite Wolfsmonitoring bekannt, wo seit dem Jahr 2000 in Deutschland Wolfsterritorien sind. Dadurch sei es möglich gewesen, ihre Lebensräume zu charakterisieren.

Potentiale im Norden und an der Grenze

Mithilfe verschiedener statistischer Modelle sind auf dieser Grundlage dann die Gebiete identifiziert worden, die sich als potentielle Lebensräume für Wölfe eignen. Anschließend wurde die mögliche Zahl und Verteilung von Wolfsterritorien abgeschätzt. Das Ergebnis: In Deutschland ist für etwa 700 bis 1.400 Wolfsterritorien geeigneter Lebensraum vorhanden, schreibt das Forschungsteam. Jedes davon sei dann in etwa 200 Quadratkilometer groß.

Ein Wolf durchstreift eine winterliche Landschaft.
In den Mittelgebirgen und den Alpen könnten sich Wölfe besonders wohl fühlen. Bildrechte: dpa

Die Gebiete mit dem größten Potential für die Ansiedlung von Wölfen liegen der Analyse zufolge verstreut in Nordostdeutschland - insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern, im östlichen Niedersachsen, entlang der tschechischen Grenze in Sachsen und Bayern, im Spessart und in den bayerischen Alpen. Insbsondere in den Alpen und den Mittelgebirgen seien die Lebensräume besonders gut geeignet für die Besiedelung. Im Gegenteil sind die Gebiete um die Großstädte und Ballungsräume wie das Rhein-Main-Gebiet oder die Region Halle-Leipzig wenig wolfsfreundlich. Auch die Börden und der Großteil von NRW seien besonders schlecht geeignete Gebiete.

Auf einer Deutschlandkarte sind potentielle Wolfsterritorien farblich gekennzeichnet.
Die Karte zeigt die zusammengeführten Ergebnisse der Habitatmodellierung: Je dunkler, desto besser geeignet als Wolfs-Lebensraum ist eine Fläche. Bildrechte: BfN / Darstellung nach BfN-Skript 556

Die Forschenden schreiben in ihrer Untersuchung, dass die potentielle Anzahl der Territorien ihrer Analyse nach deutlich höher eingeschätzt werden muss als bisher angenommen. Frühere Studien sind noch von maximal etwa 440 Territorien in ganz Deutschland ausgegangen. Doch es gebe weit mehr geeignete Räume, denn ältere Modelle seien davon ausgegangen, dass Wölfe stark an den Lebensraum Wald gebunden seien. Doch neuere Entwicklungen deuten darauf hin, so das Forschungsteam, "dass Wölfe auch reine Agrarlandschaften besiedeln können, wenn es partiell Rückzugsgebiete gibt, in denen sie ungestört den Tag verbringen können." Auch die vergleichsweise hohe Dichte an Beutetieren ermögliche es, dass sich in allen potentiellen Gebieten Wölfe ansiedeln könnten.

Orientierung für Behörden

Die Untersuchungsergebnisse sollen den Behörden und Institutionen des Bundes und der Länder die notwendigen Informationen für ein vorausschauendes Wolfsmanagement liefern, so das Bundesamt für Naturschutz. Wenn das Verbreitungspotential bekannt sei, könne man sich nun auch in den bislang noch nicht von Wölfen besiedelten Gebieten auf deren mögliche Ansiedlung vorbereiten - insbesondere in Hinblick auf den Schutz von Weidetieren.

Das Forschungsteam betont allerdings, dass es sich bei der Analyse nicht um eine Vorhersage handelt und sie auch keine Zielgröße für den Wolfsbestand in Deutschland vorgibt. Sie zeige lediglich Potentiale auf. Ob und warum sich die Wölfe dann für oder gegen ein Territorium entscheiden, wissen am Ende nur die Tiere selbst.

(kie)

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