Erinnerungen: 13. Februar 1945 Der Feuersturm von Dresden

Die Dresdner Bombennacht vom 13. Februar 1945: Es ist ein traumatisches Ereignis, an das die Dresdner jedes Jahr gedenken. Die Zeitzeugin Nora Lang lässt Jugendliche an ihrer Flucht aus dem Feuersturm teilhaben, um damit ein Zeichen gegen den Krieg zu setzen.

von Claudia Gründer

Eine Menschenkette in Dresden zum Gedenken an die Zerstörung der Stadt während des von Deutschen entfachten Zweiten Weltkrieges, der über 50 Millionen Todesopfer forderte, davon allein 27 Millionen in Sowjetrussland.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR Zeitreise Di 13.02.2018 21:15Uhr 06:42 min

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13. Februar 1945, Faschingsdienstag. Die damals 13-jährige Nora Lang hat sich als "Holländerin" verkleidet - samt Häubchen und blau-weiß-kariertem Kleid. "Es war wirklich ein sehr schönes Kostüm", erinnert sie sich heute. Genäht haben es ihre Mutter und Oma. Es ist ein wenig unbeschwerte Ablenkung im Kriegsalltag. Doch am späten Abend holt der Krieg die Kinder mit voller Wucht wieder ein.

Dresden im Chaos

Plötzlich ertönen überall in der Stadt Sirenen. Mit lautem Krachen schlagen die ersten Bomben ein, draußen tobt ein Feuersturm. Der Himmel ist hell erleuchtet.

Eine Zeichnung von Menschen
Angriffe auf Dresden '45. Bildrechte: Scharwel

Wie viele andere Dresdner flüchtet sich die Familie in einen Luftschutzkeller. Nach dem ersten Angriff brennt ihr Wohnhaus lichterloh. Ringsherum nur Feuer und Chaos. Nora und ihr kleiner Bruder verlieren ihre Eltern aus den Augen. Eine Nachbarin nimmt die beiden mit in einen anderen Luftschutzkeller, wo sie den zweiten Angriff überleben. "Diese Geräusche! Ich dachte, sowas kann es ja überhaupt nicht geben. Das ist jetzt der Weltuntergang. Hilft uns denn keiner?", erinnert sich die heute 87-jährige Nora Lang.

Eine Zeichnung von Menschen
Die Flucht aus dem Feuersturm. Bildrechte: Scharwel

Bevor das Haus zusammenstürzt, schaffen es die Kinder zu fliehen. Nora will in dem unbeschreiblichen Chaos das Unmögliche schaffen: Sie will durch die brennende Stadt ins zehn Kilometer entfernte Wilschdorf laufen. Dort haben ihre Großeltern ein Gartengrundstück. Unterwegs begegnen ihnen drei Nachbarskinder. Nora nimmt sich auch ihrer an. Nun ist sie, selbst noch ein Kind, für vier weitere junge Leben verantwortlich. Als sie schließlich in Wilschdorf ankommen, erwartet sie eine unglaubliche Überraschung: "Da kam aus einem Waldweg, der zu einem Haus führte, eine Personengruppe raus – meine Eltern, mein Bruder. Meine Mutter ist vor Schreck in Ohnmacht gefallen."

Gegen das Vergessen

Der Krieg lässt Nora Lang nicht mehr los. Seit mehr als zwanzig Jahren engagiert sie sich für Frieden und gegen das Vergessen.

Nora Lang - Zeitzeugin Dresden 1945
Überlebende des Bombenangriffs am 13. Februar 1945 auf Dresden Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sie ist Mitglied im Verein "Memorare Pacem", diskutiert mit Jugendlichen, erzählt ihnen, wie sie persönlich den Krieg und die Bombennacht erlebt hat, auch, um sie für die Geschehnisse in der Welt zu sensibilisieren: "Es regt mich auf, was in der Welt geschieht. Man kann nicht viel machen, ich kann den Weltfrieden nicht erhalten. Der ist ja überhaupt nicht vorhanden, überall ist Krieg. Ich kann die Kriege auch nicht beenden. Aber ich kann meine Meinung sagen", so Nora Lang.

Projekt "Friedenshelden"

Ihr Verein organisiert in diesem Jahr ein Projekt mit Schülerinnen und Schülern aus Madrid, Budapest, Sarajevo und Dresden. Zwei Tage lang haben die Jugendlichen Dresden und die Geschichte der Stadt erkundet.

Erinnerungen an den 13. Februar mit Schülern in Dresden
Erinnerungen an den 13. Februar mit Schülern in Dresden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Vor dem Hintergrund der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg haben sie in diesem Jahr in Workshops eine Performance erarbeitet. Das Thema ist "Friedenshelden". Was ist das überhaupt, Frieden? Wer ist ein Held oder wo haben die Schüler schon einmal Courage gezeigt? Das sind Fragen, mit denen sich die Schüler beschäftigt und in einem Bühnenprogramm verarbeitet haben. Zu sehen ist das am 13. Februar - dem Tag der Bombenangriffe - bei einer Bürgerbegegnung in der Dresdner Dreikönigskirche.

(me)

Über dieses Thema berichtet das ZEITREISE-Magazin im: TV | 13.02.18 | 21.15

Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2018, 12:27 Uhr