Erste Folge Juni 1969 Hase und Wolf: Immer auf der Jagd

Cholerischer Großer jagt ein kleines Schlitzohr. Das Konzept der sowjetischen Trickfilmserie "Hase und Wolf" war so einfach, wie erprobt. Auch deshalb hält sich der Zauber des ungleichen Duos bis heute.

"Nu sajaz, nu pogodi!" - "Na warte Hase!", mit diesen Worten jagt ein aufgebrachter Wolf einen schadenfrohen Hasen in der russischen Zeichentrickserie "Hase und Wolf". Insgesamt gab es bis 1986 nur 16 Folgen. Im DDR-Fernsehen war allerdings jede einzelne ein Erfolg.

Das Pendant: Tom und Jerry

Filmplakat des Films: Tea for two mit Tom und Jerry, 1945
Filmplakat zu "Tom und Jerry" von 1945. Im deutschen Fernsehen war die Serie erstmals 1976 zu sehen. Bildrechte: dpa

Das Konzept der Serie - ein cholerischer Großer, jagt ein kleines Schlitzohr - erinnert stark an die skurrilen Verfolgungsjagden zwischen Kater Tom und der Hausmaus Jerry aus der amerikanischen Serie "Tom und Jerry". Öffentlich wurde natürlich nie von einer Kopie gesprochen.

Nun stellt sich die Frage, was war zuerst da? Huhn oder Ei, Hase oder Jerry, Wolf oder Tom. Tatsächlich waren Tom und Jerry die ersten, die 1940 über die Kinoleinwände flackerten. Hase und Wolf hingegen folgten erst 1969 - also 29 Jahre später.

Interessant ist, dass die russischen Zeichner vermutlich das Vorbild aus dem Westen genommen haben und daraus eine Parodie auf die russische Gesellschaft machten. In den 70er- und 80er-Jahren ist der Wolf ein Hippie-Rüpel, in der Neuauflage der 90er-Jahre dann ein neureicher Russe und wieder ein anderes mal ein verarmter Obdachloser.

Der rauchende Wolf

Im Gegensatz zum gewitzten Hasen ist der Wolf ein Draufgänger und Gelegenheitsraucher. Das gefällt nicht allen - vor allem nicht Gesundheits-Aktivisten. Denn immerhin ist die Serie für Kinder. Ihre Forderung vor ein paar Jahren: Die Wiederholungen der Filme sollten nicht mehr ausgestrahlt werden. Durchgekommen sind die Aktivisten damit jedoch nicht.

Das Trickfilmstudio

Produziert wurden "Hase und Wolf" bei Sojusmultifilm in Moskau, damals das größte Trickfilmstudio der sozialistischen Staaten. Auch heute gibt es dieses Studio noch. Allerdings weniger erfolgreich, mit Sitz in einer Kirchenruine. Nach der politischen Wende 1989 ging es dem Studio ziemlich schlecht. 90 Prozent der Mitarbeiter wurden entlassen. Mit vier neuen Folgen wollte man an den Erfolg von früher anknüpfen, aber die Zuschauer nahmen die moderneren Zeichnungen nicht an.

Osteuropa

Eine blonde Frau vor dem Bild zweier Trickfilmfiguren 3 min
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