Flieder
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Muttertag in der DDR

Natürlich wurde der Muttertag in der DDR offiziell abgelehnt, stattdessen wurde der Internationale Frauentag am 8. März gefeiert. Muttertag wurde trotzdem begangen - auch wenn das mit den Blumen nicht so leicht war.

Flieder
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Statt des Muttertags wurde in der DDR der Internationale Frauentag am 8. März gefeiert. Dabei standen die Selbständigkeit und Gleichberechtigung der werktätigen Frau im Fokus der Feierlichkeiten. Trotzdem wurden die Frauen an diesem Tag verwöhnt - bekamen Kaffee gekocht oder Frühstück ans Bett und beschenkt. Trotzdem gab es bei vielen Familien in der DDR auch die Tradition, am zweiten Sonntag im Monat Mai den Müttern Geschenke zu überreichen, zusätzlich zum obligatorischen Blumenstrauß. So durften sich Mütter seinerzeit über ein Fläschchen Mocca-Perle aus der Freyburger Sektkellerei freuen – wohlgemerkt, das waren 2 cl! - oder über ein paar Hallorenkugeln. Beides doch eher Bückware und deshalb umso besser geeignet, die Wertschätzung der Muttis an ihrem Ehrentag zu bezeugen.

Der Klassiker unter den Geschenken: der Blumenstrauß

Flieder
Flieder, schnell geschnitten in Garten oder Park Bildrechte: IMAGO

Besonders beliebt im Osten war abgeschnittener Flieder aus dem Park oder dem eigenen Garten, denn der war zum Termin des Muttertags leicht zu besorgen. Schwieriger war die Beschaffung eines offiziellen Blumenstraußes aus den Läden der DDR-Floristen. Rosengrüße blieben in der DDR meist süße Träume. Die bittere Realität der Planwirtschaft sah anderes vor: Außer den sozialistisch angehauchten Nelken, den leicht und billig zu züchtenden Gerberas sowie den eher mit Friedhof assoziierten – auch "Flamingoblume" genannten - Anthurien, gab es nicht sehr viel Auswahl an Schnittblumen zu kaufen.

Was war mit den Blumen, wenn die Mutter weit weg wohnte?!

Wer weiter entfernt von seiner Mutter wohnte, hatte es da schon etwas schwerer - Wie sollte der (Blumen-)Gruß die Mutter zuverlässig, rechtzeitig und in angemessener Form erreichen?! Die Lösung hieß: "Blumenspenden-Vermittlungsvereinigung". Nie gehört?! Und doch wissen Sie, was gemeint ist, nur dass Sie diese Institution nicht unter diesem ursprünglichen Namen, sondern unter dem bereits 1931 eingeführten Namen "Fleurop" kennen. Einer der Gründungsväter dieses Unternehmens kam aus Erfurt: Lund Chrestensen. Sein Ururenkel Lars Chrestensen führt bis heute ein Geschäft in Erfurt. Allerdings muss auch er - wie sein Ururgroßvater - die Zeichen der Zeit umsetzen und die Wünsche der Kunden von heute bedienen:

Heute werden Accessoires verschickt. Es gibt eben auch ganz ausgefallene Wünsche. Da muss man eben den Champagner organisieren, das sind ja nicht nur die Schnittblumen. Wir sind Dienstleister, und wenn es in unser Portfolio passt, dann wären wir die letzten, die dem Kunden den Wunsch nicht erfüllen.

Im Zeitalter des Internets ist Fleurop nicht mehr, was es einst war. Das einstige Fleurop-Monopol ist seit Langem Geschichte und die Kundenzahlen sind rückläufig. Dennoch bilden auch heute noch 50.000 Partner in 150 Ländern das weltweit größte Blumenversand-Netzwerk, und eines davon das älteste noch bestehende Fleurop-Geschäft Deutschlands in Erfurt.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: Sachsenspiegel | 08.05.2016 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Mai 2018, 12:31 Uhr