#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 30. September

2005: Streit um Mohammed-Karikaturen beginnt

2005 veröffentlichte die liberal-konservative dänische Zeitung "Jyllands-Posten" zwölf Karikaturen, die sich kritisch mit dem muslimischen Propheten Mohammed auseinandersetzen. Der Däne Kurt Westergaard hatte die Serie unter dem Titel "Das Gesicht Mohammeds" gezeichnet. In der islamischen Welt lösten die Abbildungen teils gewaltsame Proteste aus. Die Karikaturen seien islamophob und würden gegen das "Abbildungsverbot" des Propheten verstoßen. Wütende Demonstranten attackierten dänische und norwegische Botschaften. Dänemark geriet in die größte außenpolitische Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Gleichzeitig entstand eine internationale Debatte über die Grenzen von Religions- und Meinungsfreiheit. 2010 konnte die dänische Polizei einen Mordanschlag auf Kurt Westergaard verhindern. Der Attentäter soll direkte Verbindungen zu somalischen Terrororganisationen und al-Qaida gehabt haben.

Mehrere dänische Zeitungen zeigen 2008 Mohammed-Karikaturen, die bereits 2005 einen Skandal auslösten.
2008 drucken dänische Zeitungen die gleichen Mohammed-Karikaturen, die bereits 2005 einen Skandal auslösten. Sie nehmen Bezug auf die Morddrohungen, die der Karikaturist seitdem erhält. Bildrechte: dpa

1971: DDR-Geheimsender stellt Betrieb ein

1971 stellte der "Deutsche Freiheitssender 904" (DFS 904) seinen Betrieb ein. Die DDR hatte den Hörfunksender 1956 gegründet, als in der Bundesrepublik die Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) verboten wurde. Unter dem Anschein, illegal aus dem Westen zu senden, wandten sich die Radiomacher des DFS 904 als angeblich untergetauchte "Stimme der KPD" an Kommunisten in der Bundesrepublik. Um diesen Eindruck zu festigen, unterlegte der Sender sein Programm gelegentlich mit Störgeräuschen. Tatsächlich stand der Radiosender auf DDR-Gebiet, in Reesen bei Burg in Sachsen-Anhalt. 1960 gründete das Zentralkomitee der SED zusätzlich den "Deutschen Soldatensender 935", der sich vor allem an Angehörige der Bundeswehr wandte. Beide Geheimsender hatten sowohl in West- als auch in Ostdeutschland eine Zuhörerschaft, die im Laufe der Jahre jedoch stark zurückging. Nachdem 1968 in der Bundesrepublik die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) als Nachfolgepartei der KPD gegründet wurde, stellte die DDR den Betrieb beider Geheimsender ein.

Schriftzug "Deutscher Freiheitssender 904" 1 min
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1 min

Der Deutsche Freiheitssender 904 verbreitet eine Mitteilung.

Do 23.09.2021 15:53Uhr 00:34 min

https://www.mdr.de/geschichte/ddr/video-556970.html

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1946: Urteile im ersten Nürnberger Prozess

1946 begann die zweitägige Urteilsverkündung im ersten Nürnberger Prozess. Er richtete sich gegen die Hauptkriegsverbrecher des "Dritten Reiches". Die Angeklagten gehörten zur ehemaligen Führungselite der Nationalsozialisten. Unter ihnen befanden sich unter anderen Hermann Göring, Rudolf Heß und Albert Speer. Der Internationale Militärgerichtshof verurteilte zwölf der 24 Beschuldigten zum Tode, sieben erhielten Haftstrafen. Drei sprach man wegen Mangels an Beweisen frei. Zwei Verfahren konnten nicht beendet werden. Einer der Angeklagten war nicht verhandlungsfähig, ein anderer beging Suizid. Der erste Nürnberger Prozess gilt als Geburtsstunde des Völkerstrafrechts: Erstmals zog man politische Führer, militärische Eliten und Staatsmänner wie "gewöhnliche" Verbrecher mit den Mitteln des Strafrechts auf internationaler Ebene zur Rechenschaft. Dem ersten Nürnberger Prozess folgten zwölf Nachfolgeprozesse. Sie fanden jedoch nicht mehr vor dem Internationalen Militärgerichtshof, sondern vor amerikanischen Militärgerichten statt.

Die Angeklagten im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess
Zu den Angeklagten im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess gehören unter anderen (1. Reihe v. l.) Hermann Göring, Rudolf Heß, Joachim von Ribbentrop, Wilhelm Keitel und (2. Reihe v.l.) Erich Raeder, Baldur von Schirach und Fritz Sauckel. Bildrechte: imago images/ITAR-TASS