Fördergelder Millionen für eine Vision: Optisches Museum Jena wird Erlebniswelt

Nicht Vitrinen voller Exponate, sondern eine interaktive Erlebniswelt soll das Deutsche Optische Museum in Jena künftig bieten. Immerhin gilt die Stadt als Wiege der modernen optischen Industrie. Thüringens Wirtschaftsminister Tiefensee übergab nun einen Förderbescheid über knapp 8,9 Millionen Euro. Das Geld kommt auch aus dem Topf für Tourismusförderung. So soll das komplett umgebaute Haus ab 2024 ein Tourismusmagnet werden.

Reinigung alter optischer Geräte 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mo 18.01.2021 19:00Uhr 02:14 min

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Das Deutsche Optische Museum in Jena soll zur interaktiven Erlebniswelt werden. Die großen Pläne für die neue Ausstellung über vier Etagen gelten nun auch als finanziell gesichert.

Das Optische Museum Jena bekommt eine neue Ausstellung.
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Für Neukonzeption und Gestaltung übergab Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) am Montag den Förderbescheid über knapp 8,9 Millionen Euro an Museums- und Gründungsdirektor Timo Mappes. Tiefensee sprach von einer Vision am richtigen Ort. Schließlich sei Jena eine Wiege der modernen optischen Industrie. Genau an den Carl-Zeiss-Platz der Stadt gehöre dieses moderne interaktive Museum, fügte Mappes hinzu. Auf einer dann fast dreimal so großen Ausstellungsfläche soll fortan mit Linsen und lichtleitenden Flüssigkeiten experimentiert werden können. Auch historische Filme und Einblicke in die aktuelle Forschung werde es geben.

Wiedereröffnung erst 2024

Allerdings verzögert sich die Realisierung der Vision auf 2024. Ursprünglich war schon von Mitte 2023 die Rede, wenn das Haus in Jena sein 100. Jubiläum feiert. Als Grund der Verzögerung wurde der geplante Anbau mit dem neuen barrierefreien Eingangsbereich genannt.

Der komplette Umbau des historischen Gebäudes soll laut Mappes im März beginnen. Die acht Millionen Euro für die Kernsanierung seien über den Träger des Hauses, die vor knapp fünf Jahren gegründete Stiftung Deutsches Optisches Museum, gesichert. Fragezeichen gebe es noch beim geplanten Anbau mit barrierefreiem Zugang zum Museum, mit Café und Museumshop.

Das Optische Museum Jena bekommt eine neue Ausstellung.
Blick in den historischen Hörsaal Bildrechte: Der Osten - Entdecke wo du lebst / MDR FERNSEHEN

Auf Basis alter Fotos soll beispielsweise auch der historische Hörsaal restauriert werden, in dem Studierende der staatlichen Optikerschule in den 1920er-Jahren lernten. Dazu gehört auch der lateinische Spruch "Per aspera ad astra" an der Wand. Der Schriftzug soll wieder zu sehen sein, genauso wie die Vertiefungen für die Tintenfässchen der Studenten in den Pulten oder die hitzebeständige Schieferplatte auf dem Dozententisch, die beim Experimentieren mit heißen Lichtquellen vor Feuer schützen sollten.

Mammutaufgabe: Erfassen und Digitalisieren

Museumsmitarbeiterin Dr. Ulrike Lötzsch und Gründungsdirektor Professor Timo Mappes begutachten ein L-Stativ-Mikroskop von Zeiss.
Museumsmitarbeiterin Dr. Ulrike Lötzsch und Gründungsdirektor Timo Mappes begutachten ein L-Stativ-Mikroskop von Zeiss. Bildrechte: MDR/Anke Preller

Seit Sommer 2019 sind die Ausstellungsräume in Jena geschlossen. Seitdem wurde am Carl-Zeiss-Platz gepackt. Die weitaus meisten der 23.000 Objekte der weltweit einzigartigen Sammlung aus sieben Jahrhunderten lagerten bis dahin im Depot. Dazu gehören 1.200 Mikroskope, 1.400 Guckkastenbilder, Fotoapparate, Teleskope, Gemälde und Grafiken sowie eine große Fachbibliothek. Zu den besonderen Stücken zählen Napoleons Schmuckfernrohr, das der Franzose wohl eher nutzte, um seine Kurzsichtigkeit zu überspielen. Ebenso eine Brille von Robert Koch oder das seinerzeit modernste Forschungsmikroskop mit integrierter Lichtquelle im Stativ aus den 1930er-Jahren. Als Ausweichquartier für die Exponate dienen die nicht genutzten Bibliotheksräume im Abbe-Zentrum auf dem Jenaer Wissenschaftscampus Beutenberg.

Ein Monitor zeigt das Bild eines historischen Opernglases.
Scan eines historischen Opernglases Bildrechte: MDR/Anke Preller

Schon der Umzug stellte eine Mammutaufgabe dar, da die Objekte gesichtet und erfasst werden mussten, teilweise gereinigt von Staub oder Grünspan, der sich auf den Messing-Einfassungen absetzte. Außerdem mussten alle Objekte mit einem Barcode inventarisiert werden. Nicht zu vergessen: Rund 10.000 Objekte sollten in einem eigens eingerichteten Fotostudio in 360-Grad-Fotografien digitalisiert werden.

Virtuelles Museum und Schaudepot

Nicht zum Zwecke der Archivierung allein, sondern auch zur späteren Präsentation im digitalen Museum, das Experten und Laien online besichtigen können sollen. Fördermittel in Höhe von über einer Millionen Euro hatten das Deutsche Optische Museum und die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (ThULB) für dieses Digitalisierungsprojekt eingeworben. Auch andere Häuser sollen von den Erfahrungen des Modellprojektes profitieren.

Napoleons Schmuckfernglas 5 min
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In mitteldeutschen Museen schlummern viele Objekte, die Besucher nur selten zu sehen bekommen. Wie das Schmuckfernglas von Napoleon Bonaparte im Deutschen Optischen Museum Jena. Ein Blick auf die kaiserliche Sehhilfe.

Mo 23.12.2019 12:33Uhr 05:26 min

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Mappes zufolge wird das Depot selber als Schaudepot geplant, sodass die Fülle der Objekte und deren Entwicklung auch vor Ort in Augenschein zu nehmen ist – teilweise beim individuellen Rundgang, teilweise im Rahmen von Führungen. Laut Mappes gleicht das Deutsche Optische Museum einer Schatzkammer, in der sich Wissenschaft und Kunst verbinden. Manchmal auch begleitet von einem Hauch Weltgeschichte, wie im Falle von Napoleons Schmuckfernrohr.

Betrieben wird das Museum von der gemeinnützigen gleichnamigen Stiftung, getragen durch die Carl Zeiss AG, die Carl-Zeiss-Stiftung, die Ernst-Abbe-Stiftung, die Stadt Jena und die Friedrich-Schiller-Universität Jena. Bereits Anfang 2020 erhielt das Museum 1,2 Millionen Euro der Gesamtförderung für Planung und Baunebenkosten. In die neue Erlebniswelt werden insgesamt mehr als zwölf Millionen Euro investiert.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 18. Januar 2021 | 19:30 Uhr

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