Vier Personen in bunten und flauschigen Kostümen stehen auf einer Bühne und im Hintergrund werden Gesichter auf einen Fadenvorhang projiziert.
Die Inszenierung "Blutbuch" lässt das Publikum an der Suche nach Identität teilhaben. Bildrechte: Theater Magdeburg / Foto: Kerstin Schomburg

Große Geschichten Magdeburg und Dessau: Die besten Theaterstücke im Februar 2024

23. Februar 2024, 18:16 Uhr

In Magdeburg und Dessau-Roßlau laufen im Februar 2024 wieder viele sehenswerte Stücke am Theater, die Sie nicht verpassen sollten: In Dessau erzählen steinerne Köpfe von den Nibelungen. In Magdeburg wird ein fantastisches Märchen und die Suche nach Identität eindrucksvoll erzählt. Hier finden Sie alle Infos für Ihren Theaterbesuch. Jeweils zu Beginn des neuen Monats wird diese Übersicht aktualisiert.

Puppentheater in Dessau: "Nibelungen – ein Solo für Kriemhild"

Die Nibelungensage ist inzwischen 800 Jahre alt und hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Als Rittergeschichte geriet sie zwischendurch in Vergessenheit, bevor sie im 18. Jahrhundert zum deutschen Nationalepos wurde. Richard Wagner komponierte darauf aufbauend eines der größten Werke der Musikgeschichte, und die Nazis nutzten es für ihre Propaganda. Es geht um Liebe, Verrat und Rache: Der Dank eines Bades in Drachenblut unverwundbare Siegfried kommt nach Xanten, wo er sich in die Königstochter Kriemhild verliebt. Um sie heiraten zu dürfen, hilft er ihrem Bruder, die unabhängige Brünnhilde als Ehefrau zu unterwerfen. Es folgen viele Intrigen und Siegfried wird erschlagen – auch mit Kriemhilds Hilfe. Diese schließt sich den Hunnen an, um Rache zu üben.

Bis heute wird die Geschichte auf ihre Aktualität abgeklopft und in Dessau in der Fassung von Karin Eppler radikal aus der Sicht von Kriemhild erzählt, die im Puppentheater mit starren Puppenköpfen streitet. "Das machte Eppler durch gut durchdachte Präzisierungen und Ergänzungen aus dem berühmten Trauerspiel 'Die Nibelungen' von Friedrich Hebbel (1861) deutlich. Diese zielen darauf, Kriemhild vom Image der aus Liebe und Rache blinden Furie zu befreien", schreibt Kritiker Roland Dippel in der "Mitteldeutschen Zeitung". Sein Resümee: "Die Fassung aus Frauenperspektive hat es in sich."

Eine Frau mit schwarzer Weste und rosa Rock streckt ein Schwert nach vorn. Im Hintergrund ist Text mit weißer Schrift auf schwarze Stelen geschrieben und Büsten stehen auf schwarzen Sockeln.
Puppenspielerin Kerstin Dathe steht alleine auf der Bühne des Puppentheaters Dessau und bewegt für die Geschichte einzelne Köpfe. Bildrechte: Ray Behringer

Weitere Informationen "Nibelungen – ein Solo für Kriemhild"
Figurenspiel von Karin Eppler
frei nach Motiven des mittelhochdeutschen Nibelungenliedes
und Friedrich Hebbel

Adresse:
Altes Theater
Lily-Herking-Platz 1
06844 Dessau-Roßlau

Dauer: 75 Minuten, keine Pause

Termine:
26. Februar, 15 Uhr

Schauspiel in Magdeburg: "Blutbuch" im Schauspielhaus

Jahrelang hat Kim de l’Horizon an dem Roman "Blutbuch" gearbeitet, hat jedes Wort genau bedacht. Dafür wurde das Buch mit dem Deutschen Buchpreis belohnt und das zahlt sich nun auch auf der Bühne des Theaters Magdeburg aus. In "Blutbuch" spricht eine Person, die sich weder als Mann noch als Frau identifiziert, mit der eigenen Großmutter. Hier prallen Welten aufeinander, die sich kaum verstehen können. Das Buch erzählt von der großen Suche nach sich selbst, nach der eigenen Identität.

Letztlich verlässt sich die Inszenierung von Jan Friedrich ganz auf diesen Text. Zeitweise stehen sechs Kims auf der Bühne und teilen die Erzählung unter sich auf. Die Stimmen und Stimmungen wechseln immer wieder, Schrift wird auf Fadenvorhänge projiziert, die Bühne erstrahlt in vielen Farben. MDR KULTUR-Kritiker Matthias Schmidt ist fasziniert davon, wie sehr der Abend das Publikum in die Gedankenwelt von Kim de l’Horizon zieht: "Das passiert in einer solchen Intensität nicht so oft."

Weitere Informationen "Blutbuch"
nach dem Roman von Kim de l'Horizon

Adresse:
Schauspielhaus
Otto-von-Guericke-Straße 64
39104 Magdeburg

Termine:
3. Februar, 19:30 Uhr
11. Februar, 18 Uhr
25. Februar, 19:30 Uhr

Ballett in Dessau: "Der Nussknacker" am Anhaltischen Theater

Eigentlich ist Weihnachten vorbei, schon ziemlich lange vorbei. Aber vielleicht ist das nun eine wunderbare Gelegenheit, doch noch die Neuproduktion des "Nussknackers" von Tschaikowsky in Dessau zu sehen. Im Zuhause von Klara ist wieder Bescherung. In der Nacht lockt der Nussknacker des Familienfreundes Drosselmeier das Mädchen in eine Fantasiewelt, wo ein Krieg mit dem Rattenkönig tobt. "Giannetti und sein Dramaturg Yuri Collosale haben die originale 'Nussknacker'-Handlung mit Heiligabend-Bescherung, nächtlichem Spielzeugkrieg, Reise ins Märchenland und Verherrlichung der schönen Illusionen erst genau überprüft und dann dezent Richtung Gegenwart gekickt", freut sich der Kritiker Roland Dippel in der "Mitteldeutschen Zeitung". Erst am Ende eines leichtfüßigen und schön ausgestatteten Balletts wird die aktuelle Konsumwelt hinterfragt.

Eine große Gruppe von Kindern stehen auf einer leeren Bühne hinter einem Paar in schlichter, aber schicker Kleidung.
Auch der Kinderchor des Anhaltischen Theaters stehen in diesem "Nussknacker" auf der Bühne. Bildrechte: Anhaltisches Theater Dessau / Claudia Heysel

Weitere Informationen "Der Nussknacker"
Märchenballett von Stefano Giannetti mit Musik von Peter Tschaikowski

Adresse:
Anhaltisches Theater
Friedensplatz 1a
06844 Dessau-Roßlau

Dauer: 110 Minuten, eine Pause

Termine:
16. Februar, 19:30 Uhr

Oper in Magdeburg: "Die Liebe zu den drei Orangen" am Opernhaus

Bevor der Prinz den Thron besteigen kann, muss er sein Lachen wiederfinden. Dafür macht er sich auf eine Reise, auf der er von dunklen Mächten immer wieder gestört und drei verwunschene Prinzessinnen treffen wird. Die Oper "Die Liebe zu den drei Orangen" von Sergei Prokofjew lädt schon seit Jahrzehnten Opernhäuser auf der Welt dazu ein, wunderbare Kostüme und Bühnenbilder zu erschaffen. Auch das Theater Magdeburg überzeugt mit einer fantasievollen Ausstattung, meint MDR KLASSIK-Kritikerin Susann Krieger. Dabei setzt die Regie von Anna Bernreitner jedoch nicht allein auf Überwältigung, sondern fordert das Publikum immer wieder heraus, die Traumwelt zu hinterfragen. "Es macht Spaß, zuzuhören und zuzuschauen. Das Karussell dreht sich immer schneller, sodass das Publikum am Ende zwischen Realität und Fantasie nicht mehr zu unterscheiden weiß. Eine gelungene, kluge und witzige Inszenierung", so Krieger.

Weitere Informationen "Die Liebe zu den drei Orangen"
Oper von Sergei Prokofjew

Adresse:
Opernhaus
Universitätsplatz 9
39104 Magdeburg

Dauer: 140 Minuten, eine Pause

Termine:
18. Februar, 16 Uhr
24. Februar, 19:30 Uhr (mit Audiodeskription)

Kabarett in Magdeburg: "Mit Volldampf ins Aus"

Auf einer Kreuzschifffahrt entstehen schnell Schicksalsgemeinschaften. Immerhin sind da zahlreiche Menschen für eine bestimmte Zeit an dem relativ beengten Ort aneinandergebunden. An einem solchen Ort spielt die Show "Mit Volldampf ins Aus" an der Zwickmühle Magdeburg, auf der MS Cassandra. Für diesen Abend mussten die Spielerinnen und Spieler, die regelmäßig in der Zwickmühle auftreten, ihre schauspielerischen Fähigkeiten ausreizen, ständig Kostüme und Rollen wechseln.

Denn an Bord treffen sich unterschiedliche Menschen und unterhalten sich. So geht es natürlich um die Klimakrise, aber auch um Datenkraken wie Amazon oder überzogene Ansprüche an das Schulsystem. Die musikalischen Einlagen wurden vom erfolgreichen Duo Schwarze Grütze beigesteuert, die das Magdeburger Ensemble gekonnt interpretiert hat. "'Mit Volldampf ins Aus' ist ein unterhaltsamer Abend, der Nachdenklichkeit beinhaltet", resümiert Kritiker Klaus-Peter Voigt in der "Volksstimme".

Weitere Informationen "Mit Volldampf ins Aus"
Kabarett von Alexander Pluquett

Adresse:
Kabarett "Magdeburger Zwickmühle"
Leiterstraße 2a
39104 Magdeburg

Termine:
2. Februar, 20 Uhr (Restkarten)
9. Februar, 20 Uhr
10. Februar, 20 Uhr
15. Februar, 20 Uhr
16. Februar, 20 Uhr
22. Februar, 20 Uhr
23. Februar, 20 Uhr
24. Februar, 20 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 31. März 2023 | 07:40 Uhr

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