Jens Haentzschel
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Gartenliteratur Bücher, die zum Frühling passen

Die Gartensaison ist längst eröffnet, da lohnt auch ein Blick in neue Bücher. Wie immer hat MDR Garten-Buchexperte Jens Haentzschel in den Katalogen der Frühjahrstitel geblättert und seine Lieblingsbücher für den Monat April zusammengestellt. Es geht um einen preisgekrönten Ratgeber für Biogärtner, um ein Privatgarten-Porträt, um Klassiker in Blütenfülle, um einen charmanten Comic, ein Buch mit Botschaft für Kinder und ein Buch über Blumenzwiebeln.

Jens Haentzschel
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

"Das große Biogarten-Buch"

Die Gärtnerin Andrea Heistinger ist die Instanz in Sachen Biogärtnern im Nachbarland Österreich. In vielen Büchern hat sie ihr Wissen rund um die biologische Selbstversorgung bereits beschrieben und an die immer größer werdende Schar ihrer Leser weitergereicht. Seit einiger Zeit gibt es von ihr und dem Arche-Noah-Team "Das große Biogarten-Buch".

Das Buch ist so lesenswert und informativ, dass es jüngst mit dem Deutschen Gartenbuchpreis in der Kategorie "Bester Ratgeber" ausgezeichnet wurde. In der Tat ist damit ein Sachbuchkoloss entstanden, der schnell zum Standardwerk in Sachen "Biogärtnern" geworden ist. 2.379 Gramm wiegt das Buch mit seinen 624 Seiten und mehr als 1.000 Fotos. Das sind Zahlen, die schon vorwegnehmen, dass es ein besonderes Nachschlagewerk ist, ein wirkliches Muss für jeden Biogarten-Interessierten. Blättert man hinein, geht es weiter mit Superlativen, nur kommen abseits der Zahlen viele Fakten zusammen, die begeistern und überzeugen.

Bereits das Thema "Grundlagen" wird auf annähernd 160 Seiten kleinteilig, aber sehr informativ zusammengetragen. Boden, Dünger, Kompost, Gießen und Schädlinge sind Themen zum Auftakt, aber das ist längst nicht alles. Heistinger und ihren Mitautoren geht es um mehr, denn ihr Ansatz ist immer auch ein aufklärerischer. Sie geben durchweg praktische Tipps zum Lagern und Konservieren von Ost und Gemüse und bieten auch Kindern ein ganzes Unterkapitel. Schließlich kann man nicht früh genug damit anfangen, seinen Biogarten zu bestellen.

Hauptkapitel in dem 624-Seiten-Ratgeber sind Porträts von Gemüse, Obst, Kräutern, aber auch von Blumen, Pilzen und Getreide. Über 400 Sorten werden detailliert vorgestellt. Der Anspruch auf Vielfalt ist auf jeder Seite spürbar: 18 Seiten für Zwiebeln oder seltenes Obst, 30 Seiten für Blattgemüse, zehn Seiten für Pilze. Der Vorteil für den Leser: Die Autoren geben ihre ganze Erfahrung weiter, unter anderem Tipps zum Anbau, zu Temperaturansprüchen, zur Düngung, dem Wasserbedarf oder der Pflege. Die Texte sind lesbar, Tabellen ergänzen viele Praxistipps. So bekommt der Hobbybiogärtner alle nötigen Informationen an die Hand, die ihm später in seinem eigenen Garten helfen werden. Ein kleiner Serviceteil mit einem umfangreichen Register rundet diesen großartigen Ratgeber ab: Ein Prachtbuch, das nicht allein den Hobbygärtner anspricht, auch der erfahrene Gemüsegärtner kann noch einiges an Mehrwert für seine Arbeit gewinnen und wird diesen Buchschatz sicher immer wieder gern aufschlagen.

"Ein Garten ist niemals fertig"

Garten ist Leidenschaft. Keine Frage. Garten ist Bereicherung. Auch das stellt niemand in Abrede. Garten ist ein Lebenswerk. Genau das wissen Manfred Lucenz und Klaus Bender aus eigener Erfahrung. 1983 erbten die beiden Männer einen Garten, ohne sich jemals größere Gedanken über das Thema "Gärtnern" gemacht zu haben. Dann ging es los mit diesem - aus heutiger Sicht - gärtnerischen Lebenswerk: es wurde gestaltet, umgebaut, aufgebaut, gehegt und gepflegt. Heute zählt ihr Privatgarten zu einem der schönsten bundesweit. In keinem Reisekatalog, der auf Gartentour nach NRW einlädt, fehlt der Lucenz-Bender-Garten. Das ganze Jahr über bieten die beiden neugierigen Garten-Enthusiasten Führungen an: Rosen, Iris, Narzissen, Allium, Tulpen. Zu beinahe jeder Blütezeit hat der Garten eine besondere Atmosphäre. Die Erkenntnis des Buchtitels, dass ein Garten niemals fertig ist, haben Lucenz und Bender Tag für Tag in den vergangenen 30 Jahren hautnah erleben dürfen.

Apropos Buch: Bereits 2003 wurde ihrem Garten ein Buch gewidmet. "Ein Garten fürs Leben" beschrieb den Wandel der Zeit auf dem 4.000 Quadratmeter großen Grundstück. Nun lädt ein neues Buch in ihren Garten in der Nähe von Kleve ein. Schön ist hierbei nicht allein der Titel, sondern auch das Buchinnere zeigt, wie aufwendig, leidenschaftlich und klug die beiden Hobbygärtner ihren Garten über die Jahre angelegt haben. Stimmungsvolle Bilder der Fotografin Marion Nickig ergänzen die sehr persönlichen Texte, die viel davon preisgeben, mit wie viel Liebe und Akribie der Natur ein Gartenreich abgetrotzt wurde. Es gab Erfolge und immer auch Misserfolge.

Einzelne Kapitel beschäftigen sich damit, wie der Garten entstand, welche Pflanzen auf keinen Fall fehlen dürfen und auf was beim Rosengarten, der Staudenauswahl oder dem Gemüsegarten Wert gelegt wurde. Tipps, Pflanzenfavoriten und einige Schritt-für-Schritt-Anleitungen helfen dem Leser, eigene Erfahrungen zu machen, so wie das ganze Buch dank seiner unterhaltsamen, charmant plaudernden Art einen hohen praktischen Nutzen hat - inklusive der Warnung vor invasiven Pflanzen oder Baumarktangeboten. Schließlich liegt der Garten auf ehemaligem Heideland mit einem sauren Boden, was vielfältige Auswirkungen auf die Pflanzenauswahl hat. So ist "Ein Garten ist niemals fertig" ein wunderbares Buch für alle jene, die nicht so sehr von Profis lernen wollen, sondern von Hobbygärtnern, die klein anfingen, aber Großes geschaffen haben. Doch abseits allen Lobes fehlt ein Detail dann doch: eine kleine Übersichtskarte des Gartens sucht der Leser vergebens. Schade, denn eine Karte würde helfen, etwas mehr Raumgefühl für diesen Traumgarten zu bekommen.

"Azaleen und Rhododendren - Einfach faszinierend"

Sie sind besondere Blühwunder und erfreuen in den Wochen nach den ersten Frühblühern die Augen vieler Fans. Azaleen und Rhododendren sind Gartenklassiker und hätten den ersten Anspruch auf den Thron, wenn da nicht schon die Rose residieren würde. Nun gibt es nach einigen Jahren wieder einen recht prachtvollen Ratgeber. Warum das Buchformat so klein gewählt wurde, hinterlässt Fragen. Schade, denn eine Vielzahl der Fotos von Ursel Borstell kann sich dadurch leider nicht ganz so üppig entfalten. Es ist die einzige Kritik an diesem lesens- und erfahrenswerten Buch.

Die Autorin Julia Westhoff beschreibt in wenigen Kapiteln die Geschichte der Pflanzen und bietet Tipps für die passende Gestaltung an. Wegbegleiter wie Bäume, Sträucher, Gräser, Farne oder andere Sorten werden bebildert und erklärt. Der wichtigste Aspekt in dem Buch ist die Vorstellung verschiedener Azaleen- und Rhodo-Sorten: 110 Seiten lang entfalten sich prächtige blühende Arten und Sorten, die kurz und knapp mit Symbolen (Farbe, Duft, Wuchs, Züchtung und Besonderheit) erklärt werden. Hier und da hätte es sicher mehr sein können, aber vor allem bei den Angaben zur Züchtung und der Besonderheiten macht es viel Freude, durch das Buch zu blättern. Die Sortenübersicht gliedert sich übrigens nach Farben, Formen, Duft und Belaubung. Die Vielfalt reicht von Klassikern über robuste und schnell wachsende Sorten.

Reizvoll sind die insgesamt acht Ausflugstipps in bekannte Rhodo-Gärten, zum Beispiel in Westerstede, Bremen, Essen und Bad Zwischenahn. Ein Register, eine Übersicht über Fachausdrücke sowie einige Adressen ergänzen das Buch, das von der ersten bis zur letzten Seite dazu beiträgt, Rhodos und Azaleen noch beliebter zu machen.

"Der goldene Grubber - Von großen Momenten und kleinen Niederlagen im Gartenjahr"

Was für ein Buch! Was für ein ungewöhnliches und ungewöhnlich schönes Buch. Die Illustratorin Kat Menschik öffnet ihr Gartentor im Oderbruch und entführt in eine vielfältig illustrierte Gartenwelt, in der es viel zu entdecken gibt. Mittlerweile werden kurze Bildstrecken ihrer Comics als Serie auch regelmäßig in der F.A.Z. abgedruckt.

Die Künstlerin erzählt in Wort und Bild, aber eben immer gezeichnet von ihrer ganz persönlichen Gartenerfahrung. Das Hochgefühl, die ersten Märzenbecher zu entdecken, kommt dabei ebenso zur Geltung wie der Einsatz von Brennnesselsud gegen Läuse. Dumm, dass an diesem Tag Gäste in den Garten eingeladen wurden und ihn aufgrund des üblen Gestanks ebenso schnell wieder verließen.

Mit viel Liebe zum Detail zeichnet die Künstlerin in grün-weißen Bildern - unterbrochen von einigen bunten Zeichnungen in der Buchmitte - ihr Gartenleben auf die über 300 Seiten. Frühblüher, Gartengeräte, Schmetterlinge und viele Pflanzen und Tiere mehr werden im Porträt vorgestellt, Ratschläge aus dem eigenen gärtnerischen Selbsterleben gibt es ebenso wie Niederschläge, wenn es mal nicht geklappt hat und die Arbeit mehr oder weniger umsonst war. Seite für Seite ist dieser Comic ein Erlebnis und eine Entdeckung. Nichts in diesem handgemachten Buch ist digital: jede Seite atmet den Geist einer begabten Illustratorin, die in den vergangenen Jahren mit ihren Büchern auf sich aufmerksam gemacht hat.

Rund 4.000 Quadratmeter groß ist ihr persönliches Gartenreich, in das sie den Leser plaudernd und Zuschauer staunend einlädt. Sie buddelt, gräbt, schneidet, erklärt und kommt Schritt für Schritt voran. Ein Kapitel über Wespen kommt bei dieser Gartenreise ebenso vor wie Pilze, Herbstarbeit und die ganz eigene Erfahrung mit dem Verzehr von rohem Holunder. Ganz chronologisch erzählt Menschik durch die Jahreszeiten. Sie beginnt nach dem Winter und endet bei Schneemännern im Garten. Willkommen in der wunderbaren und durchaus witzigen Welt der Kat Menschik. Am Ende des Buches ist kein Satz verständlicher als der erste: "Der Garten ist wie ein Familienmitglied. Wir investieren viel Kraft, Arbeit und vor allem Liebe. Wir dürfen erleben, wie der Garten sich entwickelt. Wir machen Fehler. Es gibt Niederlagen. Wir lernen. Wir beginnen neu. Wir kämpfen. Aber nie mehr wollen wir ihn missen." Wie Recht sie doch hat und wie mutig und sinnlich und wunderschön dieses Buch doch all das zeigt.

"Das Faultier im Pop-up-Wald"

Wenn der Mensch in die Natur eingreift, kann es böse enden. Oder eben gut, wenn man Menschen findet, die nach solch einem Eingriff wieder damit beginnen, in der Natur Bäume zu pflanzen. Von dieser Geschichte erzählt "Das Faultier im Pop-up-Wald" von Anouk Boisrobert und Louis Rigaud.

Das besondere an ihrem Buch ist, dass sich die Geschichte nicht nur lesen lässt, sondern sich die Faultierwaldwelt auf wundersame Weise vor einem aufbaut. Das macht aus der kurzen Geschichte auf 16 Seiten eine recht kurzweilige bis spannende Schatzsuche, denn in den Bäumen, die auf den Seiten aufpoppen, finden sich viele Tiere, die man auf den ersten Blick gar nicht sieht. Und so gilt es, ein müdes Faultier zu suchen und zu finden, das von dem großen Tohuwabohu menschlicher Regenwaldvernichtung um ihn herum nichts mitbekommt.

Abseits aller Suche lernt der junge Leser noch einiges über abgeholzte Regenwälder und Menschen mit Mut, die auf dem öden Land Samen in die Hand nehmen und neue Bäume aussäen. Kein Wunder, dass das Buch nicht nur von Ökologie erzählt, sondern auch durchweg ökologisch hergestellt wurde: mit Sojatinte und Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Ein Buch zum Staunen und mit Botschaft für Leser ab fünf Jahren. Aber auch als Erwachsener kann man sich über so ein sinnliches, verspieltes Bucherleben durchaus freuen.

"Taschenatlas: Zwiebel- und Knollenpflanzen"

Mit dem Frühling stehen auch die Zwiebel- und Knollenpflanzen wieder im Mittelpunkt des gärtnerischen Interesses. Es wird gebuddelt und gepflanzt. Wer eine erste Übersicht über das Angebot auf dem Markt bekommen möchte, dem kann mit einem kleinen nützlichen Büchlein geholfen werden: Frank M. von Bergers Taschenatlas bietet viele Informationen in Kürze.

Knapp 200 Sorten stellt er auf 128 Seiten vor - von A wie Allium bis Z wie Zantedeschia. Vier Pflanzen sind es auf jeder Doppelseite, allen gemein sind die Angaben zu Heimat, Wuchsform, Blatt, Blüte, Fruchtstand oder Vermehrung. Hinzu kommen mittels kleiner Symbole Informationen zu Pflanzzeit, Pflanztiefe und dem Thema "Geselligkeit", also wie viele Zwiebeln ein schönes Bild im Beet ergeben.

Ein hilfreicher kleiner und kompakter Ratgeber, der natürlich nicht alle Fragen klären kann. Das merkt man beim Aspekt der Winterhärte. Bei der Auflistung von A-Z geht es mit frostharten und nicht winterharten Sorten ein wenig durcheinander.

"Das große Biogarten-Buch" Andrea Heistinger, Arche Noah
624 Seiten, über 1.000 Farbfotos und Zeichnungen
ISBN: 978-3-8001-7840-7
Verlag Ulmer

"Ein Garten ist niemals fertig" Manfred Lucenz und Klaus Bender
192 Seiten mit zahlreichen Fotos von Marion Nickig
ISBN: 978-3-7667-2046-7
Callwey Verlag

"Azaleen und Rhododendren – Einfach faszinierend" Julia Westhoff und Ursel Borstell
176 Seiten, mit 250 Farbabbildungen
ISBN: 978-3-4210-3913-2
Verlag DVA

"Der goldene Grubber - Von großen Momenten und kleinen Niederlagen im Gartenjahr" Kat Menschik
304 Seiten, durchgehend illustriert, mit zahlreichen Farbtafeln
ISBN: 978-3-8697-1083-9
Verlag Galiani Berlin

"Das Faultier im Pop-up-Wald" Anouck Boisrobert + Louis Rigaud mit einem Text von Sophie Strady
16 Seiten durchgehend farbig, ab 5 Jahren
ISBN: 978-3-9417-8718-6
Verlag Jacoby & Stuart

"Taschenatlas: Zwiebel- und Knollenpflanzen" Frank M. von Berger
128 Seiten, 196 Farbfotos
ISBN: 978-3-8001-8065-3
Ulmer Verlag

Zuletzt aktualisiert: 06. April 2014, 08:40 Uhr