Im Gespräch MDR Garten-Florist Thorsten Wösthaus: "Natur ist schön. Niemand kann das besser!"

Thorsten Wösthaus aus Zerbst in Sachsen-Anhalt ist der Sieger im diesjährigen Wettbewerb zum MDR Garten Florist. Woher kommt seine Leidenschaft für Blumen und Floristik? Wie fand er den Wettbewerb? Im Interview verrät er uns dies und noch viel mehr.

MDR Garten-Florist Sieger Thorsten Wösthaus
So sehen Sieger aus: Thorsten Wösthaus freut sich über den Pokal. Bildrechte: MDR/Savidas

Herr Wösthaus, Sie mochten Blumen schon als Kind. Wollten Sie auch schon immer Florist werden?

Meine Mutter hat viel Wert auf Türkränze, Sträuße und anderen Blumenschmuck gelegt. Wir hatten viele Blumen im Garten. Es war für mich normal, mich darum zu kümmern und auch zu dekorieren. Nach dem Abitur wollte ich eigentlich eine Lehre im Büro machen. Da wollte mich aber niemand. Ich sei überqualifiziert. Meine Nachbarin hat mich dann mit in ihren Blumenladen genommen. Montag war ich Praktikant, Dienstag hab ich den Vertrag unterschrieben, Donnerstag war ich das erste Mal in der Berufsschule. Zwei Wochen später musste ich an einem Berufswettkampf teilnehmen. Den habe ich dann gleich gewonnen.

Sie sind demzufolge ein alter Hase im Wettkampfgeschäft?

Ich habe wirklich schon an vielen Wettkämpfen teilgenommen: Landesmeisterschaften, Bundesgartenschauen und viele andere, Ich bin zum Beispiel Landesmeister von Sachsen-Anhalt.

Wie trainiert man denn für einen solchen Wettbewerb?

Ich habe mir vorher überlegt, welche Aufgaben wohl gestellt werden könnten. Dann habe ich zwölf verschiedene Werkstücke entworfen. Als die Aufgaben dann konkret kamen, konnte ich aus einem Pool von Ideen schöpfen.

Floristik bedeutet für mich, aus etwas Schönem etwas noch Schöneres zu machen.

Thorsten Wösthaus, MDR Garten Florist 2021

Welche der Aufgaben fanden Sie am schwersten?

Die Fahrradfelge! Als das Kuhhorn kam, habe ich mich gefreut. Zu dieser Aufgabe hatte ich sofort einen Draht. Wir haben selber Kuhfelle und Kuhhörner zu Hause. Ich wusste sofort, wie alles aussehen soll. Die Felge dagegen war ein Haufen Schrott. Wirklich. Floristik bedeutet für mich, aus etwas Schönem etwas noch Schöneres zu machen. Aber Ich konnte nicht sehen, wie aus der Felge etwas Schönes werden sollte. Wenn Sie wenigstens verrostet und alt gewesen wäre. Aber so!

Florist Thorsten Wösthaus aus Zerbst mit Kamerateam
Bei der ersten Aufgabe im Wettbewerb MDR Garten-Florist 2021 ging es darum, eine Fahrradfelge in ein Werk einzubinden. Für Thorsten Wösthaus war das eine besondere Herausforderung, wie er sagt. Bildrechte: MDR Garten/Savidas Filmproduction

Ihre Kreationen haben den Zuschauern am besten gefallen. Wie würden Sie denn Ihren Stil beschreiben?

Mann präsentiert Gesteck 6 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Drei Aufgaben – ein Sieger! Der Gewinner steht fest. Wir haben Thorsten Wösthaus besucht, den roten Teppich ausgerollt und den Pokal übergeben.

MDR Garten So 14.03.2021 08:30Uhr 05:59 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Geradlinig, natürlich, geometrisch. Zurückhaltend in der Farbigkeit. Das Kuhhorn zum Beispiel: Das ist schwarz-weiß-grau. Da muss auch die Farbgestaltung dazu passen. Etwas Grelles gehört da für mich einfach nicht hin. Harmonische Farbtöne sind für mich ganz wichtig. Außerdem liebe ich es, mit verschiedenen und ungewöhnlichen Pflanzen zu arbeiten. Meine Lieblingspflanze ist die Alocasia. Ihre Blätter sind so metallisch glänzend, geometrisch und ausdrucksstark.

Solche Werkstücke wie im Wettbewerb strotzen vor Kreativität. Wie viel Kreativität brauchen Sie im beruflichen Alltag?

Natürlich ist erst einmal alles solides, pures Handwerk. Man muss mit der Zeit gehen und schauen, was die Leute wollen. Jetzt sind zum Beispiel Trockenblumen hip. Die Leute kommen zu uns, weil sie wissen, dass sie besondere, spezielle Sachen bekommen. Sie geben etwas in Auftrag und wir überlegen uns etwas Schönes. Wir verwenden Naturmaterialien, kombinieren gern ungewöhnliche Pflanzen wie Schnittorchideen oder Sukkulenten mit ausgefallenen Accessoires.

Florist Thorsten Wösthaus mit Blatt einer Zimmerpflanze
Thorsten Wösthaus arbeitet gerne mit verschiedenen und ungewöhnlichen Pflanzen. Seine Lieblingspflanze ist die Alocasia, auch Pfeilblatt genannt: Ihre Blätter wirkten metallisch glänzend, geometrisch und ausdrucksstark. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Welche Werkzeuge haben Sie als Florist immer dabei?

Mein Floristenmesser, die Rosenschere und einen Minibolzenschneider für den Draht. Auch ein Akkuschrauber ist für mich ganz wichtig. Damit bohre ich beispielsweise Löcher in Gefäße oder sehr dicke Pflanzen.

Viele Menschen mögen Blumen und Floristik, trauen sich aber selber nicht so recht. Haben Sie einen Tipp?

Machen, machen, machen! Nicht so viel darüber nachdenken. Gehen Sie raus, besorgen Sie Blumen und kombinieren Sie sie mit ein, zwei Ästen. Oder stellen Sie ein Schneeglöckchen in ein Schnapsglas. Das ist einfach und bezaubernd. Natur ist schön! Niemand kann das besser! Da braucht man keine 1.000 Dekoteile dazu.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 14. März 2021 | 08:30 Uhr