Frühling im Januar Klimawandel: Folgen des milden Winters für Tiere

Der Winter ist in diesem Jahr besonders mild. Kaum ein Tag, an dem das Thermometer unter Null-Grad Celsius fällt. Selbst Nachtfröste sind selten. Was aber bedeutet das für heimische Tiere und Insekten? Wie kommen sie mit dem Wetter zurecht?

Feldmaus
Für die Feldmaus sind milde Winter kein Problem. Sie hält keinen Winterschlaf und findet ausreichend Nahrung. Bildrechte: imago/Reiner Bernhardt

Gefahr für Biene, Schmetterling und andere Insekten

Am schwierigsten ist es für Insekten, sich auf den Klimawandel einzustellen, wie Gartenfachberaterin Brigitte Goss sagt. Dauern die Frühlingstemperaturen über acht Grad Celsius über eine Woche an, erwachen einzelne Pflanzen und Bäume aus ihrer Saftruhe. Einige beginnen zeitiger zu blühen, erklärt die Expertin.

Insekten sind auf den Nektar verschiedener Pflanzen angewiesen. Durch die warmen Winter blühen Weiden, Hasel oder auch Krokusse früher, möglicherweise schon, wenn die Insekten noch nicht unterwegs sind.

Fliegen Biene und Co. schließlich aus, um Pollen und Nektar zu sammeln, könnten wichtige Insektenweiden schon verblüht sein.

Gefährlicher Ausflug der Honigbienen

Der vorgegaukelte Frühling bringt aber auch Insekten dazu, ihre warmen Winterquartiere viel zu früh zu verlassen - und vergeblich nach Nahrung zu suchen. Die Honigbienen von Imker Thomas Maul aus Erfurt sind seit Anfang Januar unterwegs.

Normalerweise würden die Winterbienen jetzt im Bienenstock sitzen und heizen. Aber sie fliegen ab zwölf Grad Celsius raus. Sie holen Wasser, räumen auf, arbeiten hart. Dadurch vergeuden sie wertvolle Kraft und verkürzen so ihre Lebenszeit.

Honigbiene an einer Blüte
Für Bienen ist es jetzt schwer, Nahrung zu finden Bildrechte: IMAGO

Bis Ende März, Anfang April würden die Winterbienen normalerweise leben. Thomas Maul ist in Sorge, ob sie bis dahin durchhalten. Denn fliegen Bienen an schattige Plätze, an denen die Temperatur unter neun Grad liegt, verfallen sie in eine Art Starre, erklärt der Imker. Sie schaffen den Heimflug nicht und erfrieren.

Thomas Maul rechnet in diesem Jahr mit starken Verlusten, denn auch im Bienenstock fehlen die Bienen, die dort die Temperatur regeln und so die Brut sichern. Hinzu kommt: auch die gefürchtete Varroa-Milbe, die die Honigbiene als Wirt nutzt, wird bei warmen Temperaturen aktiv und beginnt sich rasant zu vermehren.

Es zählt jeder Tag, den der Parasit später anfängt, seine Eier in die Brut zu legen. Die Folgen sind noch nicht absehbar.

Auch die Wildbienen kommen bei langanhaltenden, frühlingshaften Temperaturen aus ihren Behausungen. Ihnen droht das gleiche Schicksal: sie könnten verhungern oder erfrieren.

Wie kommen Vögel mit dem milden Winter klar?

Uferschwalben (riparia riparia), ansammlung auf Telefondrähte
Einige Zugvögel bleiben in milden Wintern hier. Bildrechte: IMAGO

Laut BUND wächst die Zahl der Zugvögel, die nicht in wärmere Regionen fliegen und hier bleiben, weil sie ausreichend Nahrung finden. Der Boden ist vielerorts offen, auch einige Insekten finden sie noch. Im Nachteil seien aber Zugvögel, die den weiten Weg nach Afrika auf sich nehmen und dann im Frühling heimkehren. Viele Nistplätze sind dann schon besetzt.

Säugetiere können sich anpassen

Präp. Wildschweine in der Wolfsscheune in Rietschen
Nach milden Wintern, kann es zu einer Wildschweinplage kommen. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Vielen Säugetieren macht der warme Winter nichts aus. Sie können sich gut anpassen und sogar Vorteile nutzen. Da kein Schnee liegt und der Boden nicht gefroren ist, finden sie jetzt ausreichend Futter. Bei Wildtieren wie Wildschweinen oder Rehen kann das milde Wetter zu einem Anstieg der Population führen. Sie verschieben ihre Familienplanung nach vorne. Problematisch wird es für Frischling und Rehkitz allerdings, wenn es plötzlich wieder einen Kälteeinbruch gibt. Vor allem für die Jungtiere ist das gefährlich, denn sie könnten erfrieren.

Für Tiere, die Winterschlaf halten, sind lang anhaltende Wärmephasen schwieriger. Sie werden in ihrem Rhythmus gestört, können sogar aufwachen. Nicht selten sind schon im Januar Igel unterwegs. Kommen die Tiere bei einem Frosteinbruch nicht schnell genug zurück ins Winterquartier, oder sind die angelegten Vorräte für den Winter inzwischen aufgebraucht, kann es passieren, dass die Tiere verhungern oder erfrieren.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | THÜRINGEN JOURNAL | 12. Dezember 2019 | 19:30 Uhr

Das passt zum Thema