Reife, blaue Heidelbeeren und Blätter am Zweig eines Heidelbeerstrauches
Kulturheidelbeeren sind meistens Züchtungen der Amerikanischen Heidelbeere (Vaccinium corymbosum). Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Beerenobst Heidelbeeren vom Strauch auf Balkon und Terrasse

An den blauen Fingern sind sie zu erkennen, die Heidelbeerpflücker im Wald. Doch nicht nur dort wachsen die aromatischen Beeren. Auch auf Balkon und Terrasse können Heidelbeeren frisch vom Strauch genascht werden.

Reife, blaue Heidelbeeren und Blätter am Zweig eines Heidelbeerstrauches
Kulturheidelbeeren sind meistens Züchtungen der Amerikanischen Heidelbeere (Vaccinium corymbosum). Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Gesund und schmackhaft sind sie beide, doch einige Unterschiede gibt es zwischen Natur- und Kulturheidelbeeren: Die Früchte aus dem Wald sind kleiner, etwas aromatischer und färben Zunge und Zähne beim Essen dunkel. Sie stammen von Vaccinium myrtillus, so der botanische Name der wild wachsenden Sträucher. Kulturheidelbeeren dagegen haben helles Fruchtfleisch und sind auch deutlich größer. Die Farbstoffe, die für das intensive Blau sorgen, sind in der Schale eingeschlossen und werden beispielsweise beim Backen freigesetzt. Die heute bekannten Kulturformen sind meistens Züchtungen der Amerikanischen Heidelbeere (Vaccinium corymbosum). Sie bilden bis 1,80 Meter große, sommergrüne Sträucher. Ihre wilden, europäischen Verwandten bleiben kleiner. Höchstens 80 bis 120 Zentimeter hoch werden die Pflanzen. Im Herbst färben sich ihre Blätter weinrot.

Zwei unterschiedlich große Glasschälchen, die mit kleinen, schwarzen sowie mit größeren, blauen Heidelbeeren gefüllt sind, stehen auf einem Holztisch neben einer kleinen Schaufel aus schwarzem Kunststoff
Heidelbeeren von wild wachsenden Sträuchern sind kleiner und dunkler als die Früchte der Kulturformen. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Roswitha Schemm vom fränkischen Erdbeerhof Zehelein Schemm rät, für Balkon und Terrasse kleinwüchsige Züchtungen auszuwählen. Geeignet seien zum Beispiel die Sorten 'Putte', 'Emil' oder 'North Country'. Sie wachsen zu kompakten, 60 bis 80 Zentimeter hohen Büschen heran.  Zwei Pflanzen von diesen Züchtungen können bequem in einem geräumigen Topf gedeihen. "Das wichtigste ist die richtige Erde", sagt die Fachfrau. Heidelbeeren benötigen einen sehr sauren Untergrund mit einem pH-Wert um 5. Blumenerde und Gartenboden sind ihnen viel zu alkalisch. Heidelbeeren gedeihen vor allem deshalb im Wald: Der Boden ist dort für sie geeignet. Sie stehen in der Natur zwar meistens im Halbschatten, mögen aber auch die volle Sonne.

Sonnenschein und wenig Dünger

Wer Heidelbeeren in Pflanzgefäßen kultivieren möchte, muss auf eine ausreichende Größe der Töpfe achten. Die Pflanzen brauchen Kübel mit mindestens 50 Litern Volumen. Löcher im Boden der Gefäße sind notwendig, damit überschüssiges Gießwasser abfließen kann. Zuunterst kommt eine Schicht Kies mit einem dünnen Gartenvlies als Trennschicht. Über dieser Drainageschicht wird die Erde eingefüllt. Am besten wachsen die Sträucher in Erdbeer- und Beerenerde, auch Rhododendronerde ist geeignet. Obenauf fördert eine dünne Schicht Sägespäne das Bodenleben, was sich positiv auf das Wachstum und die Ernte auswirkt. Dazu können Späne aller Bäume verwendet werden - bis auf Eichenspäne.

Ein Pflanzkübel aus Kunststoff mit einem Kulturheidelbeerstrauch, der Früchte trägt
Der Kübel für Kulturheidelbeeren muss groß genug sein. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Heidelbeeren können im Halbschatten stehen, mehr schmackhafte Früchte bilden sie aber im Sonnenschein. Es gibt zwar keine männlichen und weiblichen Pflanzen. Heidelbeeren sind überdies selbstbefruchtend. Trotzdem ist es von Vorteil, zwei oder mehr Sträucher zu kaufen. So steigen die Chancen, dass Bestäuber die Pflanzen ansteuern und für eine reiche Ernte sorgen. Heidelbeeren benötigen nur wenig Dünger. Kalkhaltige Produkte mögen sie gar nicht. Gegossen wird am besten von unten. Dem Gießen kommt bei der Pflege grundsätzlich eine wichtige Rolle zu: Die Erde sollte feucht gehalten werden mit möglichst weichem Wasser, das arm an Kalk ist. Regenwasser bietet sich dazu an.

Auch bei Frost im Freien lassen

Kübelpflanzen werden gerne im Wintergarten, Hausflur oder Keller untergebracht, wenn es draußen kalt wird. Nicht so die Heidelbeeren! Sie sollten unbedingt draußen überwintert werden. Schnee und Regen vertragen sie auch - im Winter brauchen die Pflanzen etwas Wasser. Der oberirdische Teil ist völlig frostfest. Nur die Wurzel sollte bei strengen Minusgraden geschützt werden, zum Beispiel indem die Kübel mit Luftpolsterfolie umwickelt oder im Boden versenkt werden. Für eine reiche Ernte ist es förderlich, die alten Triebe im Winter vorsichtig zurückzuschneiden.

Pflückreif zwischen Juli und September

Bis Heidelbeersträucher aus dem Gartencenter den vollen Ertrag bringen, dauert es ein wenig: Vier bis fünf Jahre sollten eingeplant werden. Die ersten Früchte bilden sich aber schon nach ein bis zwei Jahren. Ab Ende Juli reifen die Beeren. Sie lassen sich problemlos zu Marmelade oder beim Backen verarbeiten, gekühlt mehrere Wochen lagern und auch einfrieren. Damit Vögel Ihnen nicht die appetitlichen Früchte wegnaschen, können Sie einen Vogelschreck aus glitzernder Alu-Folie basteln.  Stimmen die Bedingungen, währt die Freude an den Heidelbeersträuchern lang: Sie werden zwischen 20 und 25 Jahre alt.

Im Überblick:
Standort Sonne bis Halbschatten
Boden mager, sauer
Erntezeit Ende Juli bis Mitte September
Winterhart ja
Schädlinge Blattläuse, Schildläuse, Raupen, Kirschessigfliege, Pilze

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 21. August 2016 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. August 2016, 08:30 Uhr