Harmloser Spuk in Bäumen und Sträuchern Gespinstmotten: Was hinter den wimmelnden Raupen-Nestern steckt

Wenn Bäume und Sträucher innerhalb kürzester Zeit von Gespinsten bedeckt sind, stecken meist harmlose Falter dahinter: Gespinstmotten. Sie sollten nicht mit den Raupen des Eichenprozessionsspinners verwechselt werden.

Raupen der Gespinstmotte an Pfaffenhütchen-Strauch
Die Raupen der Gespinstmotten sind unbehaart und mögen es gesellig. Diese haben sich in einem Pfaffenhütchen-Strauch eingesponnen. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Warum hängen im Frühsommer Gespinste in Bäumen und Sträuchern?

Gespinste mit wimmelnden Raupen in Sträuchern sind meist kein Grund zur Sorge. Hinter dem Phänomen steckten Gespinstmotten, die zu verschiedenen Insekten-Arten gehören. Die Gespinste mit den haarlosen Raupen sehen gewöhnungsbedürftig aus. Sie sind aber laut Umweltamt der Stadt Erfurt für Menschen ungefährlich.

Raupen der Gespinstmotte an fast kahl gefressenem Strauch
Die Raupen können ganze Sträucher kahl fressen. Meist erholen sich die Pflanzen von diesem Stress jedoch wieder. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Der Naturschutzbund (Nabu) rät daher davon ab, die Raupen mit Gift zu bekämpfen. Durch Pflanzenschutzmittel würden auch die natürlichen Gegenspieler der Raupen getötet. Wer die Tierchen in seinem Garten entdeckt, sollte sie lieber frühzeitig absammeln.

Von Gespinstmotten befallene Pflanzen erholen sich wieder

Haben die Gespinstmotten-Raupen sich erst einmal massenhaft ausgebreitet, hilft Geduld. Befallene Pflanzen erholen sich nach Angaben des Erfurter Umweltamtes wieder von der Fraß-Attacke. Sie treiben in der Regel ein zweites Mal aus. Die unbehaarten Raupen dienen demnach vor allem Vögeln als Nahrung. Sie selbst knabbern an Gräsern, Blättern, Knospen oder Nadeln und verpuppen sich dann in den Gespinsten. Bevorzugt werden laut Nabu Traubenkirsche, Pfaffenhütchen oder Schlehen. Dabei können ganze Sträucher oder auch Bäume eingesponnen werden. Ein milder Winter und ein eher trockenes, warmes Frühjahr sind ideale Voraussetzungen für eine Massenvermehrung, so der Nabu.

Von Gespinsten bedeckter, kahler Pfaffenhütchen-Strauch
Treten die Raupen in Massen auf, können Sträucher und Bäume komplett eingesponnen werden. Hier hat es ein Pfaffenhütchen erwischt. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Haare der Eichensprozessionsspinner-Raupen lösen Allergien aus

Gefährlich für Bäume und Menschen sind dagegen die Raupen des Eichenprozessionsspinners. Sie befallen ausschließlich Eichen und sind mit Brennhärchen bedeckt, die durch den Wind verteilt werden können. In den Gespinstnestern, wo sich oft mehrere Hundert Raupen versammeln, bleiben diese Haare sehr lange hängen. Sie gelten als gesundheitsgefährdend, weil sie starke allergische Reaktionen hervorrufen - mit Hautjucken und Atemnot bis hin zum allergischen Schock. Die Raupen und Gespinste des Eichenprozessionsspinners sollten daher nur von Experten in Schutzkleidung entsorgt werden.

Eichen können von den Wärme und Trockenheit liebenden Tieren überdies komplett entlaubt werden. Von einem Kahlfraß können sich die Bäume zwar erholen, werden aber dadurch anfälliger für andere Schädlinge.

Gespinstmotte und Eichenprozessionsspinner unterscheiden

  • Die Raupen der Gespinstmotten sind unbehaart.
  • Sie befallen verschiedene Baum- und Straucharten.
  • Manchmal spinnen sie ganze Büsche oder Bäume ein.

  • Die Raupen des Eichenprozessionsspinners sind behaart, die feinen Brennhärchen lösen allergische Reaktionen aus.
  • Sie befallen nur Eichen.

Quelle: MDR Garten/Nabu (uka)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 25. Mai 2022 | 15:30 Uhr