Tiere im Garten Schwarzblauer Ölkäfer - Käfer des Jahres 2020

Meloe proscarabeus, andere Namen: Maiwurm, Pisskäfer, Pflasterkäfer

Der schwarzblaue Ölkäfer ist ein seltenes Insekt mit einem ungewöhnlichem Leben. Sein Körpergift Cantharidin wurde früher als Heilmittel aber auch für Giftmorde genutzt.

Schwarzblauer Ölkäfer
Der schwarzblaue Ölkäfer bevorzugt offene, sandige Stellen. Bildrechte: imago images/blickwinkel

Schwarz-blau-metallig glänzende, bis zu fünf Zentimeter lange Krabbeltiere winden sich im Frühjahr schwerfällig über Wege und durch Gärten. Besonders gern tummeln sie sich an sandigen, offenen Stellen. Erst der genaue Blick zeigt, dass hier ein Käfer krabbelt. Allerdings einer mit sehr kurzen Flügeln, der Hinterleib ist nackig und nicht wie bei den meisten anderen Käfern mit Flügeln bedeckt. Ölkäfer werden auch Maiwürmer genannt.

Entwicklung und Lebensweise

Ölkäfer brauchen zwei Jahre zur Entwicklung, nur einen einzigen Monat davon leben sie als Käfer. Wer ein Käfer wird, ist Glückssache. Denn bei der Lebensweise der Ölkäfer ist viel Zufall im Spiel. Damit sich genügend Larven entwickeln können, müssen die Weibchen große Mengen Eier produzieren, denn nur aus einem von tausend Eiern wird tatsächlich ein Käfer. Die Weibchen tragen die Eier im auffällig ausladenden Hinterleib und verbuddeln sie in kleinen Häufchen in der Erde. Dort bleiben die Eier ein Jahr.

Schwarzblauer Ölkäfer 2 min
Bildrechte: imago images / Karina Hessland

Aus den Eiern entwickeln sich Larven, die im folgenden Frühling auf Frühblüher klettern. Dort warten sie, bis pollensammelnde Insekten vorbeikommen, speziell haben sie es auf eine bestimmte Wildbienenart abgesehen. An dieser klammert die Larve sich fest und lässt sich ins Nest tragen. Dort bleibt sie die nächsten Larvenstadien über und frisst die Vorräte der Biene. Schließlich überwintert sie im Boden. Im Frühjahr schlüpft der Käfer. Und der frisst mit Vorliebe frisches Grün.

Der Stoff Cantharidin

Der schwarzblaue Ölkäfer ist ein wehrhaftes Tier. Fühlt er sich gestört, sondert er aus Poren in den Kniekehlen ein Sekret ab, welches den Wirkstoff Cantharidin enthält. Cantharidin wurde früher als Heilmittel eingesetzt. Dabei ist das Sekret giftig. Kommt es mit der Haut in Kontakt, bilden sich Blasen, Augen fangen an zu Brennen und Tränen, wird ein Käfer gar verschluckt, gibt es schwere Nebenwirkungen. Der Giftnotruf Erfurt empfiehlt, die Stellen mit Wasser zu spülen, bei starken Symptomen den Giftnotruf zu kontaktieren oder sogar gleich den Rettungswagen zu rufen.

Das Reizgift Cantharidin im Körper der Käfer wurde gegen eine Fülle von Krankheiten verwendet - bereits 1550 vor Christus wird im altägyptischen Papyrus EBERS das wahrscheinlich älteste Ölkäferpflaster beschrieben, welches wehenerzeugend wirken sollte.

Prof. Dr. Thomas Schmitt, Direktor des Senckenberg Deutschen Entomologischen Instituts in Müncheberg

In geringen Mengen soll Cantharidin die Potenz steigern. In Honig gerührt wurde es als Liebestrank verabreicht. Allerdings ging das wohl oftmals schief. Schon ein einziger Käfer kann für einen Menschen tödlich sein, da war eine Überdosis nicht selten. Im antiken Griechenland wurde der Käfer für Hinrichtungen eingesetzt, auch Mörder nutzten manchmal die tödliche Kraft des Käfers.

Aber auch in der Natur dient die Kraft des Cantharidins nicht nur dem Ölkäfer selber. Andere Käfer nehmen geringe Dosen des Giftes auf und sind so gegen Fressfeinde geschützt.

Trotz seines mächtigen Giftes und der vielen Eier, die die Weibchen legen, ist der schwarzblaue Ölkäfer eine gefährdete Art. In diesem Jahr wurde er zum "Käfer des Jahres 2020" gewählt.

Quelle: NABU; Bundesamt für Naturschutz

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 29. März 2020 | 08:30 Uhr