Was bringen Mittel zur Pflanzenstärkung? Pflanzenstärkungsmittel: Wann sie sinnvoll sind und wie sie gemacht werden

Brennnesseln, Giersch und Ackerschachtelhalm werden zu stärkender Jauche oder Sud für Pflanzen verarbeitet. Doch wann bringen diese Pflanzenstärkungsmittel etwas? Wozu sie gedacht sind - und was sie von Pflanzenschutzmittel unterscheidet, erfahren Sie hier.

Verschiedene Mittel aus dem Gartenmarkt zum Düngen, zum Pflanzenschutz und zur Pflanzenstärkung
Im Garten- oder Baumarkt wartet eine Fülle von Produkten. Wichtig ist, die Unterschiede zu kennen: Während Dünger und Pflanzenstärkungsmittel frei verkäuflich sind, werden Pflanzenschutzmittel nur bei einer fachlichen Beratung von geschulten Mitarbeitern abgegeben. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Pflanzenstärkungsmitteln mit natürlichen Inhaltsstoffen stehen mittlerweile in jedem Baumarkt. Oft enthalten sie Brennnesseln oder Ackerschachtelhalm. "Sie machen Pflanzen widerstandsfähig gegen Frost, Trockenheit, Krankheiten und Schädlinge", erklärt Martin Krumbein vom Lehr- und Versuchszentrum Gartenbau in Erfurt. Er warnt jedoch davor, zu viele Hoffnungen in die Mittel zu setzen.

Wenn die Bedingungen für die Pflanzen nicht passen, bringen Pflanzenstärkungsmittel nichts.

Martin Krumbein, Fachbereichsleiter Gemüsebau beim Lehr- und Versuchszentrum Gartenbau

Pflanzenstärkungsmittel wirken vorbeugend

Kleingärtner Jörg Heiß entfernt Blätter mit Mehltau von Zucchinipflanze
Hat die Zucchini schon Mehltau, hilft nur das Abschneiden der befallenen Blätter - oder ein Pflanzenschutzmittel. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Mit Pflanzenstärkungsmitteln lässt sich demnach keine Rose oder Zucchini retten, die schon Mehltau hat. Die befallenen Blätter müssen abgeschnitten und entsorgt werden. Auch die Bedingungen für die Pflanzen sollten überprüft werden. Ist der Standort im Garten geeignet? Wachsen die Pflanzen vielleicht zu dicht nebeneinander? Haben sie zu wenig geeigneten Dünger erhalten - oder sogar zu viele Nährstoffe? Manchmal ist auch das Wetter ungünstig oder mehrere Probleme kommen zusammen.

Wer vorbeugend für kräftige Pflanzen sorgen möchte, kann dennoch Pflanzenstärkungsmittel verwenden. Ihr Einsatz lohnt sich vor allem dort, wo die Pflanzen noch wachsen - und die Ernte erst in einigen Wochen bevorsteht. Stärkungsmittel helfen, wenn es Probleme mit dem Pflanzenwuchs gibt, obwohl sorgfältig für die Gewächse gesorgt wird.

Wo Düngen, Hacken und Mulchen nichts mehr weiter bringen, kann man Pflanzenstärkungsmittel nutzen.

Martin Krumbein, Fachbereichsleiter Gemüsebau beim Lehr- und Versuchszentrum Gartenbau

Pflanzenstärkungsmittel selbst machen

Giersch, Brennnesseln oder Ackerschachtelhalm finden sich in vielen Gärten. Diese Wildkräuter eignen sich für die eigene Herstellung von Jauche oder Sud. Das spart Geld - und Plastikmüll, da alles zum Ansetzen der Mittel in den meisten Gärten vorhanden ist. Die fertigen Mittel enthalten Pflanzennährstoffe und stärken zugleich die Pflanzen.

Blatt und Blüte des Wildkrautes Giersch
Bei Giersch werden nur die Blätter für ein Pflanzenstärkungsmittel verwendet. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Wildkräuter zu Pflanzenstärkungsmitteln verarbeiten Üblich ist, ein Kilogramm Pflanzenmaterial mit zehn Litern Wasser aufzuschütten und ziehen zu lassen. Aber ganz so genau muss man die Dosierung nicht nehmen.

Kaltwasserauszüge:
Pflanzenteile in kaltem Regenwasser zwölf bis 24 Stunden ziehen lassen.

Tees/Sud:
Pflanzen mit heißem Wasser übergießen und ziehen lassen. Den abgekühlten Sud verdünnen und die Pflanzen damit gießen.

Jauche:
Pflanzenteile in Regenwasser drei bis 14 Tage ansetzen. Je nach Temperatur entwickelt sich die Jauche. Je wärmer es ist, desto schneller kann die Jauche eingesetzt werden. Geruchsbildung kann mit Gesteinsmehl unterbunden werden.

Ist die Jauche fertig, muss sie vor dem Gießen noch verdünnt werden. Auch dabei kommt es nicht genau auf die Dosierung an (1:10 bis 1:5). Bei jungen Pflanzen sollte das Verhältnis allerdings eher bei 1:20 liegen.

Dünger, Stärkungsmittel und Pflanzenschutzmittel unterscheiden

Pflanzenstärkungsmittel aus dem Handel enthalten weder nennenswerte Mengen an Nährstoffen, noch heilen sie Krankheiten. Sie wirken - in Kombination mit dem passenden Dünger - vorbeugend gegen Schädlinge und Krankheiten.

Siegel auf Packung eines Pflanzenschutzmittels gegen Pilze
Pflanzenschutzmittel sind an dem Prüfsiegel zu erkennen, das auf der Verpackung aufgedruckt sein muss. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Dünger versorgen Pflanzen mit den wichtigsten Nährstoffen. Dazu zählen Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K). Sind im Dünger alle drei Elemente enthalten, werden sie als NPK- oder Volldünger bezeichnet. Unterschieden wird zwischen festen und flüssigen, mineralischen (anorganischen) und organischen Düngemitteln. Nicht jeder Dünger eignet sich für Gemüse. Die Mittel sollten nach der Anleitung auf der Verpackung verwendet werden, um die Pflanzen nicht hungern zu lassen, aber auch nicht zu überdüngen. Auf Düngemitteln muss die genaue Zusammensetzung der Pflanzennährstoffe vermerkt sein.

Gärtner Martin Krumbein hockt an einem Gemüsebeet mit Salaten
Martin Krumbein ist Experte für den Anbau von Gemüse. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Pflanzenschutzmittel wirken gegen Schädlinge und vertreiben Pilzkrankheiten. Sie kommen zum Einsatz, wenn es schon zu spät ist, sie sollen befallene Pflanzen heilen. Hobby- und Kleingärtner dürfen nur Pflanzenschutzmittel verwenden, die eine besondere Zulassung für den privaten Gebrauch haben. Sie müssen ein Prüfsiegel und den Aufdruck  "Anwendung durch nichtberufliche Anwender zulässig" tragen. Die Mittel stehen nicht einfach in den Regalen neben dem Dünger, sondern werden im Bau- oder Gartenmarkt durch geschulte Mitarbeiter ausgegeben. Wer mit Pflanzenschutzmitteln handelt, ist gesetzlich zur Beratung verpflichtet. Was bei den Düngern wichtig ist, gilt für Pflanzenschutzmittel erst recht: Sie dürfen im Garten nur gemäß der Gebrauchsanleitung eingesetzt werden.

Zu dicht mit Zucchini und Kürbis bepflanztes Hochbeet
In diesem Hochbeet herrscht Überfüllung - erste Pflanzen im Inneren haben schon Mehltau bekommen. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Mehltau verhindern: Warum Sie das Hochbeet nicht zu voll pflanzen sollten Die Verlockung ist groß: Von den winzigen Zucchini-Pflanzen aus dem Gartenmarkt passen doch locker fünf bis sechs ins Hochbeet! Doch wer im Frühling zu dicht pflanzt, bekommt im Sommer oftmals die Rechnung - in Form von Krankheiten und Schädlingen. Denn in dem dichten Blätter-Wirrwarr im Hochbeet können Bedingungen wie in einem Dschungel herrschen. Halten Sie daher immer die angegebenen Pflanzabstände ein oder setzen Sie auf eine Mischkultur, zum Beispiel mit Kräutern.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 19. Juli 2020 | 08:30 Uhr