Seit 2017 in Leipzig zu Hause Die „ZEIT im Osten“ schreibt über ostdeutschen Alltag

Seit gut zehn Jahren gibt es in der Wochenzeitung ZEIT die „ZEIT im Osten“. Der Regionalteil für Ostdeutschland will nicht nur für die Menschen zwischen Ostsee und Erzgebirge da sein, sondern auch ostdeutsche Themen und damit die Sichtbarkeit des Ostens im gesamten Blatt erhöhen. Zuerst war die dreiköpfige Redaktion in Dresden zu Hause. Seit 2017 sitzt sie in Leipzig.

„Wir wollen mit der ZEIT im Osten ein klares Versäumnis abstellen“, sagt Martin Machowecz im Interview mit MDR MEDIEN360G. Der gebürtige Meißener leitet seit 2017 das Büro in Leipzig-Plagwitz und war auch schon in Dresden mit an Bord. Nach Wende und Wiedervereinigung habe nämlich auch die ZEIT zwanzig Jahre gemacht, was fast alle der großen überregionalen Medien in der Bundesrepublik praktizierten: Der Osten kam nicht vor, „es sei denn, etwas Schlimmes war passiert“, so Machowecz.

Viele Geschichten wurden nicht erzählt

DIE ZEIT sitzt wie das Nachrichtenmagazin Spiegel in Hamburg. Vom Norden aus ging der Blick stets gen Westen und Süden, sagt Machowecz. Der Lebensalltag der Menschen in den neuen Länder wurde weitestgehend ausgeblendet. Die Geschichten über große Schwierigkeiten unmittelbar nach der Wende, aber auch die Erfolgsgeschichten der letzten Jahre blieben unerzählt.

Seit 2009 versucht DIE ZEIT nun gegenzusteuern - mit dem Regionalteil ZEIT im Osten. So etwas gibt es sonst nur für die ZEIT-Heimatregion Hamburg und für die Auslandsauflagen in Österreich und der Schweiz. Zunächst war ZEIT im Osten stark auf Sachsen ausgerichtet und hieß bis 2009 auch ZEIT für Sachsen. Dann erfolgte die Umbenennung auf den bis heute gültigen Namen.

Themen in der gesamten Zeitung unterbringen

Auch wenn die Redaktion immer noch in Sachsen sitzt, versteht sich das Team aber ausdrücklich als zuständig für alle Länder der ehemaligen DDR. „Es geht aber nicht nur im früher“, sagt Machowecz. Auch ist das Angebot nicht nur für Menschen gedacht, die in den neuen Ländern wohnen, obwohl die drei zusätzlichen Seiten pro Woche nur in den ZEIT-Ausgaben für Ostdeutschland erscheinen. „Unsere zweite, wichtige Aufgabe ist es, unsere Themen im Gesamtangebot der ZEIT unterzubringen." Dazu gibt es Serien wie Erklär mir den Osten, in denen es von der Frage „Wem gehört die ostdeutsche Geschichte“ bis zum Anteil von Familienunternehmen am wirtschaftlichen Aufschwung im Osten geht („Mit Backmischungen und Bandagen zum Erfolg“).

Heute sitzt die Redaktion in Leipzig

Es geht um das gegenseitige „Mehr voneinander Wissen“. Dass die Redaktion nun in Leipzig sitzt, sei da nur konsequent, sagte Patrick Schwartz, der in Hamburg als geschäftsführender Redakteur der ZEIT für ZEIT im Osten auf Verlagsseite verantwortlich ist. „Leipzig als Ost-West-Stadt passt zum Spirit der ZEIT im Osten“, kommentierte Schwartz vor drei Jahren den Umzug von der Elbe an die Pleiße.

Auch zum 30. Jahrestag des Mauerfalls hat DIE ZEIT den Blick auf die jeweils andere Seite in petto. Zum Zeitpunkt des Interviews kam Machowecz gerade von einer mehrtägigen Recherche aus Bochum zurück. Die Stadt mitten im Ruhrgebiet ist die Heimat von ZEIT-Dossier-Chef Henning Sußebach. Sußebach war derweil auf Machowecz’ Spuren in Meißen unterwegs.

In der „West-Auflage“ fehlt ZEIT im Osten

Nach Verlagsdarstellung richtet sich ZEIT im Osten vor allem an Menschen mit hohem Einkommen und Bildungsstand. In den Genuss des Regionalteils kommen aber nur Leserinnen und Leser in den neuen Ländern. In der „West-Auflage“ fehlt ZEIT im Osten. Die Auflage der ZEIT liegt in Ostdeutschland aktuell bei 32.500 Exemplaren - das sind weniger als zehn Prozent der Gesamtauflage - pro Woche verkauft sich DIE ZEIT 456.000 mal. Dennoch gibt es kein vergleichbares Angebot anderer überregionaler Titel. Sie unterhalten in Ostdeutschland „nur“ Außenbüros, die teilweise lediglich mit einer Person besetzt sind.

Weitere Infos zum Autoren Steffen Grimberg

Steffen Grimberg, Jahrgang 1968, stammt aus dem Ruhrgebiet und volontierte 1991 bei der aus dem Erfurter SED-Bezirksorgan Das Volk hervorgegangenen Thüringer Allgemeine. Schon zu DDR-Zeiten war für ihn Leipzig die spannendste Stadt in Ostdeutschland, weshalb er nach Stationen in Köln, Berlin und Hamburg 2016 beim MDR anheuerte.