Medien bleiben Medien Was die alten Römer und das Internet verbindet

Dass die neuen Medien unsere Kommunikation verändern, ist ein alter Hut. MDR MEDIEN360G würde es ohne das Internet nicht geben.

Portrait von Prof. Dr. Bernhard Pörksen 10 min
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MDR FERNSEHEN Mi 18.12.2019 17:13Uhr 09:40 min

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Die neuen technischen Möglichkeiten verändern die Art und Weise, wie wir Medien nutzen. Waren Medien früher oft eine Einbahnstraße von den ganz im wörtlichen Sinne sendenden Medien wie Radio oder Fernsehen, können heute alle mitkommunizieren. Ein bisschen technische Ausrüstung und ein wenig Anwendungs-Know-how reichen. Das ist die wohl die wesentlichste Veränderung der letzten Jahre.

"Alte Medien" verschwinden nicht

Wann immer es in der Geschichte der Medien zu großen Veränderungen kam, wurde die Lage erst einmal unübersichtlich. Dieses Durcheinander begann längst nicht erst mit der Digitalisierung oder dem Internet. Denn wenn immer sich etwas Neues in der Welt der Medien tut, bedeutet das nicht, das die bisher genutzten, „alten“ Medien verschwinden. Im Gegenteil: Sie fühlen sich herausgefordert und mischen kräftig mit. Tatsächlich hat noch kein „neues“ Medium ein „altes“ völlig verdrängt oder abgelöst: Film, Fernsehen und das Radio nicht das Buch oder die gedruckte Zeitung. Die CD nicht die Langspielplatte aus Vinyl. Und nicht mal WhatsApp & Co. den handgeschriebenen Brief oder die Postkarte.

Das "Riepl'sche Gesetz" ist über 100 Jahre alt

Schon 1913 hat das der damalige Chefredakteur der Zeitung „Nürnberger Nachrichten“, ein Mensch namens Wolfgang Riepl (1864-1938), in seiner Doktorarbeit formuliert. Kein funktionierendes Instrument zum Informations- und Gedankenaustausch wird von anderen Möglichkeiten, die demselben Zweck dienen und die später dazukommen, vollkommen ersetzt oder verdrängt. Die „alten“ Medien verändern sich bloß. Auch Riepl hat das übrigens nicht an einem Beispiel nachgewiesen, das vor über 100 Jahren, als er seine Arbeit schrieb, brandneu gewesen wäre. Seine Dissertation hat vielmehr den schönen Titel: „Das Nachrichtenwesen des Altertums mit besonderer Rücksicht auf die Römer“.

Es gibt immer noch Telegramme bei der Deutschen Post

Daraus entstand später das „Riepl'sche Gesetz“ der Medien. Es bedeutet natürlich nicht, dass es zum Beispiel bis zum Sanktnimmerleinstag gedruckte Zeitungen geben muss. Oder dass das Telegramm - jawohl, so etwas gibt es auch noch bei der Deutschen Post - eines Tages nicht doch abgeschafft wird. Die Funktion dieser Medien wird aber nicht verschwinden, sondern geht in anderen auf. Diese heißen dann vielleicht anders, erfüllen aber dieselbe Funktion.

Unschöne Begleiterscheinungen verstellen den Blick

Portrait von Prof. Dr. Tobias Rothmund 2 min
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Auszug aus dem Gespräch mit...

Wir befragen Prof. Dr. Tobias Rothmund im Interview, was unter Polarisierung und Fragmentierung öffentlicher Kommunikation zu verstehen ist und wie der aktuelle Stand der Forschung zu diesem Thema ist.

MDR FERNSEHEN Mo 23.12.2019 10:16Uhr 01:34 min

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Soweit könnte man sich jetzt beruhigt wieder hinlegen, wenn nicht die ganze Unübersichtlichkeit wäre: Hass im Netz, Desinformation und Trollwesen. Alte weiße Männer und ihre schrägen Untergangsfantasien. Filterblasen und Echokammern, die unsere Demokratie gefährden. Ja, die Lage ist komplex. Für Hysterie besteht aber kein Anlass. Nicht mal für wohliges Gruseln. Natürlich verleiten Umbruchzeiten immer zu einer leicht alarmistischen und in der aktuellen Debatte vielleicht auch zu pessimistischen Stimmung.

Als das Fernsehen kam, ging schon mal die Welt unter

Vielleicht sollten wir uns an die Anfangszeiten des Fernsehens erinnern, als auch die gewohnte Welt aus den Fugen zu geraten schien. Bei aller aktuellen Aufgeregtheit lässt sich immer noch Trost aus dieser über 60 Jahre alten Passage aus der New York Times finden, in der es auch um ein neues, gefährliches Medium ging: „A health director (…) reported this week that a small mouse, which presumably had been watching television, attacked a little girl and her full-grown cat. (. . .) Both mouse and cat survived, and the incident is recorded here as a reminder that things seem to be changing.“ (James Reston: The Week In Review, in: New York Times [7.7.1957], S. 118) 

("Ein Beamter des Gesundheitsministerium teilte diese Woche mit, dass eine kleine Maus, die wohl fern gesehen hatte, ein kleines Mädchen und dessen ausgewachsene Katze angegriffen hat. (…) Katze wie Maus haben überlebt, und der Vorfall wird als Hinweis verzeichnet, dass sich die Dinge verändern“.)