Ein Böller wird in der Hand angezündet
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MDRfragt Knappe Mehrheit lehnt Böllerverbot ab

28. Dezember 2023, 12:00 Uhr

53 Prozent der MDRfragt-Teilnehmenden sprechen sich gegen ein Verbot für privat gezündete Feuerwerkskörper an Silvester aus. Wer das Böllerverbot hingegen fordert, nennt hierfür vor allem die Lärmbelästigung für Tiere sowie die Brand- und Verletzungsgefahr als Gründe. Das zeigt eine nicht repräsentative, aber gewichtete Befragung von MDRfragt unter mehr als 27.000 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

MDR-Redakteurin Anna Siebenhaar
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Claudia Reiser mit den Ergebnissen 5 min
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Do 28.12.2023 13:09Uhr 04:39 min

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Während die einen Silvester-Raketen und Böller lieben und das Spektakel zum Jahreswechsel genießen, sehen andere darin eine Gesundheitsgefahr oder Umweltbelastung. Mit diesen und ähnlichen Argumenten wird von verschiedenen Seiten ein generelles Böllerverbot gefordert. Das ginge weit über die bereits praktizierten Böller-Verbotszonen hinaus: Feuerwerk rund um Altenheime, Krankenhäuser und Kirchen ist vielerorts tabu. Auch in den besonders brandgefährdeten historischen Innenstädten, etwa in Quedlinburg oder Wernigerode, gibt es diese Böllerverbotszonen.

Bei den MDRfragt-Teilnehmerinnen und -Teilnehmern ist die Meinung zu einem grundsätzlichen Böllerverbot durchaus gespalten. Während 53 Prozent dieses ablehnen, sprechen sich 45 Prozent dafür aus, das private Zünden von Feuerwerkskörpern zu verbieten.

Böllerverbot
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Dabei variiert das Simmungsbild je nach Geschlecht der Befragten deutlich. Während sich 59 Prozent der männlichen Befragungsteilnehmer gegen ein Böllerverbot aussprechen, sind es bei den Frauen mit 47 Prozent deutlich weniger.

Viele wollen das Böllern als Tradition erhalten

Diejenigen Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer, welche sich gegen ein Böllerverbot aussprechen, nennen hierfür in erster Linie die damit verbundene Tradition als Grund. Mehr als zwei Drittel haben dies angegeben. Darüber hinaus spricht sich mehr als ein Drittel prinzipiell gegen Verbote aus. Ebenfalls mehr als einem Drittel bereiten Feuerwerkskörper und Böller schlichtweg Freude.

Gründe gegen Böllerverbot
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In den Kommentaren wird deutlich, dass nicht alle, die sich gegen das Böllerverbot aussprechen, selbst Feuerwerkskörper zünden. So schreibt beispielsweise MDRfragt-Mitglied Jannes (24) aus Magdeburg: "Ich persönlich muss kein Feuerwerk entzünden und möchte dafür auch kein Geld ausgeben. Gleichzeitig freue ich mich jedoch, die Raketen der anderen Leute am Himmel zu beobachten. Für ein Feuerwerksverbot sehe ich keine Notwendigkeit." Auch Hartmut (65) aus dem Wartburgkreis findet das Böllern zwar selbst nicht wichtig, merkt jedoch zugleich an, dass es anderen "aus Tradition wichtig ist" und fordert daher, dass letztendlich jeder für sich selbst entscheiden soll.

Was diese Tradition am Ende ausmacht, beschreibt Diana (25) aus dem Landkreis Zwickau. Sie kann ihre Sorgen am Silvester-Abend einfach mal vergessen und findet, "man kann endlich loslassen" und hat das Gefühl, "aller Schrott fliegt mit in den Himmel." Ähnlich sieht es Renate (65) aus Magdeburg. Sie erzählt: "Auf fröhliche Art erinnern wir uns an den alten Brauch, durch Knall und Rauch die alten und bösen Geister zu vertreiben." Für sie bedeutet es heute "durch Licht und Lärm das Alte und Belastende hinter einem zu lassen und dem Neuen Raum zu geben."

Für Enrico (36) aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge spielen vor allem die Kinder eine zentrale Rolle. Er schreibt: "Ich liebe es, den Kindern stets ein fröhliches Jauchzen zu entlocken, wenn wieder eine Rakete am Himmel zündet."

Auf fröhliche Art erinnern wir uns an den alten Brauch, durch Knall und Rauch die alten und bösen Geister zu vertreiben.

MDRfragt-Mitglied Renate (65) aus Magdeburg


MDRfragt-Mitglied Angus (29) aus dem Landkreis Nordsachsen hält ein Verbot aus ganz anderen Gründen für nicht zielführend. Er plädiert dafür, bei illegalen Feuerwerkskörpern die Strafen für deren "Besitz, Verkauf und die Verwendung " signifikant zu erhöhen. Aus seiner Sicht wäre es "deutlich unattraktiver etwas zu zünden, wenn man dafür 120 Stunden Kaugummi vom Gehweg kratzen müsste". Robby (45) aus dem Landkreis Leipzig lehnt vor allem das ersatzlose Verbot privat gezündeter Feuerwerkskörper ab. Für ihn wäre es jedoch in Ordnung, "wenn bestimmte Städte oder Stadtteile wegen tatsächlicher Brandgefahr keine privaten Feuerwerke erlauben und dafür an geeigneter Stelle ein gewerbliches durchführen."

Exactly Böllern 30 min
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Böllerverbot – ja oder nein? exactly fragt, was für und was gegen privates Silvester-Feuerwerk spricht, trifft Pyro-Fans, die 2.000 Euro ausgeben und Männer, die bei Böller-Unfällen schwer verletzt wurden.

exactly Mi 06.09.2023 20:45Uhr 29:38 min

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70 Prozent halten Silvester-Feuerwerk für unwichtig

Auch wenn die meisten Gegner eines Böllerverbotes hierfür vor allem die Tradition als Grund nennen, zeigt sich insgesamt ein anderes Stimmungsbild. So halten 70 Prozent aller Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer das Feuerwerk und die Silvesterknaller für keine wichtige Tradition zum Jahreswechsel – 30 Prozent hingegen schon.

Silvester-Feuerwerk als Tradition
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Lärmbelastung für Tiere gilt am häufigsten als Grund für ein Böllerverbot

Der Großteil der MDRfragt-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer, die ein Böllerverbot begrüßen würden, begründet das mit der Lärmbelastung für Tiere. 84 Prozent sehen zudem die Brand- und Verletzungsgefahr kritisch. Darüber hinaus nennen etwa drei Viertel die Luftverschmutzung als Grund und 74 Prozent werten das Böllern als Geldverschwendung.

Gründe für Böllerverbot
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Viele MDRfragt-Mitglieder berichten in den Kommentaren von persönlichen Erfahrungen mit Feuerwerkskörpern und warum sie sich aufgrund dieser für ein Böllerverbot aussprechen.

Mario (44) aus dem Landkreis Gotha, dessen Haus aufgrund einer Silvester-Rakete beinahe in Flammen aufgegangen wäre, erzählt zum Beispiel: "Eine Rakete landete im Dachstuhl. Zum Glück waren wir daheim. Bei einem Bekannten ist vor einigen Jahren der Pferdestall wegen so einer Rakete in Flammen aufgegangen."

Auch Barbara (65) aus Dresden machte in den letzten Jahren negative Erfahrungen. Sie erinnert sich: "Früher bin ich mit Eltern, Verwandten und Freunden bis 23:00 Uhr spazieren gegangen. Später habe ich diese Tradition mit meinen Kindern fortgesetzt aber jetzt ist es unmöglich und sogar gefährlich, weil Feuerwerkskörper bewusst gegen Menschen geworfen werden".

Bei einem Bekannten ist vor einigen Jahren der Pferdestall wegen so einer Rakete in Flammen aufgegangen.

MDRfragt-Mitglied Mario (44) aus dem Landkreis Gotha

Auch Henning (39), ebenfalls aus Dresden, kritisiert, dass auf "Personen, die davor Angst haben, keine Rücksicht genommen wird". Aus seiner Sicht trifft das nicht zuletzt auf Bus- und Bahnfahrer zu, die sich davor nicht verstecken können.

Auch die durch Feuerwerkskörper erzeugte Luftverschmutzung wird von einigen MDRfragt-Mitgliedern in den Kommentaren beklagt. Auf die würde auch Mario (44) aus dem Landkreis Görlitz am liebsten verzichten und schreibt: "Mein perfekter Jahreswechsel würde so aussehen, dass ich von der Knallerei und den Böllern nicht genervt werde und nach einer kleinen Feier mit Freunden auf sauberen Straßen nach Hause komme und nicht über Müllberge steigen und verrußte Luft einatmen muss."

Die meisten bevorzugen ausschließlich professionell organisiertes Silvester-Feuerwerk

Egal ob für oder gegen ein Böllerverbot: Insgesamt 41 Prozent der Befragungsteilnehmerinnen und - teilnehmer bevorzugen für den Jahreswechsel ein ausschließlich professionell organisiertes Feuerwerk. Ein Drittel spricht sich hingegen dafür aus, dass neben dem professionell organisierten Feuerwerk auch das private Zünden von Raketen und Knallern erlaubt ist. Demgegenüber plädieren 12 Prozent dafür, dass es gar kein Feuerwerk an Silvester gibt und 9 bevorzugen wiederum ausschließlich das private Silvester-Feuerwerk zum Jahreswechsel.

Varianten für Silvester-Feuerwerk
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Einige MDRfragt-Mitglieder nennen noch ganz andere Alternativen zum traditionellen Silvester-Feuerwerk. Jens (57) aus dem Landkreis Zwickau bevorzugt beispielsweise ein professionell durchgeführtes "Drohnenlichterspiel". Das erfreue auch zum Jahreswechsel und belaste die Umwelt nicht. Zudem bräuchten sich die Tiere davor auch nicht ängstigen. Auch Jasmin (24) aus Dresden schlägt eine Drohnen- oder aber auch Lasershow als Alternative vor. Für diese spricht sich auch Rainer (77) aus dem Landkreis Zwickau aus. Er schreibt: "Das Feuerwerk hat sich generell überholt. Auch Traditionen können sich wandeln. Weniger umweltbelastend, weniger schreckhaft für Tiere, weniger gefährlich sind Lasershows."

Das Feuerwerk hat sich generell überholt. Auch Traditionen können sich wandeln.

MDRfragt-Mitglied Rainer (77) aus dem Landkreis Zwickau

Claudia (44) aus dem Landkreis Sömmerda bevorzugt hingegen ein traditionelles und professionell durchgeführte Silvester-Feuerwerk. Sie fände es schön, wenn dieses in jedem Ortsteil oder jeder Ortschaft durchgeführt werden könnte und würde "dafür auch gern einen kleinen Obolus bezahlen". Benjamin-Elias (24) aus Dresden stimmt dem zu und sieht darin einige Vorteile. Er schreibt: "Ein professionelles Feuerwerk, welches von der Gemeinde organisiert wird, wäre eine weitere Chance für die Begegnung in den Gemeinden und spart allen Beteiligten Geld." Zudem könne man sich vor Ort mit einbringen und womöglich den Weihnachtsmarkt verlängern.


Über diese Befragung Die Befragung vom 19.12. – 22.12.2023 stand unter der Überschrift:

Wie blicken Sie auf 2023 zurück? In dieser haben wir auch zum Böllerverbot befragt.

Insgesamt sind bei MDRfragt 65.960 Menschen aus Mitteldeutschland angemeldet
(Stand 22.12.2023, 12 Uhr).

27.019 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben online an dieser Befragung teilgenommen.

Verteilung nach Altersgruppen:
16 bis 29 Jahre: 189 Teilnehmende
30 bis 49 Jahre: 3.265 Teilnehmende
50 bis 64 Jahre: 11.175 Teilnehmende
65+: 12.390 Teilnehmende

Verteilung nach Bundesländern:
Sachsen: 13.789 (51 Prozent)
Sachsen-Anhalt: 6.594 (24 Prozent)
Thüringen: 6.636 (25 Prozent)

Verteilung nach Geschlecht:
Weiblich: 11.280 (42 Prozent)
Männlich: 15.678 (58 Prozent)
Divers: 61 (0,02 Prozent)

Die Ergebnisse der Befragung sind nicht repräsentativ. Wir haben sie allerdings in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Beirat nach den statistischen Merkmalen Bildung, Geschlecht und Alter gewichtet. Das heißt, dass wir die Daten der an der Befragung beteiligten MDRfragt-Mitglieder mit den Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgeglichen haben.

Aufgrund von Rundungen kann es vorkommen, dass die Prozentwerte bei einzelnen Fragen zusammengerechnet nicht exakt 100 ergeben.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 28. Dezember 2023 | 21:45 Uhr