Empfehlung zu Schutzmaßnahmen Corona-Experten skeptisch zu "Sommerwelle"

Die Zahl der Corona-Infektionen steigt stetig an. Der Vorsitzende der Sächsischen Impfommission (SIKO) Dr. Grünewald und Prof. Matthias Pletz vom Institut für Infektionsmedizin an der Uniklinik Jena befürchten vorerst keine Corona-Sommerwelle. Dabei raten sie zum Eigenschutz wie das Tragen einer Maske bei größeren Veranstaltungen, damit das so bleibt.

Leipziger Stadtfest mit Live-Programm und Musik auf dem Markt vor dem Alten Rathaus.
Die Menschen strömen wieder nach draußen – wie hier Anfang Juni zum Stadtfest in Leipzig. Bildrechte: IMAGO/foto-leipzig.de

Nachgefragt bei Corona-Experten aus Mitteldeutschland

Mitteldeutsche Corona-Experten beobachten zwar besorgt den jüngsten Anstieg von Neuinfektionen, glauben aber vorerst nicht an eine "Corona-Sommerwelle“. Vor einer solchen hatte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) gewarnt.

Der Vorsitzende der Sächsischen Impfkommission (SIKO), Dr. Thomas Grünewald, sieht die Lage "unaufgeregter". Er rechnet zwar fest mit weiter steigenden Fallzahlen. "Ob es dadurch zu einer echten Welle kommt, hängt dann aber vom Verhalten aller ab", sagte er dem MDR-Gesundheitsmagazin Hauptsache Gesund. Heißt: Wenn die Deutschen beim Sommerurlaub auf Nummer sicher gehen wollten, dann empfiehlt er weiter Masken zu tragen sowie die Einhaltung von Kontaktbeschränkungen. Auch Prof. Matthias Pletz vom Institut für Infektionsmedizin an der Uniklinik Jena befürchtet keine Sommerwelle: "Ich rechne nicht damit, dass die Zahl der in Anspruch genommenen Intensivbetten steigen wird."

Dr. med Thomas Grünewald Vorsitzender Sächsische Impfkommission
Dr. Thomas Grünewald ist Vorsitzender der Sächsischen Impfkommission. Bildrechte: MDR

Steigende Zahlen: Schuld ist Subtyp BA.5

Das RKI meldete heute Morgen 89.142 Neuinfektionen. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 480,0 nach 331,8 vor drei Tagen. Doch wo kommen plötzlich die hohen Infektionszahlen her? In den vergangenen beiden Jahren hat man gerade in den Sommermonaten viel niedrigere 7-Tage-Inzidenzen gesehen – teilweise im einstelligen Bereich. Das Problem in diesem Jahr heißt BA.5. Dieser Subtyp der Omikron-Variante ist hochansteckend und hat in den vergangenen Wochen schon in Portugal und Frankreich die Zahlen in die Höhe schnellen lassen.

"Neben den Lockerungen der letzten Wochen haben wir es mit einem deutlich leichter übertragbaren Erregertyp zu tun. Im Vergleich zu den Varianten der letzten beiden Sommer ist er deutlich immunevasiver, kann also vor unserem Immunsystem flüchten", so Dr. Grünewald weiter. "Vor allem diese Umstände dürften zu einer erhöhten Rate an Neuinfektionen führen."

Virus ist "besser" geworden

Laut Prof. Matthias Pletz vom Institut für Infektionsmedizin an der Uniklinik Jena gab es Mitte Mai den ersten bestätigten BA.5-Fall in Thüringen. Mittlerweile wissen die Mediziner, dass die Untervariante zum Teil die Immunität unterlaufen kann, die Menschen nach einer Impfung oder nach einer überstandenen Omikron BA.1-Infektion haben.

"Das Virus ist besser geworden“, betont Prof. Pletz gegenüber Hauptsache Gesund. Trotzdem glaubt er nicht an die vom Bundesgesundheitsminister befürchtete "Corona-Sommerwelle" mit massiven Auswirkungen für das deutsche Gesundheitssystem. Das legen die Zahlen aus Portugal nahe.

Matthias Pletz
Prof. Matthias Pletz lehrt am Institut für Infektionsmedizin an der Uniklinik Jena. Bildrechte: UKJ/Anna Schroll

T-Zell-Immunität sorgt für milde Verläufe

Grund für die geringere Hospitalisierungsrate von BA.5 ist laut Prof. Pletz unter anderem die sogenannte T-Zell-Immunität. Nach einer Impfung oder Infektion entwickeln Betroffene unter anderem diese T-Zellen, die vom Corona-Virus befallene Zellen erkennen und ausschalten können. Mittlerweile habe man gelernt, dass eine Immunität durch Impfung oder Genesung zwar nicht langfristig vor leichten Infektionen schütze. Aber: "Die T-Zell-Immunität ist sehr langanhaltend und weniger variantenanfällig. Dadurch wird nicht jede Infektion verhindert, aber man ist vor schweren Verläufen geschützt."

Die T-Zell-Immunität ist sehr langanhaltend und weniger variantenanfällig. Dadurch wird nicht jede Infektion verhindert, aber man ist vor schweren Verläufen geschützt.

Prof. Matthias Pletz, Institut für Infektionsmedizin an der Uniklinik Jena

Experten empfehlen Schutzmaßnahmen "mit Augenmaß"

Deshalb raten beide Experten mit Blick auf den vor uns liegenden Sommer unisono zu Schutzmaßnahmen "mit Augenmaß". "Eine stufenweise Implementierung von Hygienemaßnahmen sollte abhängig von Krankenhausbelegung, Belastung der Intensivstationen sowie nicht zuletzt auch der Rate an Arbeitsausfällen erfolgen", wünscht sich Dr. Grünewald. Und Prof. Pletz rät: "Im Biergarten sollte man ruhig entspannt zusammensitzen. Bei Großveranstaltungen in Innenräumen ist aber Vorsicht geboten."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 15. Juni 2022 | 10:00 Uhr

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