Fachkräftemangel Koalition will Einwanderung von Arbeitssuchenden erleichtern

23. Oktober 2022, 17:27 Uhr

Fachkräften aus dem Ausland soll es erleichtert werden nach Deutschland einzuwandern und zu arbeiten. Die Bundesregierung will deshalb an weiteren Eckpunkten für die Fachkräfteeinwanderung arbeiten, heißt es aus Regierungskreisen in Berlin. Mit der Chancenkarte soll es ein Punktesystem geben, wonach die Arbeitssuchenden nach Qualifikation, Sprachkenntnissen, Berufserfahrung und Deutschlandbezug eingestuft werden.

Arbeitssuchende aus dem Ausland sollen künftig leichter rechtmäßig nach Deutschland kommen können. Jobsuchenden "mit gutem Potenzial" soll ein Aufenthalt zur Suche eines Arbeitsplatzes ermöglicht werden, wie es in dem bekannt gewordenen Eckpunktepapier von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil zum geplanten Fachkräfteeinwanderungsgesetz heißt. Dafür solle "auf Grundlage eines transparenten unbürokratischen Punktesystems eine Chancenkarte zur Arbeitsplatzsuche" eingeführt werden.

Chancenkarte als Punktesystem

Die Chancenkarte berechtigt zur Arbeitssuche in Deutschland und soll auf ein Punktesystem aufgebaut sein. Zu den Auswahlkriterien sollen Qualifikation, Sprachkenntnisse, Berufserfahrung und Deutschlandbezug gehören. "Wer über eine als gleichwertig anerkannte Qualifikation verfügt, erhält sie ohne weitere Voraussetzungen", heißt es in den Eckpunkten, die bereits zwischen den federführenden Ressorts abgestimmt sind. Auf diesen Wegen soll auch Bürgerinnen und Bürgern aus Nicht-EU-Staaten mit gutem Potenzial ein Aufenthalt in Deutschland ermöglicht werden, die nicht bereits etwa als Fachkräfte anerkannt sind.

Als weitere Säule für die Arbeitsmigration ist vorgesehen, dass qualifizierten Menschen aus Drittstaaten auch ohne vorherige formale Anerkennung ihres Abschlusses die Erwerbszuwanderung nach Deutschland ermöglicht werden soll. Dafür sollten die Möglichkeiten eines Aufenthalts zur Ausübung einer Beschäftigung in nicht reglementierten Berufen ausgeweitet werden. "Voraussetzung ist eine mindestens zweijährige nachgewiesene Berufserfahrung in dem Beruf, der ausgeübt werden soll". 

Außenministerin Annalena Baerbock sagte, sie verbinde mit dem Wort "Fachkräfteeinwanderung" viele Gesichter von jungen, gut ausgebildeten Menschen, "die ich auf meinen Auslandsreisen getroffen habe". Für Fachkräfte, die Unterlagen zu ihrer Berufsqualifikation nicht oder nur teilweise vorlegen könnten, "schaffen wir eine Einreisemöglichkeit für die Qualifikationsanalyse, um ihre Kompetenzen in Deutschland prüfen zu können".

Auch befristete Einreise bei akutem Fachkräftemangel

Bei akutem Arbeitskräftemangel in bestimmten Bereichen wird darüber hinaus sogar eine "kontingentierte und befristete Einreise (...) unabhängig von der Qualifikation" erwogen. Dies solle eine Beschäftigung von bis zu sechs Monaten innerhalb von zwölf Monaten ermöglichen.

Laut einer vom Arbeitsministerium beauftragten Studie wächst die Fachkräftelücke zwischen Neubedarf und Angebot bis 2026 auf rund 240.000 Personen – vor allem aus demografischen Gründen. Sie fällt nach den neuesten Berechnungen aber weniger als halb so groß aus wie noch im vorigen Jahr für 2025 erwartet (540.000 Personen). Dies wird mit dem höheren Arbeitsangebot etwa durch Geflüchtete und dem geringeren Wirtschaftswachstum begründet.

dpa, reuters (kar)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Oktober 2022 | 15:30 Uhr

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