Bundestagswahl Sachsen-CDU: Wanderwitz nicht mehr Landesgruppenchef

Die CDU-Sachsen sucht nach der Wahlniederlage nach Schuldigen. Über die Verantwortung des Spitzenpersonals ist in der Partei eine Diskussion entbrannt. Spitzenkandidat Marco Wanderwitz ist nicht mehr Chef der CDU-Landesgruppe. Generalsekretär Dierks sieht die Ursachen der Niederlage aber auf Bundesebene.

Marco Wanderwitz
CDU-Spitzenkandidat Wanderwitz wird von Parteikollegen eine Mitverantwortung am schlechten Abschneiden seiner Partei in Sachsen zugeschrieben. (Archivbild) Bildrechte: dpa

In der sächsischen CDU ist die Diskussion über die Ursachen der schweren Niederlage bei der Bundestagswahl ausgebrochen. Marco Wanderwitz nahm bei der konstituierenden Sitzung der CDU-Landesgruppe am Montagabend seinen Chefposten nicht wieder auf.

Der im Wahlkreis Görlitz unterlegene Direktkandidat und CDU-Kreischef Florian Oest fand klare Worte: "Die Spitzenkandidaten Armin Laschet und Marco Wanderwitz waren eine schwere Belastung für den Wahlkampf", erklärte Oest am Montag in Görlitz. Das Konrad-Adenauer-Haus habe den Wahlkampf chaotisch organisiert. Oest selbst war am Sonntag in seinem Wahlkreis AfD-Bundeschef Tino Chrupalla unterlegen.

Wanderwitz, bisher Ostbeauftragter der Bundesregierung, war als Spitzenkandidat der CDU in Sachsen angetreten. Die Union fuhr mit Kanzlerkandidat Laschet eine schwere Niederlage ein, in Sachsen landete sie mit 17,2 Prozent nur noch auf dem dritten Platz. Stärkste Partei wurde die AfD.

Dissens über Schuldfrage bei sächsischer Union

Aus der Führungsspitze waren in Bezug auf die Schuldfrage am Montag unterschiedliche Signale zu vernehmen. Sachsens CDU-Generalsekretär Alexander Dierks bezeichnete den Wahlausgang für die Union als Debakel. Man müsse das Ergebnis mit großer Demut annehmen. Aus ihm lasse sich "in keiner Weise unmittelbar ein Auftrag zur Bildung einer Regierung ableiten". Die Wahl sei von einem bundespolitischen Trend und bundespolitischen Themen entschieden worden. "Ich sehe überhaupt nicht, dass es Konsequenzen auf Landesebene geben muss."

Ministerpräsident Kretschmer hingegen gab in der Leipziger Volkszeitung Wanderwitz indirekt eine Mitschuld. Wanderwitz hatte im Sommer die Meinung vertreten, Ostdeutsche hätten eine stärkere Neigung zur Wahl rechtsradikaler Parteien als Westdeutsche.

 "Das war sicher nicht hilfreich", sagte Kretschmer. Ein Wahlkampf habe ganz viele Komponenten. "Aber es haben sich Menschen von Herrn Wanderwitz stigmatisiert und angegriffen gefühlt. Das war mit Sicherheit nicht so gemeint, aber das gehört zu dieser Geschichte des Wahlkampfs mit dazu."

Carsten Körber zum Landesgruppenchef gewählt

Bei der Konstituierung der neuen sächsischen CDU-Landesgruppe im Bundestag übernahm am Montagabend der Zwickauer Carsten Körber das Amt des Landesgruppenchefs, das bisher Wanderwitz innehatte. Das sagte Generalsekretär Alexander Dierks. Nach MDR SACHSEN-Informationen haben alle Abgeordneten - auch Wanderwitz - für Körber gestimmt. Wanderwitz soll die Sitzung dann aber ohne Aussprache mit seinen Kritikern verlassen haben.

Carsten Körber (CDU) spricht in der Plenarsitzung des Deutschen Bundestages.
Carsten Körber (CDU-MdB, Archivbild) Bildrechte: dpa

Junge Union Sachsen fordert Laschet-Abgang und Opposition

Die Junge Union Sachsen und Niederschlesien forderte zudem Laschets Abgang. "Wir brauchen einen echten Neuanfang. Dieser kann nur erfolgreich sein, wenn unser Bundesvorsitzender und Kanzlerkandidat Armin Laschet die Konsequenzen aus diesem Vertrauensverlust zieht und zurücktritt", sagte Landeschef Marcus Mündlein. Die Wähler hätten ein klares Signal gesendet, eine Regierung ohne die Union zu wollen. "Als Demokraten haben wir dies zu akzeptieren und sollten die Zeit in der Opposition zur inhaltlichen Neuaufstellung nutzen."

CDU in Sachsen nur auf Platz drei

Die sächsische CDU hatte die Wahl am Sonntag klar gegen die AfD verloren. Sie musste sich sogar der SPD geschlagen geben. Die AfD landete in Sachsen bei 24,6 Prozent der Zweitstimmen. Dahinter rangieren SPD (19,3 Prozent), CDU (17,2), FDP (11,0), Linke (9,3) und Grüne (8,6). Die AfD gewann zudem 10 von 16 Wahlkreisen, die CDU nur 4. Wanderwitz verlor sein Direktmandat im Wahlkreis Chemnitzer Umland - Erzgebirge II deutlich an einen AfD-Mann, zieht aber über die Landesliste erneut in den Bundestag ein.

Quelle: MDR SACHSEN/ls/ud/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 28. September 2021 | 05:00 Uhr

49 Kommentare

Selei vor 3 Wochen

Eigentlich ist der Ostbeauftragte dazu da, den Osten auf Spur zu bringen. Das ist , bis auf Sachsen und Thüringen, auch gelungen. Der Beauftragte könnte jetzt in Generalgouverneur der blauen Freistaaten umbenannt werden.

Soldaten Norbert vor 3 Wochen

Es gibt aber eine rechte bürgerliche Mehrheit in Deutschland ! Das ist ein Fakt. Da man aber die AfD aus dem demokratischen Spektrum ausblendet hat, werden CDU oder FDP auf Teufel komm raus, immer mit einer links-rot-grünen Partei koalieren müssen. Laschet könnte sich durchaus zum Kanzler wählen lassen. Mit Hilfe der Stimmen der AfD ! Aber dem hat Merkel mit dem Sündenfall Thüringen ja schon einen Riegel vor gesetzt.

Agnostiker vor 3 Wochen

@ralf meier
Zitat Gauland: "„Ich kann in der Regierung mit anderen, weit stärkeren natürlich nicht das umsetzen, was ich in der Opposition fordere“ (FAZ)
Soviel zum Thema Regierungsverantwortung.

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