Nationaler Feiertag der Marine "Tag der Marine" in Russland: drei Engel für Putin

Am letzten Sonntag im Juli feiert Russland traditionell den "Tag der Marine". Neben den üblichen Kriegsschiffen, Militärübungen und Paraden, stehen in diesem Jahr drei Frauen im Mittelpunkt. Erstmals nimmt ein russisches Militärboot unter der Führung von drei Frauen an der Schiffsparade teil.

Russland Marine Frauen
Anna Brikez (links) stellt mit zwei weiblichen Kollegen die erste weibliche Crew der russischen Marine. Bildrechte: fdd

Anna Brikez feuert eine Leuchtpistole in den blauen Juli-Himmel über dem Schwarzen Meer. Sie ist Kapitänin eines kleinen Patrouillenboots, das vor der Küste der Krim in russischen Gewässern unterwegs ist. Die junge Frau gehört mit zwei Kolleginnen zur ersten weiblichen Besatzung der russischen Marine.

Zurzeit trainieren sie mit einem männlichen Kollegen für den Ernstfall. "Als meine Familie erfahren hat, dass ich nicht nur in der Marine dienen werde, sondern auch die erste weibliche Crew der Schwarzmeer-Flotte führen darf, gab es dafür nur Lob und Zuspruch. Meine Mutter sagte: Ich glaube an dich, du bist die beste und schaffst das. Auch mein Mann und mein Sohn unterstützen mich. Alle sind dafür – warum auch nicht?"

Ein Mann und eine Frau, beide in Uniform, geben sich die Hand
Anna Brikez mit ihrem männlichen Kollegen, der sie anlernt. Bildrechte: imago images/ITAR-TASS

"Kapitän" ja, "Kapitänin" nein

So leicht wie Brikez es darstellt, war es viele Jahrzehnte aber nicht: 1974 trat das Gesetz in Kraft, das Frauen in vielen Berufen ausschließt. Die Idee dahinter: Frauen sollen keine körperlich schwere Arbeit leisten, sie sollen Mütter werden. So dürfen russische Frauen zum Beispiel bis heute keine Flugzeugmotoren reparieren, keine Brände löschen oder an gefährlichen Rettungseinsätzen teilnehmen, Kanalisationen reinigen sowie am Bau von U-Bahnen und Tunneln mitwirken. Ab dem 1. Januar 2021 tritt eine überarbeitete Liste in Kraft – mit "nur" noch 100 Berufen statt 456, die Frauen nicht ausüben dürfen. Der Beruf der Kapitänin wird dann auch Frauen offen stehen.

Vor Gericht Recht auf freie Berufswahl erkämpft

Eine Frau in Schiffskleidung
Swetlana Medwedjewa arbeitet heute auf einem privaten Schiff. Sie hätte gerne Karriere als Kapitänin bei der russischen Marine gemacht. Bildrechte: MDR/Ben Arnold

Als Kapitänin für die russische Marine zu arbeiten, hatte sich Swetlana Medwedjewa viele Jahre gewünscht. Sie ist ausgebildete Kapitänin, durfte aber nicht bei der Marine arbeiten. Medwedjewa hat um ihr Recht auf freie Berufswahl gekämpft. Fünf Jahre klagte sie sich durch alle Instanzen. Am Ende entschied das oberste Gericht Russlands: Ihr den Job auf dem Schiff nicht zu geben, sei diskriminierend gewesen.

Heute arbeitet sie auf einem kleinen, privaten Schiff in einem Hafen der Wolga. "Die Liste verbotener Berufe für Frauen wird erst im Jahr 2021 reduziert. Das Problem mit dieser Liste ist nach wie vor akut. Außerdem ist in der russischen Föderation die Diskriminierung nach wie vor weit verbreitet. Sehr viele Mädels sind davon betroffen. Auch in maritimen Berufen. Selbst in den Jobs, die erlaubt sind. Ich denke, dass eine Frauen-Besatzung auf einem Boot im Großen und Ganzen schon nicht schlecht ist."

Ein erster Schritt. Auf dem Schwarzen Meer vor Sewastopol auf dem Boot von Kapitänin Anna Brikez wird weiter trainiert. Bis zur offiziellen Erlaubnis im Januar 2021 dürfen die Frauen nur für den Ernstfall üben. Ihre Trainingsfortschritte aber werden sie schon jetzt zur Schau stellen können: Sie nehmen als erste weibliche Besatzung am "Tag der Marine", der auch im Schwarzen Meer gefeiert wird, teil.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL FERNSEHEN | 24. Juli 2020 | 17:45 Uhr