Sachsen-Anhalt A14-Nordverlängerung: Freude und Sorgen liegen nah beieinander

An der Nordverlängerung der A14 in Sachsen-Anhalt wird seit Jahren gebaut. Abseits von Planfeststellungsverfahren und Klagen haben wir Menschen besucht, die an der A14-Nordverlängerung leben (werden) oder arbeiten. Die Autobahn macht den Weg frei für Lebensträume, sorgt aber auch für Kummer.

A14-Nordverlängerung
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Ein Lebenstraum wird wahr

Verena Elschner-Richter führt ihre Stute Sammy von der Weide, an der offenen Reithalle vorbei und genießt, dass sie und ihr Pferd dabei enorm viel Platz haben.

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Michael Richter und Verena Elschner-Richter von der Pferdepension in Dolle. Bildrechte: MDR/Pauline Vestring

Für Verena Elschner-Richter und ihren Mann ist die Nordverlängerung der Autobahn 14 ein Glücksgriff: "Wir hätten sonst hier nicht unseren Lebenstraum gewagt, einen Pferdehof aufzubauen." Ihren sogenannten "Heide Trail Dolle" führen sie auf Basis des Haltungsstils "paddock trail"; dazu benötigen sie viel Raum, den ihnen Dolle in der Börde bietet. Da der Ortsteil jetzt zumindest schon teilweise an der A14 liegt, sahen sie in der Autobahn eine echte Chance für die Anbindung an andere Orte. Damit war ihr Umzug von Magdeburg nach Dolle besiegelt.

Erbsensuppe ist der Renner

Nur einige Meter vom Pferdehof entfernt betreibt Ute Lindemann ihre Feldküche. "Durch die A14 habe ich halt viel Bauarbeiterbetrieb. Viele kommen regelmäßig und das ist im Moment gut, solange der Verkehr noch hier langkommt", sagt die Feldküchenbesitzerin mit einem Lächeln und verteilt eine Kelle Erbsensuppe auf einem Teller.

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Für die rücken einige Bauarbeiter jeden Tag an. Doch Ute Lindemann hat gleichzeitig ein bisschen Sorge, was passiert, wenn die A14-Nordverlängerung komplett fertig ist und ihre Feldküche an der Bundesstraße dann ignoriert werden sollte.

Noch 83 Kilometer müssen fertig werden

Rund 14 Kilometer der Nordverlängerung der Autobahn 14 sind bisher befahrbar – 83 werden noch gebaut. Klingt erst einmal niederschmetternd für die, die sich auf ein schnelles Bad in der Ostsee freuen. Ende der 2020er-Jahre soll es möglich sein, über die A 14 ans Meer zu fahren, sagt Bauleiter Steffen Kauert. Im Moment sind nur der Abschnitt zwischen Wolmirstedt und Colbitz und der Abschnitt zwischen Colbitz und Tangerhütte fertig.

Die Nordverlängerung der Autobahn 14 soll einmal die Städte Magdeburg, Wittenberge und Schwerin verbinden. Die gesamte Länge der Strecke beträgt 155 Kilometer. Davon liegen etwa 97 Kilometer in Sachsen-Anhalt, 32 Kilometer im Land Brandenburg und 26 Kilometer in Mecklenburg-Vorpommern.

Schätze im Boden

Vor dem Bau warten die Archäologinnen und Archäologen auf ihren Einsatz. Für Dr. Susanne Friederich und ihr Team bietet die A14-Nordverlängerung eine wahre Chance, zahlreiche Schätze aus dem Boden zu holen:

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Dr. Susanne Friederich, Abteilungsleiterin für Bodendenkmalpflege im Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt Bildrechte: MDR/Pauline Vestring

Die A14 ist von größtem Interesse vom kulturhistorischen Aspekt aus gesehen, weil wir in der Altmark sehr wenige Baumaßnahmen haben. Das heißt, es gab keine Bodeneingriffe. Die Archäologie konnte hier wunderbar im Boden ruhen.

Dr. Susanne Friederich

Das Grabungsteam hat bei Lüderitz schon bis zu 3.000 Jahre alte Funde aus dem Boden geholt, darunter Gefäße für die Milchverarbeitung und Spielzeug. Tatsächlich darf das Team nur dann graben, wenn gebaut wird und so gewinnen die Archäologinnen und Archäologen durch den A14-Ausbau neue Erkenntnisse.

Die grünste Autobahn Deutschlands?

Kritisch betrachten dagegen einige Anwohnerinnen und Anwohner in Samswegen den Bau der A14-Nordverlängerung. Die Autobahn wird hier nur einige Hundert Meter an dem Ortsteil in der Niederen Börde vorbeigehen – Lärm und Schadstoffe sehen viele mit Sorge auf sich zukommen.

Bei den Themen Lärm- und Umweltschutz rund um den A14-Ausbau hat Ralf Meyer vom BUND Sachsen-Anhalt seinen Einsatz. Rund 250 Millionen Euro werden für den Umweltschutz im Zuge der A14-Nordverlängerung ausgegeben. Die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 1,5 Milliarden Euro.

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Ralf Meyer vom BUND Sachsen-Anhalt Bildrechte: MDR/Pauline Vestring

Der BUND Sachsen-Anhalt hatte für einen Ausbau der bestehenden Bundesstraße 189 plädiert. Unter anderem durch verschiedene Klagen hatte sich der Bau einiger Autobahnstücke immer wieder verzögert.

Alle Akteurinnen und Akteure eint, dass sie emotional von der A14-Nordverlängerung betroffen sind. Gleichgültig wird niemand von ihnen diese Autobahn nehmen, wenn sie dann einmal fertig ist.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 26. Oktober 2020 | 16:00 Uhr