Ein Polizist vom Entschärfungskommando in voller Schutzkleidung
Auch ein Dönerladen in Halle wurde angegriffen. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich

Bluttat Mögliches Bekennerschreiben vom Halle-Attentäter aufgetaucht

Medienberichten zufolge ist im Internet ein mögliches Bekennerschreiben des Attentäters von Halle aufgetaucht. In dem Schreiben werden auch Fotos von verwendeten Waffen gezeigt. Der Mann hatte seine Tat außerdem mit einer Stirnkamera gefilmt und soll sie live ins Netz übertragen haben.

Ein Polizist vom Entschärfungskommando in voller Schutzkleidung
Auch ein Dönerladen in Halle wurde angegriffen. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich

Im Internet kursiert ein mögliches Bekennervideo und ein Bekennerschreiben des Attentäters von Halle. Aus dem Schreiben zitieren die Tagesschau und das US-Analyseunternehmen Site Intelligence Group (SIG). Demnach würden in dem PDF-Dokument Fotos von bei der Attacke verwendeten Waffen und Munition gezeigt.

Jom Kippur absichtlich gewählt

Als Ziel der Attacke werde in dem Dokument genannt, so viele "Anti-Weiße" wie möglich zu töten, vorzugsweise Juden. SIG zufolge wird in dem Dokument auch der jüdische Feiertag Jom Kippur als möglicher Tag für eine Attacke erwogen.

Die Tagesschau berichtet zudem, dass der Verfasser des Schreibens ursprünglich auch einen Angriff auf eine Moschee oder ein linkes Zentrum geplant habe. Er habe sich aber letztlich für eine Synagoge entschieden, weil Juden aus seiner Sicht Deutschland regierten. Der ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt sagte MDR AKTUELL, derzeit könne noch nicht sicher sagen, ob die Dokumente tatsächlich vom mutmaßlichen Täter stammten. Es spreche aber einiges dafür.

Fünf Zuschauer sahen Attentat-Video live

Bei dem mutmaßlichen Angreifer soll es sich um einen 27-jährigen Mann aus Eisleben handeln. Er wurde nach Polizeiangaben festgenommen. Wie ein Sprecher dem MDR bestätigte, wurde inzwischen die Wohnung des Mannes durchsucht. Er soll die Taten mit einer Stirnkamera gefilmt und live ins Netz übertragen haben - unter anderem auf Twitch, einer Streaming-Plattform für Video-Spiele. Aus den Bildern geht hervor, wie Ladehemmungen eine höhere Opferzahl verhinderten.

Nach Angaben von Twitch wurde das etwa halbstündige Video von fünf Personen live gesehen und nach der Tat von insgesamt rund 2.200 Nutzern abgerufen, bevor es gelöscht wurde. Über den vor etwa zwei Monaten erstellten Account sei zuvor nur einmal etwas veröffentlicht worden.

Netzwerke wollen Video löschen

Kopien und Teile der Aufnahmen verbreiteten sich schnell. Derzeit versuchen Facebook, Google, Microsoft und Twitter das Video zu löschen. Die dafür verantwortliche Gruppe "Global Internet Forum to Counter Terrorism" in den USA erklärte, dazu werde die sogenannte Hashing-Technologie verwendet, die nach dem Anschlag in Christchurch im März 2018 entwickelt worden war.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Oktober 2019 | 02:11 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2019, 13:31 Uhr