Hintergrund So entstehen Prognose und Hochrechnung

Am 27. Oktober wird in Thüringen ein neuer Landtag gewählt. Die Prognose und die Hochrechnungen liefern am Wahlabend schon vor der Bekanntgabe des vorläufigen Ergebnisses erste Aussagen über einen möglichen Wahlausgang. Doch wie sicher sind diese Berechnungen, und welche Unterschiede gibt es?

Unterlagen und eine Wahlurne des Meinungsforschungsinstitutes Infratest dimap im Auftrag der ARD stehen in einem Wahllokal.
Zur Erstellung der Prognose werden die Wähler gebeten, ihre Stimme noch einmal abzugeben. Bildrechte: dpa

Umfragen ermöglichen vorab ein Stimmungsbild

Bereits einige Wochen vor den Wahlen sollen Umfragen ein möglichst authentisches politisches Stimmungsbild im Land widerspiegeln. Befragt wird durch Wahlforscher - repräsentativ und nach Zufallsprinzip. Wahlberechtigte im ganzen Wahlbezirk werden dabei telefonisch befragt, etwa danach, welche Partei der Befragte aktuell wählen würde, wenn am darauffolgenden Sonntag Wahlen wären.

Die Ergebnisse bilden immer ein zeitlich begrenztes, durch aktuelle Themen beeinflusstes Stimmungsbild ab. Die Mehrheit der Wähler entscheidet erfahrungsgemäß kurzfristig, welcher Partei sie ihre Stimme gibt.

Prognose: am Wahltag um 18 Uhr

Die Prognose ist der erste Höhepunkt am Wahlsonntag. Es gibt sie nur einmal - und zwar um Punkt 18 Uhr. In mehreren repräsentativ ausgewählten Wahllokalen im ganzen Wahlgebiet sitzen am Wahlabend etliche Meinungsforscher. Sie befragen Wähler schriftlich, nachdem diese ihre Stimme abgegeben haben.

Abgefragt wird nicht nur, welche Partei gewählt wurde, sondern auch soziostrukturelle Merkmale wie Geschlecht, Alter, Konfession oder Bildung.

Ihre Antwort werfen die Befragten erneut in eine Box - die des Wahlforschers. Die Ergebnisse werden an eine Zentrale weitergeleitet. Dort bearbeiten Mitarbeiter des Wahlforschungsinstituts mit Hilfe ihrer Expertise und komplexen Rechensystemen die Angaben der Wähler.

Besonderheiten der 18-Uhr-Prognose

Bei der Erstellung der Prognose gibt es einige Herausforderungen. Zum einen müssen die Befragungsstandorte repräsentativ gewählt werden - vom Villenviertel bis zum sozialen Brennpunkt. Anschließend müssen die Befragungsergebnisse über Gewichtungsmodelle korrigiert werden. Denn es gibt immer weniger Stammwähler, immer mehr Briefwähler und immer mehr kleine Parteien.

Unionsanhänger wählen traditionell morgens, Grünen-Wähler tendieren zur Wahl am Abend, nicht alle Wähler sind zu einer Auskunft bereit oder antworten wahrheitsgemäß. All diese Besonderheiten müssen rechnerisch ausgeglichen werden. Schätzergebnisse werden mit den Befragungsergebnissen zur 18-Uhr-Prognose zusammengeführt.

Hochrechnung basiert auf amtlicher Auszählung

Einige Minuten nach der Prognose erfolgt die erste Hochrechnung. Anders als bei der Prognose fließen bereits reale Ergebnisse in die Hochrechnung ein. Mit jeder neuen Hochrechnung nähern sich die Wahlforscher also dem vorläufigen Ergebnis an.

Hochrechnungen basieren auf den amtlichen Auszählungen wiederum repräsentativ ausgewählter Stimmbezirke. Je mehr amtliche Teilergebnisse zusammenkommen, desto exakter kann das Ergebnis hochgerechnet werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 27. Oktober 2019 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Oktober 2019, 17:28 Uhr