Denkmal des Theologen Thomas Müntzer in Mühlhausen
An das Wirken Thomas Müntzers wird in Mitteldeutschland an vielen Orten erinnert. So wie hier in Mühlhausen. Bildrechte: IMAGO / epd

Kühn, forsch und radikal Wie Thomas Müntzer vor 500 Jahren nach Allstedt kam

07. April 2023, 16:12 Uhr

Die Osterzeit gehört zu den wichtigsten Terminen im Kirchenkalender. Schließlich ist am Karfreitag Jesus am Kreuz gestorben und am dritten Tage wieder auferstanden. Was aber, wenn die Gemeinde ohne Pfarrer dasteht? So geschehen vor genau 500 Jahren in Allstedt. Doch da kam gerade rechtzeitig doch noch ein Gottesmann des Weges: Thomas Müntzer. Und der schrieb in Allstedt ein Kapitel deutscher Geschichte.

Martin Weber ist seit über sieben Jahren evangelischer Pfarrer in Allstedt und damit Nachfolger von Thomas Müntzer. Der trat Ostern 1523 seinen Dienst in der Johanniskirche an. Doch wer in diesem Gotteshaus auf die Suche nach authentischen Zeugnissen seines Wirkens geht, wird zunächst enttäuscht.

Die Chancen darauf gehen gegen Null, denn die ursprünglich romanische Kirche wurde im 18. Jahrhundert ersetzt. Lediglich ein Taufstein hat es aus der Müntzer-Zeit in die Gegenwart geschafft. Martin Weber sagt:  "Es ist der historische Ort, aber nicht das historische Gebäude."

Wirken in Halle mit Folgen

Dieses Schicksal teilt das Allstedter Gotteshaus seltsamerweise mit der Georgenkirche in Halle. Dort war Müntzer vor seinem Wechsel nach Alltstedt zu Gange. Hier wurde am Zisterzienserkloster vor den Toren Halles gerade händeringend ein Kaplan gesucht, "weil ihnen der alte Kaplan abhandengekommen war. Der ist nach Wittenberg gegangen und hat geheiratet", weiß der Direktor der Luthergedenkstätten Thomas T. Müller, der auch als ausgewiesener Bauernkriegsexperte gilt.

Bei Müntzers Ankunft in Halle war der bereits 33 Jahre alt, und bislang glücklos bei der Suche nach einem sicheren Job, obwohl er ein offenbar charismatischer Prediger war. Sein Wirken in Halle hatte jedenfalls Folgen.   

"Es gab Anhänger aus Halle, die zu ihm nach Allstedt gekommen waren. Und es gibt dann nach dem Bauernkrieg auch noch einige Hallenser, die verhört werden und sich auf Müntzer berufen", berichtet Thomas T. Müller.

Wohnte Müntzer im Wigberti-Turm?

Das Kapitel Georgenkirche währte nur drei Monate, dann zog Müntzer offenbar die Aussicht auf eine unbefristete Stelle nach Allstedt. Zu Ostern brauchte die dortige Gemeinde dringend einen Pfarrer. Quartier bezog Müntzer im Wigberti-Turm in der Altstadt, direkt an der Stadtmauer.

Jedenfalls hält sich die Legende schon einige Jahrzehnte, hier gab es sogar schon einmal eine Gedenkstätte, weiß Renate Becke, besser bekannt als Kräuter-Tilly.  Sogar Müntzers Druckerpresse hatte hier in diesem Turm gestanden. Platz böten die beiden Etagen schon für einen anspruchslosen jungen Mann, doch Renate Becke ist skeptisch: "Hier war einfach keine Feuerstelle."

Müntzer radikalisiert sich in Allstedt

Doch von solchen Lappalien lässt sich die Geschichte nicht aufhalten, Müntzer jedenfalls wird in Allstedt forscher, kühner, radikaler. Er liest auf der Allstedter Burg den Fürsten die Leviten, droht der weltlichen Macht mit dem himmlischen Schwert. Sein Wort verhallte bei den Herrschenden, fand aber bei den Geknechteten umso mehr Gehör. Viele schreckten auch vor Gewalt nicht mehr zurück. Immer mehr Menschen fühlten sich angezogen von dem leidenschaftlichen Prediger, bis zu 3.000 Menschen sollen der Überlieferung nach zu den Gottesdiensten gekommen sein.

Das wird dann auch für die Allstedter Ratsherren zu heiß. Müntzer musste nach 17 Monaten das Städtchen verlassen und weiterziehen.

Sein Ende ist bekannt. Für Martin Weber sei die Geschichte um seinen Amtsvorgänger für die Nachgeborenen ein Lehrstück in Sachen Mut, den dieser immer wieder aufgebracht hat, aber eben auch eine deutliche Warnung vor Radikalisierung. 

Mit dieser Radikalität zog Müntzer, den Luther dann schon den "Satan von Allstedt" nannte,  dann auch 1525 bei Bad Frankenhausen in die letzte Schlacht des Bauernkrieges. Hier wurden die Aufständischen blutig zusammengeschossen und Müntzer endete in Mühlhausen auf dem Richtblock.

MDR (Theo M. Lies, Oliver Leiste)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 07. April 2023 | 14:40 Uhr

1 Kommentar

kleinerfrontkaempfer am 07.04.2023

"...zusammengeschossen" ist gut. Die sogenannte Obrigkeit brach einen vereinbarten Waffenstillstand und verschaffte sich einen linken Vorteil zum Sieg über die Aufständischen.

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