Die meisten aus Syrien Mehr Asylsuchende als im Vorjahr in Sachsen-Anhalt registriert

In Sachsen-Anhalt haben in diesem Jahr deutlich mehr Menschen einen Asylantrag gestellt als im vergleichbaren Zeitraum ein Jahr zuvor. Der Krieg in der Ukraine hat damit allerdings nichts zu tun – eher die sich lange Zeit entspannende Corona-Lage.

Blick auf Wohnblöcke auf dem Gelände der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber (ZASt)
In der Zentralen Aufnahmestelle für Geflüchtete in Halberstadt sind derzeit rund 1.200 Menschen untergebracht. Bildrechte: dpa

In Sachsen-Anhalt sind im ersten Halbjahr 2022 doppelt so viele Asylsuchende angekommen wie im selben Zeitraum des Vorjahres. Das zeigen Zahlen, die das Innenministerium veröffentlicht hat. Danach kamen zwischen Januar und Juni 2021 996 Asylsuchende nach Sachsen-Anhalt. In diesem Jahr waren es 1.947. Die Behörde hält ein Ansteigen der Zahl auf bis zu 5.000 am Ende des Jahres für möglich, nicht zuletzt wegen der weltpolitischen Lage und der gelockerten Corona-Bestimmungen.

Im gesamten vergangenen Jahr waren in Sachsen-Anhalt knapp 3.000 neue Asylsuchende erfasst worden. Noch immer kommen die meisten Menschen den Angaben zufolge aus Syrien nach Sachsen-Anhalt – in diesem Jahr bislang 528 Frauen und Männer. Die Zahl der aus Afghanistan einreisenden Schutzsuchenden hat sich demnach erhöht, von 82 auf 320. Auch aus Georgien und der Türkei reisten mehr Menschen ein als im Jahr zuvor: 247 beziehungsweise 202.

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exactly: Guter Flüchtling, schlechter Flüchtling? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

163 Menschen zurückgeführt

Wie das Ministerium weiter mitteilte, wurden im ersten Halbjahr dieses Jahres insgesamt 163 Menschen zurückgeführt, unter anderem nach Syrien, Afghanistan, Nordmazedonien sowie Bosnien und Herzegowina. Das ist dann der Fall, wenn die Behörden einen Asylantrag abgelehnt haben.

Kriegsgeflüchtete aus der Ukraine Kriegsgeflüchtete aus der Ukraine fallen nicht in die Statistik, weil für einen regelmäßigen längeren Aufenthalt in Deutschland zunächst keinen Aufenthaltstitel benötigen. Sie müssen aktuell auch keinen Antrag auf Asyl stellen. Hintergrund ist ein Verfahren der EU, das ein erleichtertes Verfahren für einen vorübergehenden Aufenthalt in Mitgliedsstaaten vorsieht.

In Sachsen-Anhalt gibt es den Zahlen zufolge aktuell Unterbringungsplätze für rund 1.800 Asylbewerber. In den Einrichtungen in Magdeburg und Bernburg stünden inzwischen auch wieder alle Plätze zur Verfügung. Die Kapazitäten waren wegen der Corona-Pandemie gesenkt worden, um das Risiko einer Ansteckung zu minimieren.

Auch in der Zentralen Aufnahmestelle in Halberstadt werde wieder ein Großteil der Kapazität ausgelastet, zum 30. Juni waren dort den Angaben zufolge 1.214 Menschen untergebracht. Dort gebe es auch weiter Bereiche für die Corona-bedingte Quarantäne. Die Jugendherberge in Naumburg werde seit Ende Juni dagegen nicht mehr für die Unterbringung von Asylbewerbern genutzt. Sie war übergangsweise gemietet worden, um insgesamt die Belegungsdichte in den Erstaufnahmeeinrichtungen zu reduzieren und Schutz vor Corona-Infektionen zu bieten.

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dpa, MDR (Luca Deutschländer)

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP | 08. Juli 2022 | 10:30 Uhr

8 Kommentare

Thommi Tulpe vor 29 Wochen

Wie viele Menschen sind auf der Flucht? Mal den UN-Flüchtlingsbericht gelesen? Sicher nicht. Was in Deutschland ankommt, ist ein minimaler Bruchteil. Sehr viel ärmer Länder nehmen sehr viel mehr Flüchtlinge auf als wir. Darum geht es aber nicht vorrangig. Wir tuen nichts, dass Menschen nicht dort bleiben können, wo sie zu Hause, bei ihrer Familie, unter ihren Freunden sind. Wenn ich zb. in Indien Textilien herstellen lasse, damit diese C & A zu Ramschpreisen unters Volk bringen kann, die indische Näherin aber vom Lohn nicht einmal in ihrem Land leben kann, schaffen wir uns Probleme selber. Mal drüber nachgedacht?

harzer vor 29 Wochen

Thommi Tulpe; DE ist in der EU der Spitzenreiter bei der Aufnahme von Menschen!
Macht DE nicht genug Tommi? Thommi, auch in DE gibt es arme Menschen!

Arbeitende Rentnerin vor 29 Wochen

Man soll nur noch viel mehr reinlassen, das spart man locker bei der deutschen Bevölkerung wieder ein, wenn man wenigstens jetzt einsichtig würde und die wenigen Mittel für die eigenen Bürger lassen würde. Wenn erst der Gasmangel voll auf die Industrie durchschlägt, ist sowieso Schluss mit lustig, dann aber für alle.

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