Landesparteitag der Grünen Lemke: "Sachsen-Anhalt soll kein Waldbrandland werden"

Bundesumweltministerin Steffi Lemke sieht größere Herausforderungen für Sachsen-Anhalt als die aktuelle Energiekrise: Dürre und Hunger in Afrika seien viel bedrohlicher. Der geplanten verkürzten Schulwoche stehen die Grünen ablehnend gegenüber.

Steffi Lemke (Grüne), Bundesumweltministerin, spricht beim Landesparteitag der Grünen Sachsen-Anhalt. Unter dem Motto „Mit Sicherheit: Sachsen-Anhalt“ wollen die Parteimitglieder über die Sicherheitslage und über die Versorgungssicherheit im Bundesland diskutieren.
Bundesumweltministerin Steffi Lemke will Sachsen-Anhalt nicht brennen sehen. Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalts Grüne haben sich bei ihrem Landesparteitag in Halle auf krisenhafte Zeiten eingestellt. Neben den absehbaren Einschränkungen bei der Energieversorgung zögen mit der Dürre und steigenden Corona-Zahlen weitere Wolken über Sachsen-Anhalt auf, sagte die Chefin der Landtagsfraktion, Cornelia Lüddemann, am Samstag in Halle.

Auch Bundesumweltministerin Steffi Lemke zeigte sich bei ihrer Rede auf dem Landesparteitag besorgt über die Folgen der anhaltenden Trockenheit: "Ich möchte nicht, dass Sachsen-Anhalt zum Waldbrandland wird." Man müsse darüber reden, wie Wasser in der Region gehalten werden könnte, sagte die Politikerin aus dem Kreisverband Dessau-Rosslau.

Bereits im Juni hatten in Sachsen-Anhalt mehrere Hektar Wald und Felder gebrannt. Feuerwehren sorgten sich wegen andauernder Trockenheit um einen angemessenen Brandschutz insbesondere im Nordosten des Bundeslands. Der Landwirtschaft fehlten zudem nötige Wasservorräte.

Schlimmeres als deutsche Energieprobleme

Mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine mahnte Lemke zu einer demütigen Betrachtung der für Deutschland absehbaren Energieprobleme. Das Leid der Ukrainer stelle seit dem Tag des russischen Angriffs den vordringlichen Handlungsbedarf dar. Lemke mahnte auch, die Hungerkrisen in der Welt seien viel bedrohlicher als die Nöte hierzulande. Der Hunger drohe wiederzukommen, unter anderem in Afrika. Darauf müsse man reagieren.

Weiter Subventionen im Nahverkehr

Fraktionschefin Lüddemann wies darauf hin, dass die Grünen in Sachsen-Anhalt bei der Landtagswahl 2021 nur knapp die Fünf-Prozent-Hürde überschritten hatten.

Ein Grund für das schlechte Abschneiden der Grünen sei aus ihrer Sicht die Abhängigkeit vieler Jobs von fossilen Brennstoffen oder in deren Verarbeitung in der chemischen Industrie wie in Leuna und Piesteritz, sagte Lüddemann. Die Partei müsse an geeigneten Formaten arbeiten, um diese Menschen abzuholen und ihnen Perspektiven aufzuzeigen.

Sachsen-Anhalt tickt anders.

Cornelia Lüddemann, Fraktionschefin der Grünen

Als essenziell für die Menschen im "Flächenland Sachsen-Anhalt" bezeichnete sie es, dass es nach dem Ende des 9-Euro-Tickets weiterhin ein staatlich subventioniertes Angebot für den öffentlichen Nahverkehr gebe. Die Mobilität müsse stärker gefördert werden. Das müsse sich auch im Haushaltsplan der Regierungskoalition in Magdeburg widerspiegeln.

Gegen die verkürzte Schulwoche

Dem kürzlich vom Bildungsministerium ins Spiel gebrachten sogenannten 4 plus 1-Schulmodell erteilte Lüddemann eine klare Absage. Es wäre eine Kapitulation vor dem Ist-Zustand im Bildungssystem des Landes, sagte sie auf dem Landesparteitag. Der Versuch sei ein "Schlag ins Gesicht für diejenigen, die sich den Arsch aufreißen", um das Schulsystem am Laufen zu halten.

Sachsen-Anhalts Bildungsministerium hatte angekündigt, an einem Dutzend Schulen ein Modell mit vier Präsenz-Unterrichtstagen pro Woche und einem Tag fürs Distanzlernen oder für praktische Tage in Unternehmen zu erproben. Grundlage sei ein Beschluss des Landtags, neue Modelle zur Unterrichtsorganisation an den Schulen zu erproben.

dpa, MDR (Max Schörm)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 09. Juli 2022 | 19:00 Uhr

11 Kommentare

DER Beobachter vor 29 Wochen

Und die würden jetzt genau was ändern? Abgesehen davon steht es Ihnen natürlich zu, der Fraktion Ihres Beliebens einen solchen Vorschlag nahezulegen. Aber die wird sie wohl unter der Hand auslachen, wie auch immer sie heisst...

Thommi Tulpe vor 29 Wochen

"Dürre und Hunger in Afrika seien viel bedrohlicher."
Wie lange weiß man davon? Wie lange hat man dagegen nichts getan?
"Lemke mahnte ..., die Hungerkrisen in der Welt seien viel bedrohlicher als die Nöte hierzulande." Wenn man hier überlegen werden müssen wird, ob man sich Nahrungsmittel oder Energie leistet, weil beides nicht mehr geht: Wir werden sicher nicht verhungern!? Aber unser sozialer Frieden wird dann mit Sicherheit sehr viel mehr zum Unfrieden als in Afrika. Protest kann man hierzulande nämlich nicht einfach "im Keim ersticken".

Maria A. vor 29 Wochen

Das schlechte Abschneiden der Grünen in Sachsen-Anhalt dürfte sich wohl bald auf andere Bundesländer ausweiten. Denn die meisten Mitmenschen finden Äußerungen, wie sie von der Grünin Lemke kamen, unschön. Platte Vergleiche sind fehl am Platz, wenn sich jetzt ein Großteil unserer Bevölkerung große Zukunftssorgen macht. Es ist schlimm genug, dass sich im eigenen Land soziale Ungerechtigkeit eingenistet hat. Doch mit dem Verweis auf die (nicht von ungefähr kommenden) Probleme in Afrika beschwichtigt zu werden, wenn man offen darauf hinweist, dass man in Sorge ist wegen spürbar schwindender Lebensqulität, dürfte weiteren Sympathieverlust der Grünen zur Folge haben. Wenn ich jeden Tag auf Arbeit gehe und mir immer weniger Geld im Portemonnaie durch steigende Preise bleibt, dann möchte ich nicht damit beruhigt werden, dass man mir vorhält, ich hätte es ja noch gut, während Herr Meyer am Ortsrand immense Finanzprobleme hat. Der, mal genau betrachtet, keiner regelmäßigen Arbeit nachgeht...

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