Bestattungsrecht Landesregierung will Sargpflicht lockern

Sachsen-Anhalts Landesregierung aus CDU, SPD und FDP will das Bestattungsrecht reformieren. Kern ist eine Lockerung der Sargpflicht. Auch eine zweite Leichenschau vor jeder Bestattung soll vorgeschrieben werden. Noch in diesem Jahr soll dazu ein Gesetzentwurf in den Landtag eingebracht werden.

Erdbestattungen werden immer seltener. Für den Trauerprozess ist diese klassische Bestattungsform aber besser, weil man tatsächlich einen Menschen zu Grabe trägt. Die Realität des Verlustes ist am Sarg besser zu verstehen.
In Sachsen-Anhalt soll das Bestattungsrecht reformiert werden. Bildrechte: MDR/Erik Schimschar

Das Bestattungsrecht in Sachsen-Anhalt steht vor einer Reform. Nach Angaben des Sozialministeriums soll noch im Laufe des Jahres ein Gesetzentwurf vorbereitet und in den Landtag eingebracht werden. Zuvor hatte die "Mitteldeutsche Zeitung" in ihrer Montagsausgabe über das Thema berichtet.

Mit der Reform soll die Sargpflicht gelockert werden. Im aktuellen Koalitionsvertrag der Landesregierung aus CDU, SPD und FDP sei vereinbart worden, eine interkulturelle Öffnung des Bestattungsrechts in Sachsen-Anhalt anzustreben, hieß es vom Ministerium.

Zweite Leichenschau soll Pflicht werden

Bei einer Lockerung der Sargpflicht müssten allerdings hygienische und rechtliche Einschränkungen berücksichtigt werden. So soll den Friedhofsträgern in begründeten Fällen ein Widerspruchsrecht gegen eine Bestattung in Tüchern eingeräumt werden. In bestimmten Fällen soll dies zum Tragen kommen, etwa bei Bodenbeschaffenheiten, die eine natürliche Verwesung verhindern könnten, oder bei kirchlichen Friedhofsträgern.

Nach Angaben von Sozialministerin Petra Grimm-Benne soll Sachsen-Anhalt darüber hinaus das erste Bundesland werden, in dem vor jeder Bestattung verpflichtend eine zweite Leichenschau durch einen Arzt durchgeführt werden muss. Das sagte die SPD-Politikerin der "Mitteldeutschen Zeitung".

Bestatter und Friedhofsverwalter kritisieren Pläne

Durch die zweite Leichenschau soll die Dunkelziffer unentdeckter unnatürlicher Tode reduziert werden. Bisher ist eine ärztliche zweite Leichenschau nur vor einer Feuerbestattung vorgesehen, da nach der Einäscherung keine Untersuchungen mehr an der Leiche vorgenommen werden können.

In Sachsen-Anhalt wird seit Jahren über Neuerungen beim Bestattungsgesetz diskutiert. Im Januar machten Vertreter mehrerer Fraktionen im Landtag deutlich, sich ausführlicher mit dem Thema befassen zu wollen. Die Grünen hatten zuvor einen Gesetzesentwurf präsentiert. Zuletzt hatte sich ein Zusammenschluss von Bestattern, Friedhofsverwaltern, Steinmetzen und Friedhofsgärtnern den Plänen gegenüber kritisch geäußert.

Wie in Aschersleben eine andere Form der Bestattungen möglich ist – eine sogenannte Reerdigung, können Sie im folgenden Video sehen.

André Könnecke im Gespräch mit Reporterin Juliane Hennig 1 min
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Fr 08.07.2022 16:28Uhr 00:39 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/salzland/video-bestattung-andre-koennecke-friedhofsverwalter-100.html

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dpa, MDR (Felix Fahnert)

8 Kommentare

dieja vor 4 Wochen

Wenn man alles toleriert, dann gibt es aus hygienischen Gründen auch keinen Grund für die Friedhofspflicht. Dann könnte man z.B. die Asche auch als Dünger verwenden, wenn der Verstorbene es so will. Spart noch mehr Geld.

Karl Schmidt vor 4 Wochen

@Atheist:
"Einfach nur unglaublich was hier alles toleriert wird.
Während ich also wir Biodeutschen unsere Eltern und Großeltern biologisch im teuren Ökosarg und Ökourne auf nur eine bestimmte Zeit „ unterbringen“ dürfen bekommen andere ohne Sarg ein Ewigkeitsrecht inklusive liegerichtung."

Welcher Teil Ihres Kommentares soll denn auch nur annähernd "biodeutsch" sein?

wer auch immer vor 4 Wochen

Es wird Zeit das der Mensch selber entscheiden kann ob ein Pappkarton für den letzten Gang reicht oder ob hier weiter exorbitante Gewinne durch Holzkisten jeglicher Ausführung, billig gebaut in Polen usw. - hier für das X-fache verkauft, gemacht werden.

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