Sanierung von historischer Veranstaltungshalle Magdeburger Hyparschale bekommt neues Dach

Leonard Schubert
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Die Sanierung der denkmalgeschützten Hyparschale in Magdeburg schreitet voran. Das einsturzgefährdete Dach wird mit Carbonbeton verstärkt. Hierzu wurde extra eine neue Technik entwickelt und zugelassen. Für die Bauleiter ist der Erhalt der Dachschalen ein besonders wichtiger Schritt.

Blick auf die stark gebogene  Dachschale der Hyparschale, auf der Bauarbeiter Karbonfasern eingießen.
Die Sanierung der Hyparschale in Magdeburg schreitet voran. Das Dach wird durch speziellen Carbonbeton verstärkt. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert

Einst war sie eines der beliebtesten Gebäude der Stadt – heute kennen sie viele nur noch in verfallenem Zustand: die Hyparschale in Magdeburg. Mehr als 1.600 Sitzplätze standen in der 48 mal 48 Meter großen und 12 Meter hohen Halle einst zur Verfügung, große Veranstaltungen wurden gefeiert.

Das besondere an der 1969 gebauten Mehrzweckhalle: Durch eine spezielle Technik hält das Dach stützenfrei – eigentlich. Denn durch Korrosion ist das Dach einsturzgefährdet. Seit 1997 ist das Gebäude gesperrt. Nach dem Hochwasser 2013 musste sogar ein Stahlturm in der Mitte der Hyparschale errichtet werden, um die Konstruktion abzustützen.

Ein hohes Baugerüst an einer der Seitenschalen der Hyparschale auf der Magdeburger Elbinsel.
Gerade nicht ganz stützenfrei: die Hyparschale in Magdeburg Bildrechte: MDR/Leonard Schubert

Mit speziellen Carbonfasern das Dach stärken

Ende 2019 wurde mit der Sanierung der Hyparschale begonnen. Nun gibt es einen ersten Meilenstein zu feiern. Die gefährdete Dachkonstruktion wird durch eine Mischung aus Carbonfasern und Feinbeton ummantelt. So soll ermöglicht werden, die Halle originalgetreu wiederherzustellen. Obwohl die aufgetragene Schicht nur millimeterdick ist, soll sie die bestehende Dachsubstanz so verstärken, dass sie tragfähiger sein soll, als jemals zuvor. Dazu wurde extra ein spezielles Verfahren zugelassen.

Sanierung Carbonbetondach für die Hyparschale in Magdeburg

Blick von oben auf die vier Dachschalen der Hyparschale. Während die hinteren mit Dachpappe belegt sind, arbeiten vorne Bauarbeiter mit nassen Leinenmatten und Beton Karbonmatten in die Deckenschale ein
Mit speziell zugelassenen Verfahren wird durch Carbonmatten und Feinbeton die alte Dachschale verstärkt. Bildrechte: MDR/ Leonard Schubert
Blick von oben auf die vier Dachschalen der Hyparschale. Während die hinteren mit Dachpappe belegt sind, arbeiten vorne Bauarbeiter mit nassen Leinenmatten und Beton Karbonmatten in die Deckenschale ein
Mit speziell zugelassenen Verfahren wird durch Carbonmatten und Feinbeton die alte Dachschale verstärkt. Bildrechte: MDR/ Leonard Schubert
Bauarbeiter legen eine netzartige Karbonmatte auf eine frische Betonschicht auf dem Dach der Hyparschale
Bauarbeiter legen eine gitterförmige Carbonmatte in die nur millimeterdicke Feinbetonschicht. Bildrechte: MDR/ Leonard Schubert
Blick auf die stark gebogene  Dachschale der Hyparschale, auf der Bauarbeiter Karbonfasern eingießen.
Große, feuchte Leinenmatten sollen den Beton davor schützen, zu schnell zu trocknen und zu reißen. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Moritz Buchholz (Bauleitung), Sophie von Mansberg (Projektleitung), Heinz Ulrich (Leiter kommunales Gebäudemanagement Magdeburg) und Christian Hellmund (Projektleitung) halten eine Eröffnungsrede zur Hyparschale für Pressevertreter.
Das Medieninteresse war groß, als die zuständigen Projekt- und Bauleiter die Fortschritte der Sanierung der Hyparschale erklärten. Bildrechte: MDR\Leonard Schubert
Projektleiterin Sophie von Mansberg erklärt mit viel Gestik Medienvertretern die Baukonstruktion der Hyparschale. Sie trägt einen weißen Helm
Projektleiterin Sophie von Mansberg freut sich über die schnellen Fortschritte. Bildrechte: MDR/ Leonard Schubert
Blick auf die stark gebogene  Dachschale der Hyparschale, auf der Bauarbeiter Karbonfasern eingießen.
Der besondere Schwung der vier Dachschalen der Hyparschale wird auf diesem Bild deutlich. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Blick von oben auf den Querschnitt eines Dachträgerbalkens der Hyparschale.
Besonders dick ist die Deckenstruktur nicht. Aber stabil soll sie werden. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Einer der Betonträger der besonderen Konstruktion der Hyparschale in Magdeburg.
Betonträger und unterirdische Bänder halten die Dachkonstruktion seit 1969. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Blick von oben auf die vier Dachschalen der Hyparschale. Während die hinteren mit Dachpappe belegt sind, arbeiten vorne Bauarbeiter mit nassen Leinenmatten und Beton Karbonmatten in die Deckenschale ein
Ein Blick auf alle vier Dachschalen: Auf der oben im Bild wurden Dachpappe und Beläge entfernt, die rechts und links noch zu sehen sind. Unten im Bild tragen Bauarbeiter schon die neue Carbonbetonschicht auf, die später mit Dämmmaterial und Dachpappe verkleidet wird. Bildrechte: MDR/ Leonard Schubert
Die Innenseite der Hyparschale: Baugerüstestreben, Betonsäcke, ein Betonmischer, Menschen mit Bauhelmen.
Eigentlich ist das Gebäude innen stützenfrei. Gerade gibt es aber zahlreiche Baugerüste... Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Das Gewebe eine Baugerüstes im schummrigen Innern der Hyparschale.
... damit die Bauarbeiter an die Dachschalen herankommen. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Ein Schwarzweißbild der alten Hyparschalkonstruktion liegt auf einem grünen Plastiksack
Zwar in schwarzweiß, aber trotzdem beeindruckend: die Erstkonstruktion der Hyparschale Bildrechte: MDR/ Leonard Schubert
Vor einer mit Graffiti besprayten Wand stehen Betonsäcke, auf denen Bilder der zukünftigen Hyparschale stehen
Neue Entwürfe vor alter Schale: Bald soll die Hyparschale wieder in neuem Glanz erstrahlen. Bildrechte: MDR/ Leonard Schubert
Ein Bild der zukünftigen Innenansicht der Hyparschale steht auf einem Betonsack. Im Hintergrund eine rote Schubkarre
Besonders die Entwürfe für den bogenförmigen Lichteinlass zeigen beeindruckende Effekte. Bildrechte: MDR/ Leonard Schubert
Alle (14) Bilder anzeigen

Öffnung im Sommer 2022 geplant

Bauleiter Moritz Buchholz ist optimitsisch: "Die Bauarbeiten liegen derzeit sehr gut im Zeitplan." Ein Satz, den man von Baustellen eher selten hört. Zwar sei die Wiederherstellung des Daches nach der Entkernung nur einer der ersten Schritte, trotzdem sei das Team zuversichtlich, dass die Hyparschale im Sommer 2022 wieder zur Nutzung eröffnet werden kann. Daran würden alle Beteiligten mit vollem Einsatz arbeiten. Erste Interessensbekundungen von Veranstaltern habe es auch schon gegeben.

Knapp 17 Millionen Euro stehen für die Sanierung zur Verfügung. Es soll etwas weniger Sitzplätze geben als in alten Tagen, dafür aber viel neue Technik und spezielles Oberlicht. Moritz Buchholz freut sich schon sehr darauf, dass die Hyparschale wieder in neuem-alten Glanz erstrahlt.

Die Menschen können sich auf einen wirklich einzigartigen Veranstaltungsort mit spezieller Atmosphäre freuen.

Moritz Buchholz, Bauleiter
Leonard Schubert
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Leonard Schubert arbeitet seit Februar 2020 in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT. Seine Interessensschwerpunkte sind Politik, Umwelt und Gesellschaft. Erste journalistische Erfahrungen sammelte er beim Charles Coleman Verlag, für das Outdoormagazin Walden und beim ZDF.

Nebenher arbeitet er an seinem Masterabschluss in Friedens- und Konfliktforschung. Über den Umweg Leipzig kam der gebürtige Kölner 2016 nach Magdeburg, wo er besonders gern im Stadtpark unterwegs ist. In seiner Freizeit steht er mit großer Leidenschaft auf den Poetryslambühnen Sachsen-Anhalts oder sitzt mit einem Eisbärbier am Lagerfeuer, irgendwo in Skandinavien.

Quelle: MDR/ls

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 24. Juni 2020 | 16:30 Uhr

1 Kommentar

A.d.R. is Back vor 51 Wochen

Einer maroden freitragenden Betonkonstruktion wird eine dauerhafte neue druck und zug Belastung zugemutet, Donnerwetter man kann nur hoffen das der Statiker gut gerechnet hat. Kilo ist Kilo

Mehr aus der Region Magdeburg

Mehr aus Sachsen-Anhalt