Podcast "Digital leben" Intel-Ansiedlung: Was Konzern und Uni Magdeburg planen

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Bei der Intel-Ansiedlung sind viele Details noch offen. Aber dass pro Fabrik 1.500 Mitarbeiter gebraucht werden, bekräftigt die Intel-Deutschland-Chefin im Podcast "Digital leben" von MDR SACHSEN-ANHALT. Sie sagt, dass Intel Auftrags-Chips in Magdeburg fertigen wird. Für den Rektor der Uni Magdeburg ist Intel eine Chance, um mehr Studierende in die Stadt zu holen.

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Dass der Chef eines riesigen US-Konzerns Mitte März zweimal "Magdeburg" sagt: historisch. Dass bis zu 17 Milliarden Euro investiert werden sollen: historisch. Dass bis zu acht Chip-Fabriken mit jeweils 1.500 Menschen am Eulenberg entstehen sollen: historisch.

Mit der Intel-Ansiedlung stoßen Magdeburg und Sachsen-Anhalt in eine bislang unbekannte Dimension vor. Aber das gilt auch für Intel: Der US-Konzern will in Magdeburg nämlich groß in die Auftragsproduktion von Chips einsteigen. "Das ist neu und ein wichtiger Arm unserer Strategie. Wir wollen sowohl für unseren eigenen als auch für den Bedarf unserer Kunden produzieren", sagt Intel-Deutschland-Chefin Christin Eisenschmid im MDR SACHSEN-ANHALT Podcast "Digital leben". Die Chips würden nach Kundenwünschen designt oder entwickelt. "Je nach dem, was der Anwendungsfall ist", so Eisenschmid.

Porträt Christin Eisenschmid, Intel-Deutschland-Chefin
Intel-Deutschland-Chefin Christin Eisenschmid: In Magdeburg sollen auch Chips in Auftrag produziert werden. Bildrechte: Intel

Keine Intel-Chips 100 Prozent "Made in Magdeburg"

Intels eigene Chips allerdings würden weiter in den USA entwickelt, sagt Eisenschmid. "Daran ist vermutlich nicht zu rütteln. Aber kundenspezifische Anpassungen werden in Europa stattfinden." Intel-Chips zu 100 Prozent "Made in Germany" sind also zunächst nicht abzusehen.

Zumal aus den Werken in Magdeburg auch keine Chips kommen, die direkt an Kunden gehen. In Magdeburg werden die Siliziumscheiben, die sogenannten Waver, quasi "bedruckt" und anschließend an andere Intel-Standorte in Europa geschickt, um dort die Chips herauszulösen und in Gehäuse zu verpacken. "Und wenn sie in Gehäusen verpackt sind, werden sie getestet und ausgeliefert", sagt Eisenschmid.

Den Bedarf an Computerchips schätzt der Hersteller als riesig ein. Aber Computerchips sind nicht gleich Computerchips – sie sind so unterschiedlich wie die Geräte, in denen sie eingesetzt werden: PCs, Smartphones, Server, USB-Sticks oder Drucker. Sie werden aber auch in Autos, e-Bikes, Bildschirmen, Sprachassistenten und in Smart-Home-Thermostaten gebraucht. Ohne Computerchips funktioniert nichts in der digitalen und vernetzten Welt.

Auch die Menschen, die in Chip-Fabriken Magdeburgs arbeiten werden, werden nicht alle Chip-Experten sein. Chip-Produktion sei ein hochkomplexer Vorgang, sagt die Intel Deutschland-Chefin: "Die Jobs sind unterschiedlich. Man benötigt Leute, die die Maschinen warten. Leute, die die Lieferanten-Beziehungen koordinieren, überwachen und sicherstellen, dass nachbestellt wird." Außerdem würden Expertinnen und Experten benötigt, die planen und koordinieren und Projekte für die unterschiedlichen Chip-Produkte leiten.

Woher kommen die Intel-Beschäftigten?

Eisenschmid sagt aber auch, es ist eine große Herausforderung, genug Beschäftigte zu finden. "Momentan geht es der ganzen europäischen Halbleiterindustrie so, dass sie sich sorgt, die richtige Anzahl und die richtige Qualifikation der Arbeitskräfte zu finden."

Das Gute an Magdeburg sei, dass es im Umfeld einige akademische Einrichtungen gibt, mit denen Intel bereits spreche. "Sie haben wirklich zugesagt, dass sie sich mit uns gemeinsam um die Ausbildung von Talenten und künftigen Mitarbeitern kümmern."

Intel kann Studierende an die Hochschulen locken

Das hört Jens Strackeljan, Rektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, sicher gern. Im Podcast "Digital leben" berichtet Strackeljan auch von den ersten geheimen Treffen mit Intel.

Porträt Prof. Jens Strackeljahn, Rektor Uni Magdeburg
Uni-Rektor Jens Strackeljan: Intel kann dafür sorgen, dass seine Uni attraktiver für Studierende auf der ganzen Welt wird. Bildrechte: Uni Magdeburg/Jana Dünnhaupt

Für seine Uni sieht er mit der Intel-Ansiedlung vor allem einen "ungeheuren Impuls", spricht von Renommee und Reputation. Damit würde Magdeburg für Studierende auf der ganzen Welt interessanter. Aus eigener Kraft könnte die Uni nicht so viele junge Menschen anlocken, vermutet der Rektor. "Es wird deutlich leichter, eine junge Schwedin nach Magdeburg zu holen, wenn wir mit Intel ein Stück weit werben können."

Deshalb geht es Strackeljan auch gar nicht so sehr um das Geld, das die Uni möglicherweise im Zuge der Intel-Ansiedlung bekommen könnte. "Geld ist auch wichtig, von wem es auch immer kommen mag. Aber Intel ist einfach eine ganz große Marke. Und das Gewinnen von jungen Menschen für die MINT-Studiengänge ist im Augenblick ein zähes Geschäft und nicht ganz einfach.

Otto von Guericke Universität Magdeburg
Uni Magdeburg: Etwa 30 Professorinnen und Professoren forschen an Themen, die für die Chip-Fertigung wichtig sein können. Bildrechte: imago images/Christian Schroedter

Die Zahl der benötigten Fachkräfte in der entstehenden Halbleiter-Branche lasse sich nicht allein mit Absolventinnen und Absolventen der Universität erreichen. Er kündigt eine breite Aus- und Weiterbildungsstrategie an mit neuen Studienprogrammen, Abschluss-Zertifikaten und Aufbaustudiengängen.

Intel kann Firmen an die Hochschule locken

Strackeljan ist froh, dass es an seiner Uni einen sogenannten Reinraum gibt – "Forschung auf nationalen oder internationalen Niveau wäre sonst gar nicht möglich". Ein größerer Reinraum würde vermutlich auch entstehen. "Unser Reinraum litt ein bisschen darunter, dass wir zu wenig Abnehmer in den Unternehmen hatten, die die Forschung daraus auch wirklich brauchten." Aber mit dem Sog, der durch Intel entstehen würde, könne man Unternehmen anbieten, im Reinraum ihre Applikationen zu testen. "Dann verteilen sich auch die Kosten", sagt Strackeljan.

Reinraum der Uni Magdeburg
Der Reinraum an der Uni Magdeburg: Traum für Forscher, bislang kein Traum für die Finanzverantwortlichen. Bildrechte: Uni Magdeburg/Stefan Berger

Eine wirkliche Halbleiter-Entwicklung finde derzeit in Magdeburg nicht statt, sagt Strackeljan. In Magdeburg ging es im Kern um das Züchten von bestimmten Strukturen: "Aber unsere Forscherteams sind so gut, dass sie auch in nationalen Forschungsprogrammen eingebunden. Also in der Bundesliga." Aktuell schätzt der Uni-Rektor, dass etwa 20 bis 30 Professoren der Uni an Dingen forschen, die für die Intel-Ansiedlung nützlich sein können.

Intel-Deutschland-Chefin Christin Eisenschmid setzt auf die Zusammenarbeit mit allen akademischen Einrichtungen der Region. "Das funktioniert nach unseren weltweiten Erfahrungen sehr gut. Und wir können finanziell unterstützen. Wir können Hardware und Software bereitstellen. Es gibt unterschiedlichste Formen der der Zusammenarbeit."

Eines kann aber auch die Forschung nicht ändern: In Asien werden Computerchips um bis zu 40 Prozent günstiger produziert.

Wasser, Energie und warum der Eulenberg anders aussehen wird als gedacht

Die Chip-Fabrik in Magdeburg soll von Anfang an mit 100 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden. Das hat die Intel-Chefin erneut bekräftigt. Wie die konkreten Pläne zum Wasserverbrauch aussehen, konnte sie nicht sagen. "Dazu ist es zu früh. Aber wir haben uns dazu verpflichtet, Wasser möglichst zurückzugewinnen und wiederaufzubereiten." Das mache Intel an anderen Standorten auch.

Ein Fabrikgeländer auf einem computeranimierten Bild
Das Bild von Intel zur Präsentation des Standorts Magdeburg: So solle es am Eulenberg aber nicht aussehen, sagt die Intel-Deutschland-Chefin. Bildrechte: Intel Corp.

Beim Thema Flächenverbrauch will die Intel-Deutschland-Chefin einen Eindruck geraderücken: Denn das von Intel veröffentlichte Bild der Fabrik ist nur ein Schaubild, sagt sie. "Das spiegelt nicht einmal eine bestehende Fabrik wieder und ist nicht einmal das beste Beispiel." In Israel und Irland habe Intel mehrstöckige Parkhäuser und achte darauf, nicht zu viel Fläche zu verbrauchen.

Die Intel-Chefin will auch die Stadtgesellschaft bei der Ansiedlung mitnehmen. "Uns ist wichtig, dass wir die Bedenken Leuten verstehen. Wir zeigen, dass wir uns in der in der Stadt mit Projekten engagieren wollen." Dazu müssen man Region und Menschen kennenlernen und verstehen, was den Menschen am Herzen liegt, wovor sie sich sorgen oder was ihnen Angst macht. "In Irland gibt es ein sehr schönes Projekt. Da machen wir einmal im Monat eine Veranstaltung für Senioren."

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MDR (Marcel Roth)

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