Mathe, Physik, Chemie Gymnasien ersetzen alte Tafelwerke

Die sogenannten Tafelwerke waren bisher für Schülerinnen und Schüler in Sachsen-Anhalt wie Rettungsanker im Mathe-, Chemie- und Physik-Unterricht. Jetzt werden sie schrittweise ausgemustert – und gegen neue Formelsammlungen ersetzt. Diese sind digital und müssen von den Schulen ausgedruckt werden. Mit der Neuerung sollen die Anforderungen der Abiturprüfungen bundesweit einheitlich gestaltet werden.

Versunken in Formeln rechnet ein Teilnehmer der Thüringer Mathematikolympiade in Erfurt im Königin-Luise-Gymnasium eine Aufgabe.
Für Generationen von Schülerinnen und Schülern waren Tafelwerke in Prüfungen regelrechte Rettungsanker. Nun werden sie abgeschafft. Formelsammlungen wird es aber auch weiterhin geben. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Gymnasien in Sachsen-Anhalt dürfen demnächst nicht mehr die gewohnten sogenannten Tafelwerke verwenden. Hintergrund ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2017, das festgestellt hat, dass die Abiturprüfungen bundesweit nicht einheitlich sind. Seither versuchen die Bundesländer, über die Kultusministerkonferenz vergleichbare Prüfungsbedingungen zu schaffen.

Das hat nun zur Folge, dass die Zeit der Tafelwerke, die von mehreren Schulbuchverlagen herausgegeben werden, gezählt ist. Denn auf dem Weg zu vergleichbaren Prüfungen dürfen die bisherigen Tafelwerke für die Fächer Mathematik, Physik und Chemie ab 2025 nicht mehr in den Abiturprüfungen benutzt werden, weil die Inhalte nur annähernd identisch sind.

Formeln künftig als PDF-Dokument, später bundesweit einheitlich als Druck

Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT werden die Tafelwerke bereits nach und nach gegen neue Formelsammlungen ausgetauscht, die es bisher allerdings noch nicht als gebundenes Buch, sondern nur digital als PDF-Dokument gibt. Diese Sammlung soll im Auftrag der Kultusministerkonferenz durch das in Berlin ansässige Institut zur Qualitätssicherung im Bildungswesen zusammengestellt werden.

Bildungsministerin Eva Feußner (CDU) sagte, die ersten fertiggestellten Exemplare für Mathematik und Chemie gebe es bereits. "Physik fehlt noch." Wenn die Formelsammlung für Physik auch fertiggestellt sei, werde es einen gemeinsamen Druck geben, versicherte Feußner.

Das ist dann das neue Tafelwerk, das alle Schüler und Schülerinnen in den Prüfungen in allen Bundesländern künftig verwenden.

Eva Feußner (CDU) Bildungsministerin Sachsen-Anhalt

Hoffnung auf Erhöhung der Kopieanzahl an Schulen

Dunkelhaarige Frau mit Brille vor einem bunten Gemälde
Bildungsministerin Eva Feußner will Schulen für die künftigen Formelsammlungen eventuell Drucker zur Verfügung stellen. Bildrechte: MDR/Uli Wittstock

Da die neuen Formelsammlungen von den Lehrkräften auszudrucken sind, hofft Feußner, dass die Schulträger Regeln aussetzen, wonach pro Schuljahr nur eine begrenzte Zahl an Fotokopien angefertigt werden darf: "Wir haben ja für Prüfungsaufgaben den Schulen schon mal Drucker zur Verfügung gestellt. Vielleicht kann man die dann für solche Ausdrucke auch verwenden. Weil das schon ein Aufwand für Schulen bedeutet, das zu machen."

Nach MDR-Informationen gibt es immer wieder Klagen, weil Lehrerinnen und Lehrer oft nur maximal 1.000 Kopien pro Schuljahr ausdrucken dürfen.

Verlag bedauert Entscheidung

Während die Gymnasien also noch mit Zetteln kämpfen, trauern die Schulbuchverlage den alten Tafelwerken hinterher. Die Pressestelle des Cornelsen-Verlags schrieb auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT: "Uns ist bekannt, dass im Rahmen der Entwicklung des gemeinsamen Abituraufgabenpools der Länder auch zentrale Formeldokumente erstellt werden, die unsere Produkte an dieser Stelle ablösen sollen." Dass ein "bewährtes und didaktisch geprüftes Hilfsmittel" für Schülerinnen und Schüler nicht mehr für die Prüfung genutzt werden kann, sei bedauerlich.

Einheitliches Abitur ab 2025

Doch auch wenn es die neuen Formeldokumente bislang nur als ausgedruckte Kopien gibt, hat die Zettelwirtschaft auch etwas Gutes: Sie garantiert, dass Schülerinnen und Schüler ab 2025 bundesweit die gleichen Hilfsmittel bei den Abiturprüfungen verwenden.

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Bildrechte: MDR/Dr. Frank Göring

Korrektur: Der Titel des Artikels wurde geändert. Er war irreführend. Richtig ist, dass Tafelwerke mit einer vorerst digitalen Variante ersetzt werden. Es gibt also weiterhin Formelsammlungen. Außerdem ist der Artikel mit weiteren Informationen und einem Statement des Cornelsen-Verlags ergänzt worden.

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MDR (Stephan Schulz, Christoph Dziedo, Daniel Salpius, Moritz Arand)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 21. September 2022 | 07:00 Uhr

22 Kommentare

Denkschnecke vor 3 Tagen

"Formeln/Tabellen sind überall gleich." Genau das sind sie im Abitur eben nicht, wie das Bundesverfassungsgericht wie oben zu lesen 2017 festgestellt hat. Nicht von den Zahlenwerten, sondern von Inhalt und Umfang. Insofern sind auch nicht die Verlage die Ideengeber, sondern das BVerfG.

Denkschnecke vor 3 Tagen

Auf das Problem des generellen Kenntnisstands (den auch ich mir solider wünschte) wollte ich gar nicht hinaus. Mein Problem sind die Unterschiede und was ich rein von den Rahmenrichtlinien erwarten darf. Die Erneuerung der Formelsammlungen ist nötig, weil sie - so wie die Anforderungen - regional zu unterschiedlich sind. Insofern: Alles andere als sinnlos.

Britta.Weber vor 4 Tagen

Das ghet am Kern vorbei. Die Probleme im mathematischen Niveau der Studienanfänger (generisches Maskulinum) haben ihre Ursachen anderswo, mit den Formelsammlungen haben diese nichts zu tun.
Die ganze Aktion ist sinnlos.

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