Wegen Tarifunterschieden Unikliniken bekommen geringeren Corona-Bonus

Als freiwillige Zahlung des Arbeitgebers, durch eine Regelung im Tarifvertrag oder als Prämie vom Bund - der" Corona-Bonus" kann auf verschiedene Weisen ausgezahlt werden. Ein MDR-AKTUELL-Hörer stellt jedoch fest, dass in seinem Umfeld Pflegekräfte deutlich weniger gezahlt bekommen hätten als Polizisten. Wie kommen diese Unterschiede zustande?

Eine Intensivschwester betreut einen Patienten in einem der Behandlungszimmer der Intensivstation
Viele Pflegekräfte sind in der Intensivpflege von Corona-Patienten an ihre Grenzen gekommen. Bildrechte: dpa

Die Uniklinik Dresden gehört als Anstalt des öffentlichen Rechts zum Freistaat - ebenso wie seine Polizisten. Dennoch wurden diese ganz unterschiedlich behandelt während der Corona-Zeit. Das habe einen ganz entscheidenden Grund, sagt der Fachbereichsleiter Gesundheit bei Verdi Sachsen, Bernd Becker.

Denn während die Polizisten nach dem öffentlichen Tarifvertrag bezahlt werden, stiegen die sächsischen Unikliniken vor 20 Jahren aus diesem aus und gehen mit einem Haustarifvertrag einen eigenen Weg: "Damit hat man damals eine Tarifflucht begangen und jahrelang haben wir mit den Beschäftigten gekämpft, um überhaupt an das Tabellenentgeld anzuschließen, was uns jetzt gelungen ist, aber sie fallen weiterhin nicht unter diesen Geltungsbereich."

Denn die 1.300 Euro, die die Polizisten erhalten, seien keinesfalls freiwillige Zahlungen des Freistaates, sondern ein Ergebnis der letzten Tarifverhandlungen. Pikanterweise erhalten daher Mitarbeitende der medizinischen Fakultät - die ja ebenfalls an der Uniklinik angebunden ist - sehr wohl 1.300 Euro Corona-Prämie.

Tarifunterschiede bei Bonuszahlungen

Dennoch gehen die Pflegekräfte nicht gänzlich leer aus, erklärt Becker: "Wir haben 2020 auch an den Unikliniken einen Corona-Bonus ausgehandelt, der nicht in der Höhe ist, aber im Gesamttarifpaket gab es dafür andere Sachen. Da kann man jetzt nicht sagen, dass es grundsätzlich schlechter ist. Wenn man sich die reinen Boni-Zahlungen ansieht, kann man sagen, es gibt tarifliche Unterschiede.

Auch der kaufmännische Vorstand des Uniklinikum Dresdens, Frank Ohi, bestätigt MDR AKTUELL auf Anfrage, dass sich das Klinikum bei Bonuszahlungen nicht nach dem Landestarifvertrag richtet. Im Schnitt würde eine OP-Fachkraft auf 1.270 Euro Bonus kommen, allerdings seien dort Einspringprämien bei kurzfristigen Ausfällen und die Coronaprämien des Bundes für Pflegepersonal mit eingerechnet. So ist dieser Betrag nicht für alle Pflegekräfte gleich hoch.

Auch Nicht-Pflegepersonal erhielt Bonus

Dafür, so Ohi, habe aber auch das Personal, welches nicht in der Krankenpflege arbeitet, einen Bonus erhalten, zum Beispiel angestellte Reinigungskräfte oder Kantinenmitarbeiter. Freiwillige Zusatzzahlungen in der Pflege seien daher wirtschaftlich nicht stemmbar gewesen, zumal das Klinikum in der Corona-Zeit Verluste gemacht habe.

Die Leipziger Ärztin und Bundestagsabgeordnete Paula Piechotta von den Grünen ist stellvertretendes Mitglied im Gesundheitsausschuss. Es sei das Recht der Kliniken, wenn sie nichts freiwillig zahlen: "Was ihr zusätzlich zahlen könnt, ist ein freiwilliger Bonus. Freiwillig bedeutet, dass man das Uniklinikum nicht dazu zwingen kann."

Bund habe bei Bonuszahlungen keinen Einfluss auf Arbeitgeber

Paula Piechotta (Bündnis 90/Die Grünen)
Paula Piechotta (Bündnis 90/Die Grünen) Bildrechte: dpa

Auch sagt sie, der Bund habe keinen Einfluss darauf, wenn Arbeitgeber ihren Mitarbeitern höhere Boni zahlen, als die Pflegekräfte vom Bund bekommen. Selbst innerhalb des öffentlichen Dienstes gäbe es Unterschiede: "Wir haben ja zum Beispiel gesehen, dass der Polizist oder die Polizistin in Sachsen einen Corona-Bonus bekommt, in Hessen war das zum Beispiel aber nicht so. Das entscheidet immer noch derjenige, der da auch sonst die Lohn- und Gehaltsentscheidungen trifft."

Und so herrscht in Deutschland ein Flickenteppich aus unterschiedlichen Regelungen. Am Ende, so sagt Piechotta, habe Corona den Arbeitsmarkt nicht grundlegend geändert. Firmen, die finanziell gut dastehen, können so teilweise höhere freiwillige Boni zahlen, als eine Klinik, die nur die Bundeszuweisungen weitergibt. Und je nach Erfolg bei Tarifverhandlungen kommt es zu unterschiedlichen Bonizahlungen bei Angestellten im öffentlichen Dienst – so übrigens auch zwischen dem Freistaat und den sächsischen Kommunen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Juni 2022 | 08:21 Uhr

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