Eine Person im Halbdunkel notiert etwas in einem Aktenordner.
Der Mafia-Ausschuss des Thüringer Landtags soll mögliche Ungereimtheiten in einem Mafia-Verfahren vor 20 Jahren klären. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Organisierte Kriminalität Thüringer Mafia-Untersuchungs­ausschuss: Staatsanwaltschaft weist Einflussnahme zurück

05. Oktober 2021, 17:21 Uhr

Der Mafia-Untersuchungsausschuss im Thüringer Landtag soll Klarheit in die Mafia-Ermittlungen namens "Fido" vor 20 Jahren bringen. Geklärt werden soll, warum das Verfahren eingestellt wurde, obwohl es laut einer MDR-Recherche aussichtsreich gewesen sein soll. Außerdem will der Ausschuss mögliche Verstrickungen von Beschuldigten zu Politik, Verwaltung oder Justiz klären. Eingestellt hatte das Verfahren damals der Staatsanwalt Thomas Riebel.

Im Mafia-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtags hat der damals leitende Staatsanwalt Thomas Riebel jegliche äußere Einflussnahme zurückgewiesen. Riebel sagte am Dienstag den Abgeordneten, in seiner Zeit sei nie Einfluss darauf genommen worden, wie er ein Verfahren bearbeiten oder abschließen soll. Er sei Anfang 2003 bei der Staatsanwaltschaft Gera Leiter der Abteilung für Verfahren gegen die Organisierte Kriminalität geworden. Damit habe er das "Fido"-Verfahren von seinem Vorgänger übernommen. Mitte 2006 habe er das Verfahren eingestellt. Zu dieser Zeit sei nicht mehr ermittelt worden, bestätigte Riebel.

Der seit Dienstag laufende Mafia-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtags will mögliche Ungereimtheiten des Mafia-Verfahrens vor 20 Jahren klären. Es sollen Schlüsseldokumente der sogenannten Fido-Ermittlungen verlesen und Zeugen angehört werden.

Untersuchungsausschuss nach MDR-Recherche

Der MDR hatte am 21. Februar 2021 nach einer gemeinsamen Recherche mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einen Film zu dem Fall gesendet. Die Autoren hatten darüber berichtet, dass ein verdeckter Ermittler zunächst abgezogen und das Verfahren eingestellt wurde, obwohl es aussichtsreich gewesen sein soll. Der Ausschuss geht auch der Frage nach, inwieweit es Verbindungen von damals Beschuldigten zu Politik, Verwaltung oder Justiz gegeben hat.

Riebel: Ermittlungen waren ausgeschöpft

Wie Riebel am Dienstag im Ausschuss sagte, waren die Ermittlungen im "Fido"-Verfahren ausgeschöpft, als er die Abteilung übernahm. Es habe keine tatsächlichen Anhaltspunkte mehr für verfolgbare Straftaten gegeben. "Dann ist man am Ende und da verbieten sich auch weitere Ermittlungen", so Riebel. "Der Verdacht der Geldwäsche stand eben nicht mehr im Raum."

Bei seiner Übernahme offen gewesen sei noch ein Rechtshilfeersuchen aus Italien, bei dem es um Geldwäsche ging. Der neue Ansatz sei gewesen, auf mögliche neue Hinweise aus Italien zu setzen, um möglicherweise weiter ermitteln zu können.

Warum wurde ein Ermittler abgezogen?

Der an der Recherche beteiligte MDR-Journalist Ludwig Kendzia sagte im Untersuchungsausschuss als Sachverständigenzeugen aus. Er sprach von Ungereimtheiten bezüglich des plötzlichen Endes der Ermittlungen. Kendzia hatte im Untersuchungsausschuss beschrieben, dass seiner Ansicht nach das "Fido"-Verfahren zu einem "Knackpunkt" gekommen war, als ein verdeckter Ermittler zu einer Hochzeit nach Italien eingeladen wurde. Die Reise kam mit dem Ende der Ermittlungen letztlich nicht zustande.

"Die Sicherheit konnte nicht gewährleistet werden", sagte Riebel dazu, der sich auf einen Vermerk in den Akten bezog. "Dann waren auch die rechtlichen Gegebenheiten für deutsche Polizeibeamte als verdeckte Ermittler in Italien wohl auch unklar."

Unverständnis und Fragen bei Abgeordneten

Mit Unverständnis und vielen Fragen reagierten die Abgeordneten. Katharina König-Preuss von der Linken sagte MDR THÜRINGEN, für sie stelle sich die Frage, warum nach mehreren Jahren sehr intensiver Ermittlungsarbeit der eine zuständige Staatsanwalt vom Verfahren plötzlich abgezogen wird und ein anderer übernimmt, um alles einzustellen.

Das sehe für sie nach einer Einflussnahme auf höherer Ebene aus. Wie die Politikerin der Linken weiter sagte, liegen ihr Akten vor, aus denen deutlich wird, dass Personen aus Justiz und Politik durchaus Verbindungen in die Mafia-Strukturen hatten.

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 05. Oktober 2021 | 22:00 Uhr

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