Entwicklungshilfe Thüringer eröffnen Schule in Kenia

Es ist ein ebenso großes wie spannendes Projekt, dem sich der Verein "Educaid Kenia" aus Klettbach bei Erfurt widmet: der Aufbau einer Schule in Mombasa in Kenia. MDR THÜRINGEN hat Mitglieder des Vereins auf einer Reise nach Kenia zur Schule begleitet.

Die Educaid Academy in Mombasa
Die Educaid Academy in Mombasa Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

23 Kilogramm - schwerer durften die Koffer nicht sein. Alle 27 Mitreisenden haben es ausgenutzt und sich und ihre Gepäckstücke vollgepackt, mit Sportsachen, Spielzeug, Kosmetik und Schuhen. Spenden, für Schulkinder in Kenia. Die Mitglieder des Vereins Educaid Kenya hatten sich auf den Weg gemacht, eine Schule einzuweihen. Im Januar 2020 wurde das Gebäude fertig gestellt. Seitdem werden 340 Kinder vom Kindergarten-Alter bis zur Klassenstufe acht dort unterrichtet und betreut. Perspektivisch werden es mehr sein. Ein zweites Gebäude ist in Arbeit, der Rohbau schon fertig.

Harte Arbeit für den kleinen Thüringer Verein

Was so einfach klingt, war harte Arbeit für einen kleinen thüringischen Verein. Jahre haben die Initiatoren Gabriele und Gerd Keßler gebraucht und sich ein Netzwerk aufgebaut. Auch in Kenia, vor Ort, werden sie unterstützt. Sie haben Partner gefunden und sie von ihrer Schulidee überzeugt. So kamen sie günstig an Bauland, haben rechtlichen Beistand, einen kompetenten Schulleiter und inzwischen 18 Lehrer gefunden.

Schülerinnen einer Schule in Mombasa in Kenia hissen Flaggen. 1 min
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1 min

Mi 03.11.2021 13:39Uhr 00:48 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/mitte-thueringen/apolda-weimarer-land/video-schule-mombasa-kenia-educaid-100.html

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Viele der Kinder, die heute in der Educaid Academy lernen, müssen kein Schulgeld bezahlen. Deutsche Paten übernehmen das für sie. Für 250 Euro im Jahr sponsern sie außerdem eine Schuluniform und ein warmes Mittagessen und das jeden Tag. Was so selbstverständlich für uns klingt, ist in Mombasa ein Luxusgut. Ein warmes Essen und ab und an sogar Fleisch. Viele Familien können sich das nicht leisten. Sie leben in einfachsten Verhältnissen. Ihre Wohnungen sind klein, die Hütten nicht selten aus Lehm gebaut.

Bildung als Türöffner in ein besseres Leben

"Education are the wings to fly", singen die Kinder beim Schulfest und was sie sagen, das meinen sie. Bildung ist ein Türöffner in ein besseres Leben. Davon sind auch die Mitglieder des Klettbacher Vereins Educaid Kenya überzeugt, mit denen ich Ende Oktober in das 9.000 Kilometer entfernte Mombasa reise.

Kinder essen in der Educaid Academy zu Mittag
In der Schule gibt es für die Kinder jeden Tag ein warmes Mittagessen. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Christen und Moslems werden gemeinsam unterrichtet

32 Grad Lufttemperatur erwarten uns. Mombasa, eine Stadt, eingehüllt in Staub. Die Straßen sind schlecht und das Fortkommen mühsam. Die Reise ist spannend, noch spannender ist unser Auftrag. Wir bereiten ein Schulfest vor, wollen die 340 Kinder einladen, zur Einweihung ihrer neuen Schule. Einer Schule, in der Christen und Moslems gemeinsam unterrichtet werden. Eine Schule, in deren Küche Lebensmittel aus dem eigenen Garten gekocht werden. Eine Schule, in der Kindern handwerkliche Fähigkeiten beigebracht werden.

Fußball-Schulmannschaft der Educaid Academy in Trikots mit dem Logo des Sponsors aus Bad Berka
Trikotsponsor aus Bad Berka: Fußballmannschaft der Schule Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

In den Tagen vorm Fest führen wir viele Gespräche. Die Lehrer unter uns stellen ein Belohnungssystem für ganz besonders saubere Klassen vor. Müll ist ein leidiges Thema in einer Stadt ohne Entsorgungssystem. Plastikflaschen, Dosen und Papier werden unachtsam weg geworfen. Überall liegen Berge von Müll. Ab und an werden sie einfach verbrannt. "In unserer Schule soll das anders sein. Müllberge gehören nicht hierher", sind sich auch die Lehrer einig.

Marmelade kochen in der Schulküche

Den Küchenfrauen zeigen wir, wie man Marmelade kocht. Reife Früchte sollen nicht mehr verderben. Alle zusammen singen wir "Rühre, rühre Löffelstiel" und füllen am Ende ein schmackhaftes Produkt ins Glas, was sich dann auch noch verkaufen lässt. Immer mehr Ideen werden ausgetauscht. Was die kenianischen Freunde daraus machen, bleibt ihnen überlassen. Das wird die Zukunft zeigen.

Kochen in der Schulküche der Educaid Academy
Gemeinsam wird Marmelade gekocht. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Neues Projekt: eine Trinkwasseraufbereitungsanlage

Und dann geht es um ein neues Projekt. Das Wasser aus dem schuleigenen Brunnen ist zum Trinken zu schlecht. Zu viel Nitrat und auch Kolibakterien - der Verzehr wäre gefährlich. Die Lösung soll eine Trinkwasseraufbereitungsanlage sein. Doch deren Bau und Wartung ist teuer. Dennoch, sie wird dringend gebraucht. "Unser Ziel ist es, den Kindern nicht nur in der Schule Wasser zur Verfügung zu stellen. Sie sollen auch jeden Tag zwei Liter mit nach Hause bekommen", sagt Gerd Keßler, Chef des Educaid Kenya Vereins.

Speisesaal der Educaid Academy in Mombasa
Der Speisesaal der Schule Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Seine Frau Gabriele, die den Verein ebenso leitet, hat vor allem die Mädchen im Blick. 50 von ihnen holt sie an einen Tisch. Gesprochen wird über das Tabuthema Menstruation. Mädchen, die ihre Regel haben, gehen oft nicht zur Schule und verpassen im Monat wichtige Tage Unterricht. "Und das nur, weil die Hygieneartikel fehlen. Das kann nicht sein und muss sich ändern", sagt Gabriele Keßler, von Beruf Frauenärztin.

Ein Fest für Schüler und Gäste

Jeder Schulbesuch bringt neue, schöne Überraschungen mit sich. Von Tag zu Tag werden die Kinder und auch Lehrer aufgeschlossener. 50 kleine Händen geben uns "Fünf", wenn wir das Tor passieren. Sie sind aufgeregt, vor allem am Tag des angekündigten Schulfestes, können sie uns Gäste kaum erwarten.

Eine Schulklasse in der Educaid Academy
Jeden Tag werden die Kinder gegenüber den Besuchern aus Thüringen aufgeschlossener: Schulklasse in der Educaid Academy. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Viele Stationen haben wir aufgebaut: Schwungtuch, Seifenblasen, Schminken und Sport. Den ganzen Vormittag wird gespielt. Am Nachmittag gibt's dann für uns Deutsche ein Programm. Die Kinder singen und tanzen, sagen deutsche Gedichte auf. Woher sie die Energie nehmen, ist uns allen ein Rätsel. Aber auch wir wollen uns nicht lumpen lassen und feiern mit. Schließlich werden wir belohnt mit dem schönsten Preis, den es an diesem Tag für uns gibt: ein Kinderlachen, was ehrlicher nicht sein kann.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 02. November 2021 | 05:40 Uhr

28 Kommentare

Sigrun vor 10 Wochen

Liebe Mitarbeiter:innen des MDR,
engegen den gesetzlichen Regelungen in anderen Bundesländern ist in Bayern ein Ruhen der Schulpflicht in besonderen Fällen möglich. Zu diesen besonderen Fällen zählen in Bayern Ernteeinsätze im Familienberieb.

Siehe hierzu Bayrische Schulordnung, § 20 Teilnahme, Befreiung, Beurlaubung, Absatz 3

MDR-Team vor 10 Wochen

Liebe Sigrun,

um Missverständnissen vorzubeugen, hier eine Klarstellung: Um einst zu ermöglichen, dass Kinder u.a. bei der Kartoffelernte mithelfen können, wurde festgelegt, dass die bayerischen Sommerferien Ende Juli beginnen und Mitte September enden, sodass der Erntezeitraum in die schulfreie Zeit fällt. Kinder in Bayern werden also nicht von stattfindendem Unterricht freigestellt, um auf dem Feld arbeiten zu können.

Weitere Informationen finden Sie im folgenden Artikel: https://www.br.de/nachrichten/bayern/sommerferien-warum-sind-wir-bayern-immer-die-letzten,QyzA8dh.

Beste Grüße
die MDR Thüringen-Onlineredaktion

Stealer vor 10 Wochen

@REXt: Nun, die Kolonisation Afrikas kam halt zu spät, sonst wäre es vielleicht wie in Amerika oder Australien abgelaufen. Wäre Ihnen vermutlich angenehmer.

Die Enwicklungsgelder sind ein Klacks gemessen an dem, was aus Afrika herausgeholt wurde und wird. Praktisch der ganze Kontinent wurde von Europas Mächten kolonisiert, ausgebeutet und ethnisch wie kulturell zerstückelt. Die heutigen Staaten sind fast alle auf dem Reißbrett entstanden und dadurch notorisch instabil.

Die Eliten wurden auch nach dem Ende der Kolonien bestochen und progressive Strömungen auch mit europäischer Hilfe unterdrückt. Die Wirtschaft wurde auf den Export (zu uns) von Rohstoffen und billigen Agrarerzeugnissen aus Monokulturen getrimmt, das ist meist auch heute noch so. Währenddessen überschemmen wir den Kontinent mit subventionierten Produkten und Resten, fischen die Küstengewässer leer und sorgen allgemein dafür, dass die Bevölkerung nichts vom Reichtum ihrer Länder abbekommt.

Ihr Kommentar ist unsinnig.

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