Migration Land will mehr Flüchtlinge in Kommunen schicken - Landkreistag wehrt sich

Thüringen will bis zum Ende des Jahres mehr Flüchtlinge aus der Erstaufnahmestelle in Suhl in den Kommunen unterbringen. Auf die Pläne des Migrationsministerium reagierte der Thüringer Landkreistag mit Unverständnis. Dessen Geschäftsführer Thomas Budde sagte, die Kommunen hätten alles Menschenmögliche getan, um die vielen Tausend zusätzlichen Flüchtlinge aus der Ukraine unterzubringen - nun sei das Land an der Reihe.

Drei Frauen gehen auf dem Gelände der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Thüringen spazieren.
Drei Frauen auf dem Gelände der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Thüringen in Suhl. Bildrechte: dpa

Der Thüringer Landkreistag hat auf die jüngsten Pläne des Migrationsministeriums mit Unverständnis reagiert. Demnach sollen bis Ende dieses Jahre deutlich mehr Flüchtlinge aus der Erstaufnahmestelle in Suhl an die Kommunen verteilt werden. Der Geschäftsführer des Thüringer Landkreistages, Thoms Budde, sagte, die Kapazitäten von Städten und Gemeinden seien längst erschöpft.

Ein Wohnblock mit einer Wiese davor.
Ein Wohnheim der Erstaufnahmestelle des Landes Thüringen in Suhl. Bildrechte: dpa

Land soll eigene Gebäude nutzbar machen

Nach Buddes Worten könne man etwas, das objektiv unmöglich ist, nicht verlangen. Die Kommunen hätten alles Menschenmögliche getan, um die vielen tausend zusätzlichen Flüchtlinge aus der Ukraine unterzubringen - jetzt liege der Ball beim Land, sagt er weiter. Budde habe das Gefühl sich denn Mund fusselig zu reden, denn schon seit Monaten fordere der Landkreistag die Regierung auf, schleunigst eigene Gebäude nutzbar machen. Und zwar so, dass dort dauerhaft Flüchtlinge untergebracht werden können; so könne die Unterkunft in Suhl gleich mit entlastet werden, sagte Budde.

260 Flüchtlinge sollen in Kommunen untergebracht werden

Zuvor hatte Migrationsminister Dirk Adams (Grüne) angekündigt, es sollten wöchentlich 260 Menschen in anderen Städten und Gemeinden untergebracht werden. Bislang seien es etwa 150 Flüchtlinge pro Woche gewesen.

Derzeit wohnen etwa 900 Flüchtlinge in dem Heim in Suhl. Die Zahl soll Adams zufolge bis Weihnachten auf maximal 300 reduziert werden, damit über die Feiertage niemand verlegt werden muss. Aus vielen Kommunen des Landes heißt es allerdings schon seit Wochen, dass inzwischen nicht mehr ausreichend Wohnraum für Flüchtlinge vorhanden sei.

Für 2022 werden 10.000 Flüchtlinge mehr erwartet

Die Erstaufnahmeeinrichtung in Suhl ist das zentrale Objekt des Landes für die Unterbringung von Flüchtlingen in den ersten Tagen oder Wochen nach deren Ankunft in Thüringen. Neben ukrainischen Kriegsflüchtlingen, die dort meist nur wenige Tage verbringen, leben auf dem Areal nach Angaben von Adams derzeit vor allem Asylbewerber aus Afghanistan und Syrien.

Mit Blick auf das gesamte Jahr 2022 geht Adams davon aus, dass ungefähr 10.000 Flüchtlinge mehr nach Thüringen gekommen sein werden als im Jahr 2015. Gerechnet werde insgesamt mit etwa 40.000 Schutzsuchenden. Vertreter der Stadt Suhl hadern seit Langem mit der Einrichtung - auch deshalb, weil es in der Vergangenheit immer wieder zu Konflikten gekommen war.

MDR (vle/mad/co)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 30. September 2022 | 06:00 Uhr

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