Drei Menschen sitzen an einem Konferenztisch
Die Geschäftsstelle von Talisa e.V. in Erfurt. Jetzt musste der Verein nach Betrugsvorwürfen Insolvenz anmelden. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Nach Betrugsvorwürfen Arbeitsloseninitiative Talisa meldet Insolvenz an

06. Juli 2023, 05:34 Uhr

Sie soll Fördermittel etwa für Flüchtlingsprojekte nicht zweckentsprechend genutzt haben. Deshalb wird seit Monaten gegen die Arbeitsloseninitiative Talisa ermittelt. Das Land prüft dabei die Verwendung von Geldern in Millionenhöhe. Nun meldete Talisa Insolvenz an.

Die unter Betrugsverdacht stehende Thüringer Arbeitsloseninitiative Soziale Arbeit (Talisa) hat Insolvenz angemeldet. Ein Sprecher des Amtsgerichts Erfurt bestätigte MDR THÜRINGEN, dass bereits Mitte Juni ein entsprechendes Verfahren gegen den gemeinnützigen Verein eingeleitet wurde. Zum Insolvenzverwalter sei der Erfurter Rechtsanwalt Rolf Rombach bestellt worden.

Insolvenzverwalter: Derzeit 75 Mitarbeiter bei Talisa beschäftigt

Rombach sagte MDR THÜRINGEN, dass bei Talisa derzeit 75 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter thüringenweit beschäftigt sind. Ziel sei es, die Arbeit des Vereins in den verschiedenen Feldern, wie Kleiderkammern, Tafeln und anderen sozialen Bereichen weiterhin aufrechtzuerhalten. Er habe inzwischen mehrere Gespräche mit den verschiedenen Verantwortlichen des Vereins führen können. Dabei gehe es auch um die Frage, ob wieder Fördermittel an den Verein vom Land freigegeben werden könnten.

Ingrid Schindler neben Bodo Ramelow
Steht im Fokus der Vorwürfe, gegen sie wird inzwischen ermittelt: die ehemalige Talisa-Geschäftsführerin Ingrid Schindler. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auszahlung von Geld an den Verein gestoppt

Das Sozial- und das Justizministerium haben seit Monaten die komplette Auszahlung von Geld aus verschiedenen Fördertöpfen des Landes gestoppt. Hintergrund sind unter anderem mehrere Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Erfurt gegen den Verein. Diese geht dem Verdacht des Betruges bei der Verwendung von Fördergeldern nach. Dabei wird auch gegen die inzwischen entlassene Geschäftsführerin und ehemalige Vereinsvorsitzende Ingrid Schindler ermittelt.

Aktuell soll es um einen Schaden von weit mehr als 80.000 Euro gehen. Nach MDR THÜRINGEN-Informationen haben Fahnder des Landeskriminalamtes das Geld im Rahmen von Finanzermittlungen bisher nicht finden können. Schindler hatte die Vorwürfe gegen sich immer bestritten.

Behörde prüft Verwendung von Fördergeld in Millionenhöhe

Zudem prüft das Landesverwaltungsamt seit Frühjahr vergangenen Jahres die Verwendung von Millionensummen an Fördergeldern, die Talisa über die Jahre für verschiedene Projekte thüringenweit erhalten hatte. Dabei sind die Prüfer seit Monaten immer wieder auf neue Hinweise gestoßen, dass die Mittel nicht dem Zweck entsprechend verwendet worden sein sollen. Unter anderem geht es um Projekte im Bereich der Flüchtlingsarbeit, bei denen der Verdacht besteht, dass sie nur auf dem Papier existiert haben könnten.

MDR THÜRINGEN hatte Ende April vergangenen Jahres erstmals über diesen Verdacht berichtet. In der Folge leitete die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen ein und das Landesverwaltungsamt begann mit seinen Prüfungen. Im Thüringer Landtag haben sich seitdem immer wieder der Sozial- und der Justizausschuss mit dem Thema beschäftigt. Bereits der Talisa-Vorgängerverein, die Thüringer Arbeitsloseninitiative ALI war vor mehr als zehn Jahren pleite gegangen. In Folge dessen wurde dann aus der ALI der Verein Talisa.

Mehr zum Fall Talisa

MDR (lke/ar/rdt)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 05. Juli 2023 | 22:00 Uhr

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